«Verrichtungsboxen»: Sihlquai wird für Prostituierte geschlossen
Aktualisiert

«Verrichtungsboxen»Sihlquai wird für Prostituierte geschlossen

Prostituierte sollen ihrer Arbeit in Zürich ab Frühling 2012 auf einem Autostrich in Altstetten in sogenannten «Verrichtungsboxen» nachgehen. Der Strassenstrich am Sihlquai wird geschlossen.

von
meg

(Video: Keystone)

Der Zürcher Stadtrat will den Strassenstrich am Sihlquai aufheben. Ab Frühjahr 2012 sollen die Prostituierten in Altstetten bei der Europabrücke in «Verrichtungsboxen» ihren Dienst anbieten. Auf diesem Platz sollen garagenähnliche Verrichtungsboxen aufgestellt werden. In diese können die Freier fahren, wenn sie mit den Dirnen handelseinig geworden sind. Die Dienstleistung erfolgt dann im Auto, das in einer der Boxen steht.

Dadurch soll der Strichplatz nicht nur übersichtlicher und kontrollierbarer werden. Die Boxen sollen den Frauen auch mehr Sicherheit vor möglichen Übergriffen gewalttätiger Freier bieten. Der Platz wird denn auch durch die Frauenberatung Flora Dora betreut.

Sanitäre Anlagen für Prostituierte

Nebst den Boxen sollen für die Liebesdienerinnen auch Unterkünfte mit sanitären Anlagen aufgestellt werden. Voraussichtliche Gesamtkosten: 2,4 Millionen Franken. Als Sofortmassnahme und bis zur Eröffnung des neuen «Liebesdienststreifens» dürfen die Prostituierten ab Juni 2011 ihre Dienstleistungen am Sihlquai nur noch zwischen 22 und 5 Uhr anbieten.

Der neue Strichplan der Stadt Zürich sieht insgesamt drei Strassenabschnitte als offiziell zugelassene Strichgebiete vor. Zwei dieser drei Strecken sind für den Autostrich vorgesehen, einer für Fussgänger:

WC-Anlagen für den Strassenstrich

Allmend Brunau, Autostrich (bestehend), Betreuung durch Frauenberatung Flora Dora

Aargauerstrasse, Strichplatz (neu), mit Boxen, Betreuung durch Frauenberatung Flora Dora

Niederdorf, Fussgängerstrich (bestehend), Betreuung durch aufsuchende Sozialarbeit; flankierende Massnahmen: Nachtfahrverbot Zähringerstrasse

Zugelassen wird die Strassenprostitution nur noch auf Strassen, in denen der Wohnanteil unter 20 Prozent liegt. Ausserdem dürfen keine Schulen, Kindergärten, Kirchen, Parkanlagen, Spielplätze, Jugendtreffs oder ähnliche Einrichtungen in der Nähe sein.

Der neue Strassenstrich soll nach Altstetten gezügelt werden.

(meg/sda)

«Der neue Strich braucht viele Frauen»

Der Anwalt Valentin Landmann ist Experte für das Zürcher Sexgewerbe. Er erkennt im Massnahmenpaket des Stadtrats «gute Ansätze».

Wird der Strich an der Aargauerstrasse funktionieren?

Valentin Landmann: Das ist möglich, wenn dort ein wirklicher Anziehungspunkt für Freier geschaffen wird. Die kommen nur, wenn sie wissen, dass es dort viele Frauen gibt. 5o bis 70 sollten es schon sein.

Und wie kann man Prostituierte dazu bewegen, sich neu an der Aargauerstrasse anzubieten?

Es braucht genügend Standplätze für Wohnwagen und genug Boxen. Zehn, wie vom Stadtrat geplant, scheinen mir etwas wenig. Das sollte man ausbauen können, falls es knapp wird. Für die Frauen und die Freier sollte es zudem Gastro-Angebote geben wie Stehbars oder Kebab-Stände.

Als Sofortmassnahme soll der Strich am Sihlquai nur noch ab 22 Uhr erlaubt sein. Was halten Sie davon?

Das ist eine kosmetische Massnahme ohne sinnvollen Hintergrund. Damit verschiebt sich die Arbeit der Frauen auf Zeiten, in denen sie weniger ­sicher sind. Ich kenne Prostituierte, die bewusst nur am frühen Abend arbeiten.

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