Übernahmekampf: Sika soll Erben 2,25 Milliarden Franken bieten

Aktualisiert

ÜbernahmekampfSika soll Erben 2,25 Milliarden Franken bieten

Sika selbst will der Besitzer-Familie Burkard ein Alternativangebot zum Deal mit Saint-Gobain unterbreiten. Die fünf Erben müssten aber je auf 100 Millionen verzichten.

von
S. Spaeth
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Eine neuer Vorschlag im Streit um Sika: Die Firma kauft den Erben ihre Aktien ab. Im Bild: Sika-Präsident Paul Hälg.

Eine neuer Vorschlag im Streit um Sika: Die Firma kauft den Erben ihre Aktien ab. Im Bild: Sika-Präsident Paul Hälg.

Keystone/Anthony Anex
Er müsste auf viel Geld verzichten: Sika-Erb und Verwaltungsrat Urs F. Burkard (links).

Er müsste auf viel Geld verzichten: Sika-Erb und Verwaltungsrat Urs F. Burkard (links).

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Der Deal mit Saint-Gobain dürfte Burkard 550 Millionen Franken bringen. Der Verkauf an die Firma selbst brächte 100 Millionen weniger.

Der Deal mit Saint-Gobain dürfte Burkard 550 Millionen Franken bringen. Der Verkauf an die Firma selbst brächte 100 Millionen weniger.

Keystone/Anthony Anex

Das Sika-Management hat derzeit nur ein Ziel: Die aus seiner Sicht feindliche Übernahme durch den französischen Konkurrenten Saint-Gobain zu verhindern. Wie Sika-Präsident Paul Hälg an der Generalversammlung (GV) bekannt gab, arbeitet man an einem Alternativvorschlag.

Nun hat die «SonntagsZeitung» erfahren, wie der Vorschlag aussehen könnte. In einem ersten Schritt kauft die Sika AG den Erben der Familie Burkard für 2,25 Milliarden Franken die Aktien ab. Zum Vergleich: Saint-Gobain zahlt 2,75 Milliarden, weshalb die fünf Burkard-Geschwister auf je 100 Millionen Franken verzichten müssten. Sie erhielten noch je 450 Millionen.

Erben sind nicht gesprächsbereit

«Es ist richtig, dass der Verwaltungsrat einen Alternativvorschlag ausgearbeitet hat, der sowohl der Familie eine ansprechende Prämie erlaubt, als auch im besten Interesse der Sika ist», sagt Paul Hälg zu 20 Minuten. Die Familie Burkard wisse, dass ein solcher Vorschlag existiere. «Bisher wollten die Erben dazu aber keine Gespräche aufnehmen und den Vorschlag auch nicht zur Kenntnis nehmen», so Hälg weiter.

Die Sika-Erben halten ihre Anteile über die Schenker-Winkler-Holding (SWH). Mit 16 Prozent des Kapitals halten sie 52 Prozent der Stimmen am Bauchemiehersteller. Sika-Präsident Hälg hat die Stimmrechte der SWH an der GV teilweise beschränkt.

Sika hat viel Geld in der Kasse

Laut «SonntagsZeitung» bietet der Verwaltungsrat der Familie an, vorerst einen Teil der Aktien behalten zu können. So könnten die Erben vom voraussichtlichen Kursanstieg profitieren.

Laut den im Bericht wäre die Finanzierung des Kaufpreises für Sika kein Problem. Sika verfügte Ende 2015 über flüssige Mittel von fast 900 Millionen Franken. Der Rest des Geldes würde über Kredite finanziert. In einem weiteren Schritt würde die in Einheitsaktien (pro Aktie eine Stimme) umgewandelten Papiere an der Börse abgestossen oder paketweise an grosse Investoren verkauft. Bereits gebe es Interessenten, heisst es im Bericht.

Ein Sika-Sprecher will den Kaufpreisvorschlag nicht kommentieren. «Es braucht immer zwei Seiten für eine neue Lösung. Die Familie müsste nun einen Schritt machen», so der Sprecher zu 20 Minuten. Seit bekannt geworden sei, dass Saint-Gobain eine Ausstiegsklausel im Vertrag habe, stelle sich die Situation völlig neu dar.

Die Schenker-Winkler-Holding bestätigt auf Anfrage von 20 Minuten lediglich ein Vorgespräch. «Vom Vorschlag der Sika hat die Familie Burkard keine Kenntnis», betont Sprecher Andreas Durisch. Gemäss den Vorstellungen der Sika müsste die Familie Burkard vertragsbrüchig werden gegenüber Saint-Gobain. Das will sie laut Durisch unter keinen Umständen, denn Saint-Gobain ist ein ideale Nachfolger als Ankeraktionär.

Wichtiger Gerichtsentscheid

Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass es doch zu einer Abkehr vom Deal mit den Franzosen kommt. Hintergrund ist die gerichtliche Auseinandersetzung. So dürfte es 2017 werden, bis das Bundesgericht einen Entscheid fällt. Ein so langer Streit ist aber weder im Interesse von Saint-Gobain noch jenem der Erben. Wichtige Mitarbeiter- und Kunden könnten aufgrund der ungeklärten Situation abspringen.

Richtungsweisend dürfte der Entscheid des Obergerichts des Kantons Zug sein, der im Mai oder Juni zu erwarten ist. Das Gericht muss die Frage beantworten, ob die Stimmrechte der SWH zu Recht beschränkt wurden. «Fällt dieser Entscheid zugunsten von Sika aus, dürften die Burkhards sehr rasch gesprächsbereit sein», sagt ein Insider zu 20 Minuten.

Abgesicherter Kaufpreis

Die Abkehr von Deal könnte sich auch für Saint-Gobain lohnen. Sofern der ganze ausgehandelte Kaufpreis von 2,75 Milliarden Franken zu einem Eurokurs von 1.20 Franken abgesichert wurde, könnte ein Rückzug Saint-Gobain wegen der veränderten Währungssituation 500 Millionen Franken bringen. «Der Druck der Aktionäre aufs Management, das Geld zu nehmen und zu gehen, steigt», sagte Sika-Präsident Paul Hälg Mitte Februar zu 20 Minuten. (sas)

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