Aktualisiert 04.06.2015 13:48

Trotz Milliarden-Deal

Siemens streicht tausende Stellen

Der Besuch vom ägyptischen Präsidenten al-Sisi hat sich vor allem für den Technologiekonzern gelohnt. Aber nicht für seine Arbeiter.

von
dpa/cmr

Es ist der bisher größte Auftrag in der Unternehmensgeschichte des deutschen Konzerns: In Ägypten sollen neue Gas- und Windkraftwerke im Wert von rund acht Milliarden Euro gebaut werden. Auch wenn nicht verwundert, dass der Zuschlag ging an das Technologieunternehmen ging – selbst für Siemens ist das Geschäft einzigartig.

Zwar ist die Regierung von Präsident Abdel Fattah al-Sisi wegen Menschenrechtsverletzungen umstritten. Den Deal aber begrüßt auch die Bundesregierung. Die Verträge wurden am Mittwoch in Berlin während des Besuchs al-Sisis im Beisein von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) unterzeichnet.

Flaute auf dem deutschen Markt

«Mit diesen noch nie dagewesenen Verträgen unterstützen Siemens und seine Partner die wirtschaftliche Entwicklung Ägyptens», sagte Siemens-Chef Joe Kaeser. Eine Absichtserklärung für die Projekte hatte Siemens bereits im März unterzeichnet.

Geplant ist, dass drei Gaskraftwerke gebaut und zwölf Windparks geliefert werden sollen. Um die Rotorlätter herzustellen, könnten in der Region bis zu 1000 Ausbildungs- und Arbeitsplätze geschaffen.

Kraftwerke mit modernen Gasturbinen wie im Fall Ägyptens bekommt Siemens derzeit nur aus dem Ausland. Nicht mal in Europa werden derartige Anlagen nachgefragt. In Deutschland herrscht auf diesem Markt schon seit längerem Flaute.

Unternehmensführung plant Stellenabbau

Siemens will deshalb tausende Arbeitsplätze abbauen – trotz des jetzt abgeschlossenen Milliardengeschäfts. Auch 2200 Angestellte in Deutschland werden ihren Arbeitsplatz verlieren.

Am kommenden Dienstag plant die IG Metall einen bundesweiten Aktionstag mit Protesten gegen die Stellenstreichungen, von denen vor allem der Standort Mülheim in Nordrhein-Westfalen und Berlin betroffen sind.

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