Bluttat von Würenlingen: Sikhs trauern am Tatort um getöteten Jonas L.
Aktualisiert

Bluttat von WürenlingenSikhs trauern am Tatort um getöteten Jonas L.

Jonas L., eines der Opfer von Würenlingen, war ein gläubiger Sikh. Am Mittwoch versammelten sich seine Glaubensbrüder am Tatort zu einer Trauerzeremonie.

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lüs
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Am Mittwoch, 13. Mai, versammelten sich Sikhs am Langackerweg in Würenlingen, wo am 9. Mai fünf  Menschen gestorben sind. Weil Jonas L., der Schwager von Täter Simon B., ein Sikh war, sind sie besonders betroffen über die Bluttat.

Am Mittwoch, 13. Mai, versammelten sich Sikhs am Langackerweg in Würenlingen, wo am 9. Mai fünf Menschen gestorben sind. Weil Jonas L., der Schwager von Täter Simon B., ein Sikh war, sind sie besonders betroffen über die Bluttat.

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Der 31-jährige Jonas L., der sich «Joban Singh» nannte, war seit 2006 ein Sikh. «Er war ein guter, friedlicher Mensch», sagt Karan Singh, Präsident des Sikh-Tempels in Langenthal, den L. oft besuchte.

Der 31-jährige Jonas L., der sich «Joban Singh» nannte, war seit 2006 ein Sikh. «Er war ein guter, friedlicher Mensch», sagt Karan Singh, Präsident des Sikh-Tempels in Langenthal, den L. oft besuchte.

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Hier begleitete Jonas L. seinen Lehrer Karan Singh zu einem Treffen mit Pfarrer Ernst Sieber.

Hier begleitete Jonas L. seinen Lehrer Karan Singh zu einem Treffen mit Pfarrer Ernst Sieber.

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Rund 500 Menschen in der Schweiz gehören der Glaubensgemeinschaft der Sikh an, einer in Indien entstandenen monotheistischen Religion. Fast alle Sikhs in der Schweiz kannten Jonas L.* (31) – er war ein sehr aktives Mitglied der Gemeinde. Entsprechend gross ist die Betroffenheit darüber, dass er durch die Bluttat seines Schwagers Simon B.* am 9. Mai so plötzlich und gewaltsam aus dem Leben gerissen wurde.

Am Mittwoch begaben sich Glaubensbrüder von L. an den Tatort in Würenlingen AG, um für ihn und die anderen Opfer zu beten und Blumen niederzulegen. Jonas L. sei sein Schüler gewesen, sagt Karan Singh, Präsident des Sikh-Zentrums in Langenthal BE, das L. oft besucht hatte – zuletzt in der Woche vor seinem Tod. «Er war ein friedlicher Mensch, ein guter Sikh und zugleich ein guter Christ», sagt Singh zu 20 Minuten. L. habe ihre heilige Schrift studiert und ihre Sprache, Panjabi, gelernt.

L. förderte Dialog zwischen den Religionen

Dass ein Schweizer zum Sikh wird, ist äusserst unüblich. «Unsere Religion verbietet es, zu missionieren», erklärt Singh. «Jonas L. hat im Jahr 2006 von sich aus zu uns gefunden, es war sein freier Wunsch und Wille.» L. habe sich sehr für den interreligiösen Dialog eingesetzt, habe oft auch an Konferenzen im Ausland teilgenommen und Tempel auf der ganzen Welt besucht. Bilder zeigen ihn unter anderem bei einem Treffen mit Pfarrer Ernst Sieber. Seinen Glaubensbrüdern half L., der sich «Joban Singh» nannte, wo er konnte – laut «Blick» übernahm er etwa gratis die Malerarbeiten in einem Tempel.

Als die Zeitung «Le Temps» vor einigen Jahren eine Reportage über die Sikhs in der Schweiz machte, erklärte Jonas L. dem Journalisten, warum er sich für ein Leben als Sikh entschieden hat: «Ein guter Sikh raucht nicht, trinkt nicht, isst kein Fleisch. Er fürchtet den Allmächtigen, verdient seinen Lebensunterhalt auf ehrliche Weise und teilt.»

Sikhs wollen bei Trauerfeier mitwirken

Auch Karl und Elisabeth L.*, die ebenfalls getöteten Eltern von Jonas L., hat Sikh-Präsident Karan Singh gekannt: «Ich habe sie besucht und mit ihnen gegessen. Es waren liebe Leute.»

Noch ist unklar, wann die Opfer der Bluttat beigesetzt werden. Doch die Sikhs werden dabei sein. Singh: «Wir haben uns bei den Gemeindebehörden von Würenlingen gemeldet und ihnen mitgeteilt, dass wir uns wünschen, die Trauerfeier mitzugestalten.»

*Namen der Redaktion bekannt

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