Krebspatientinnen: «Siehst du nicht krebskrank aus, bist du für die Gesellschaft gesund»
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Krebspatientinnen«Siehst du nicht krebskrank aus, bist du für die Gesellschaft gesund»

Wer den Krebs besiegt, ist nicht automatisch auch gesund. Noch jahrelang leiden Betroffene darunter, wie eine Studie zeigt. Drei Betroffene erzählen von ihrem Schicksal.

von
Nicolas Meister
«Siehst du nicht krebskrank aus, bist du für die Gesellschaft gesund»

Marianne und Alexandra erzählen von ihrem Schicksal. Beide hatten Krebs und leiden noch heute unter den damit verbundenen Folgen.

20 Minuten

Darum gehts

Jährlich erkranken in der Schweiz 43’500 Personen an Krebs, wie Zahlen der Krebsliga zeigen. Fünf Jahre nach der Diagnose leben noch 67 Prozent der Betroffenen. Der Krebs hinterlässt jedoch seine Spuren: Knapp 30 Prozent von ihnen geht es noch Jahre später physisch und psychisch schlecht, wie eine Studie des Pharmakonzerns MSD und des Umfrageinstituts GFS Bern zeigt. Darunter leide die Lebensqualität der Betroffenen stark, heisst es weiter.

Trotz hoher Zufriedenheit mit dem Schweizer Gesundheitssystem und der Krebsversorgung kritisiert knapp ein Viertel aller befragten Personen die mangelnde psychologische Unterstützung nach der Behandlung. Es bestehe generell ein Handlungsbedarf beim Leben nach der Krebserkrankung, so die Studie. Das betreffe auch die engen Angehörigen der Krebserkrankten.

Immer noch mit den Nebenwirkungen der Krebserkrankung zu kämpfen hat A.G.* aus dem Kanton Zürich. Bei ihr wurde im Juli letzten Jahres Brustkrebs festgestellt. Auch wenn sie mittlerweile aus medizinischer Sicht gesund sei, gehe es ihr physisch und psychisch schlecht. «Meine kognitiven Fähigkeiten sind stark eingeschränkt und das Arbeiten fällt mir sehr schwer.» Der Druck von ihrer Vorgesetzten mache die Situation nur noch schlimmer, sagt die 40-jährige Zürcherin. «Obwohl sie anfangs sagte, ich könne es nach der Therapie locker angehen, rastet sie bei kleinen Fehlern oft aus. Zudem wirft sie mir vor, dass ich das Unternehmen viel Geld kosten würde und deshalb mein Pensum stärker erhöhen müsste.»

Noch schlimmer traf es Alexandra. Die 52-Jährige ist wegen ihrer Brustkrebserkrankung seit 20 Jahren arbeitsunfähig. Auch die 57-jährige Marianne hat immer noch mit den Folgen ihres schwarzen Hautkrebs zu kämpfen. Ihre Geschichten erzählen die beiden im Video (siehe oben).

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Die Lebensqualität vieler Krebsbetroffener ist trotz erfolgreicher Therapie oft noch Jahre beeinträchtigt, so eine Studie. (Symbolbild)

Die Lebensqualität vieler Krebsbetroffener ist trotz erfolgreicher Therapie oft noch Jahre beeinträchtigt, so eine Studie. (Symbolbild)

Tamedia AG
Auch A.G.* ist davon betroffen. Sie hatte Brustkrebs und schläft vor Erschöpfung bei der Arbeit teilweise fast ein. 

Auch A.G.* ist davon betroffen. Sie hatte Brustkrebs und schläft vor Erschöpfung bei der Arbeit teilweise fast ein. 

Getty Images
Auch Alexandra hatte Brustkrebs. Bei ihr bildete sich nach der Operation ein Lymphödem, welches ihr seit 20 Jahren das Leben schwer macht.

Auch Alexandra hatte Brustkrebs. Bei ihr bildete sich nach der Operation ein Lymphödem, welches ihr seit 20 Jahren das Leben schwer macht.

20min/Nicolas Meister

Informationen zur Studie

Hast du oder hat jemand, den du kennst, die Diagnose Krebs erhalten?

Hier findest du Hilfe:

Krebstelefon, Tel. 0800 11 88 11

Cancerline, Chat mit Fachpersonen

Regionale Beratungsstellen der Krebsliga

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