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Siemens-Angestellte befürchten Abbau von 74'000 Stellen

Siemens hat nach Angaben des Gesamtbetriebsrates seinen Rückzug aus Deutschland eingeläutet.

Die Strategie des Konzerns «würde für Deutschland einen Abbau der Belegschaft um 74.000 Mitarbeiter bedeuten», heisst es in einem am Donnerstag veröffentlichten Positionspapier. «In letzter Konsequenz wird dadurch der Standort Deutschland komplett in Frage gestellt.» Ein Konzernsprecher in München wies dies als unseriös und «reine Panikmache» zurück. Rund 5.000 Stellen stünden auf dem Prüfstand, die Hälfte davon liesse sich durch längere und flexiblere Arbeitszeiten erhalten.

Der Betriebsrat lehnte die 40-Stunden-Woche ab und forderte öffentlichen und politischen Druck gegen die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Niedriglohnländer. Da Siemens Umsatz und Wertschöpfung in den jeweiligen Märkten angleichen wolle, würden 74.000 der bislang 170.000 Stellen in Deutschland abgebaut werden, warnte die Arbeitnehmervertretung. Zudem wolle Siemens Entwicklung und Fertigung zusammenfassen und möglichst kostengünstig platzieren. «Es steht ein Personalabbau bevor, der qualitativ und quantitativ eine neue Dimension eröffnet.» Die Siemens-Strategie bedrohe letztlich «den Industriestandort Deutschland als ganzes». Die Explosion der Arbeitslosigkeit würde die sozialen Sicherungssysteme sprengen und die Steuerausfälle würden den Staat handlungsunfähig machen.

Der Betriebsrat appellierte an die Konzernleitung, die Fertigung in Deutschland zu belassen und nicht mehr in Diktaturen zu investieren. Bei der Vergabe von EU-Fördermitteln für neue Standorte müsse die Politik die Zustimmung der betroffenen Betriebsräte vorschreiben. Wenn Siemens sich seinen Aktionären mehr verpflichtet fühle als seinen Mitarbeitern und dem deutschen Staat, werde es seiner gesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht, beklagte der Betriebsrat.

Konzernsprecher Peter Gottal sagte dagegen: «Zu behaupten, dass 74.000 Stellen in Gefahr seien, ist völlig aus der Luft gegriffen.» Es liefen Verhandlungen über die Zukunft von 5.000 Stellen. Richtig sei auch, dass Siemens neue Stellen eher im Ausland schaffe. Aber das Niveau der Mitarbeiterzahl in Deutschland solle auch langfristig gehalten werden. Das Positionspapier sei eine unseröse Drohgebärde der Gewerkschaft. (dapd)

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