Aktualisiert 03.07.2014 14:01

Illegale Waffenexporte?Sig-Sauer-Pistolen landeten in Kolumbien

Der deutsche Waffenhersteller Sig Sauer hat offenbar unerlaubt Pistolen nach Kolumbien exportiert. Eine Schwesterfirma in den USA diente dabei der Verschleierung des Deals.

von
pwe
Tausende Pistolen des Modells Sig Sauer SP 2022 soll der Hersteller an den deutschen Exportregulierungen vorbei verkauft haben.

Tausende Pistolen des Modells Sig Sauer SP 2022 soll der Hersteller an den deutschen Exportregulierungen vorbei verkauft haben.

Wenn deutsche Waffenhersteller ihre Produkte exportieren möchten, brauchen sie dazu eine Genehmigung des deutschen Staates. Die bekannte Waffenmanufaktur von Sig Sauer beantragte beim Wirtschaftsministerium entsprechend eine Genehmigung, um Tausende Pistolen des Typs SP 2022 in die USA zu exportieren - vorgeblich für den Verkauf an Privatkunden.

Nun haben Recherchen des WDR, NDR und der «Süddeutschen Zeitung» ergeben, dass der Hersteller hier offenbar geschummelt hat. Die Lieferung wurde zwar, wie auf dem Ausfuhrschein angegeben, an eine Schwesterfirma in den USA ausgeliefert. Von dort fand sie aber ihren Weg in das Bürgerkriegsland Kolumbien und an die dortigen Polizeikräfte.

Der Zeitung vorliegende Dokumente unterstreichen dabei, dass sich das Unternehmen der unsauberen Abwicklung offenbar bewusst war. Ein Konzernanwalt habe sogar intern gewarnt, dass das Vorgehen «strengstens verboten» sei und «harte Strafen» zu erwarten seien. Sig Sauer wies die Vorwürfe zurück. Man sehe kein Fehlverhalten.

Die Staatsanwaltschaft hat nun Ermittlungen gegen das Unternehmen aufgenommen. Anscheinend ist Sig Sauer dabei in bester Gesellschaft, denn auch gegen die Konkurrenten Heckler&Koch und Carl Walther laufen Ermittlungen wegen unerlaubter Exporte nach Mexiko und Kolumbien. Damit sind gegen die drei grössten Kleinwaffenhersteller Deutschlands Untersuchungen im Gang. Das Wirtschafstministerium arbeitet ausserdem an einer Reform der Rüstungsexportkontrolle.

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