Aktualisiert 13.02.2009 14:55

KriseSiemens muss Kurzarbeit ausweiten

Die weltweite Konjunkturkrise zwingt den Technologiekonzern Siemens zu einer drastischen Ausweitung der Kurzarbeit. Siemens will bis April rund 7400 Mitarbeiter in Kurzarbeit setzen.

Ziel sei es, Arbeitsplätze zu erhalten, teilte Siemens mit. Derzeit seien bereits rund 4600 der insgesamt 131 000 Mitarbeiter in Deutschland in Kurzarbeit.

Finanzvorstand Joe Kaeser schloss am Freitag eine Ausweitung nicht aus. «Wie weit das aufrechterhalten oder ausgeweitet wird, entscheidet die Nachfrage der Kunden und wann die Konjunktur wieder anspringt», sagte er. Kurzarbeit sei ein gutes Mittel, nicht gleich mit harten Massnahmen auf die Krise reagieren zu müssen. Das Tempo des Abschwungs habe sich rasant beschleunigt und mache sich vor allem im Industriesektor bemerkbar, etwa beim Leuchtenhersteller Osram. Dagegen sei der Energiesektor «im Takt», erklärte Kaeser.

Über die weitere Entwicklung wolle er nicht spekulieren, sagte Kaeser zu Berichten, wonach in den kommenden Monaten bis zu 10 000 Siemens-Mitarbeitern Kurzarbeit droht. Ein IG Metall-Sprecher sagte der AP, Prognosen seien kaum möglich. «Der Planungsstand kann in wenigen Stunden schon wieder überholt sein.»

Der Siemens-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Lothar Adler erklärte: «Der Gesamtbetriebsrat ist sich über die Gefahr im Klaren und arbeitet jetzt mit Hochdruck daran, die Folgen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abzufedern.»

Vor allem Osram-Standorte betroffen

Siemens teilte mit, dass neben Werken in Cham, Amberg und Neustadt an der Saale vor allem Standorte von Osram betroffen seien. Das Unternehmen nutze neben Kurzarbeit auch Massnahmen wie Arbeitszeitverkürzung, den Abbau von Überstundenkonten oder Versetzungen zwischen unterschiedlich ausgelasteten Werken zur Beschäftigungssicherung.

Siemens teilte bereits auf der Hauptversammlung im Januar mit, dass es bei den sogenannten kurzzyklischen Märkten von Osram und der Industrieautomatisierung sowie bei Ausrüstungen für den Maschinenbau deutlich weniger Aufträge gibt. An 3 der rund 100 deutschen Siemens-Standorte wurde daher schon im Januar kürzer gearbeitet.

Siemens-Chef Peter Löscher gab sich auf der Hauptversammlung angesichts eines Milliardengewinns im ersten Quartal optimistisch. «Wir sind überzeugt davon, dass wir als Gewinner aus der Krise hervorgehen», erklärte er damals, räumte aber zugleich ein: «Ich glaube, die schwierigen Quartale liegen noch vor uns.»

«Demonstrative Zuversicht relativiert»

Die Arbeitnehmervertreter zeigten sich vom Ausmass der Kurzarbeit überrascht. «Die demonstrative Zuversicht der vergangenen Wochen wird etwas relativiert», hiess es bei der IG Metall. Zudem sei der Gesamtbetriebsrat über die Ausweitung der Kurzarbeit «nicht eben früh informiert» worden.

Derweil besorgte sich Siemens mit zwei Anleihen mit einem Volumen von insgesamt 4 Milliarden Euro frisches Geld an den Kapitalmärkten. Die Nachfrage sei riesig gewesen, erklärte Kaeser. Der Konzern sei mit den langfristigen Finanzierungen für die Krise nun gut gerüstet. (dapd)

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