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Silber-Albrecht:«Vor der WM war das völlig undenkbar»

Das Schweizer Männer-Team hat an der WM für ein weiteres Traumergebnis gesorgt. Daniel Albrecht und Didier Cuche gewannen im Riesenslalom hinter dem überlegenen Norweger Aksel Lund Svindal, der schon die Abfahrt gewonnen hatte, Silber und Bronze.

Derweil Albrecht und Cuche für die Medaillen Nummern 4 und 5 an dieser WM sorgten, vermochten Marc Berthod und Didier Défago die viel versprechende Ausgangslage nicht zu nutzen. Der Bündner fiel vom 3. in den 11. Rang zurück, dem Walliser blieb nach dem 8. Zwischenrang Platz 13. Trotzdem kam ein Ergebnis zustande, von dem selbst der grösste Optimist nicht zu träumen gewagt hätte, zumal nach den Ergebnissen in den bisherigen vier Weltcup-Riesenslaloms des Winters. Didier Défago wurde wohl in Alta Badia Dritter und Didier Cuche Vierter in Beaver Creek. Vor allem aber Daniel Albrecht war bislang in diesem Winter nur Durchschnitt und hatte den 16. Rang in Adelboden als saisonales Bestresultat in seiner Bilanz stehen.

Doch beim Highlight des Winters wuchsen die Schweizer «Riesen» über sich hinaus. Daniel Albrecht griff eine knappe Woche nach seinem Sensationssieg in der Kombination erneut nach Gold, wurde nach der Bestzeit im ersten Lauf aber noch vom überragenden Svindal abgefangen. «Zwischen den beiden Läufen habe ich mir immer wieder eingeredet 'du gewinnst, du gewinnst'. Dass es nicht ganz gereicht hat, spielt keine Rolle, denn im Vorfeld dieser WM wäre es völlig undenkbar gewesen, dass ich im Riesenslalom Silber hole.»

Noch glücklicher als Daniel Albrecht war Didier Cuche, der nun endlich seine erste WM-Medaille geholt hat. Es gibt wohl keinen im Weltcup-Zirkus, der dem Neuenburger diesen 3. Platz nicht würde gönnen mögen. Er, der im Weltcup bei Hundertstel-Entscheidungen so oft auf der falschen Seite gestanden hatte, hatte auch in Are zwei Tiefschläge zu verarbeiten; im Super-G hatte ihm als Viertem ein Hundertstel zu Bronze gefehlt, in der Abfahrt schrammte er als Sechster um vier Hundertstel am Podest vorbei. «Das tut so gut», sagte Cuche mit Tränen in den Augen. «Ich habe nur gehofft, heute einmal einen Lauf hinzukriegen, wie mir dies im Training gelingt. Unglaublich, dass ich ausgerechnet in jener Disziplin die Medaille gewonnen habe, in der ich es am wenigsten erwartet habe.»

Einer war aber eine Klasse für sich: Aksel Lund Svindal holte sich auf grossartige Weise sein zweites WM-Gold. Der neuerliche Trimph hatte sich im Verlaufe des Winters angedeutet. Der Norweger führt im Weltcup nicht nur die Gesamtwertung, sondern auch das Riesenslalom-Zwischenklasssement an. Mit dem Sieg in Hinterstoder, Platz 2 in Beaver Creek und Rang 3 in Adelboden war er auch der Beständigste von allen.

Österreicher-Debakel

Zwei Saisonsieger blieben schon im ersten Lauf auf der Strecke. Benjamin Raich, der Dominator des letzten Riesenslaloms vor der WM in Adelboden, fuhr im oberen Teil an einem Tor vorbei. Massimiliano Blardone, der den Saisonauftakt in Beaver Creek für sich entschieden hatte, scheiterte kurz vor dem Ziel.

Der mit der Nummer 1 gestartete Raich leitete mit seinem Out ein noch nie dagewesenes Debakel für Österreich ein. Hermann Maier war mit Rang 21 noch der Bestplatzierte, daneben scheint im Klassement nur noch Rainer Schönfelder (25.) auf. Hannes Reichelt und Christoph Gruber waren wie Raich im ersten Lauf ausgeschieden.

Den bisherigen Tiefpunkt im Riesenslalom hatte der ÖSV bei den Winterspielen 1976 in Innsbruck erlebt - zu einer Zeit, in der bei Olympia auch WM-Medaillen vergeben wurden. In jenem Rennen schien zum bislang einzigen Mal in einem «Riesen» kein Österreicher in den Top Ten auf; der Beste war Hansi Hinterseer auf Platz 14.

WM-Riesenslalom der Männer:

1. Aksel Lund Svindal (No) 2:19,64.

2. Daniel Albrecht (Sz) 0,48 zurück.

3. Didier Cuche (Sz) 0,92.

4. Ted Ligety (USA) 0,99.

5. Alberto Schieppati (It) 1,08.

6. Truls Ove Karlsen (No) 1,36.

7. Kalle Palander (Fi) und Jean-Philippe Roy (Ka) 1,45.

9. Mitja Valencic (Sln) 1,47.

10. Marco Büchel (Lie) 1,62.

11. Marc Berthod (Sz) 1,72. 12. John Kucera (Ka) 1,77. 13. Didier Défago (Sz) 1,80. 14. Niklas Rainer (Sd) 1,87. 15. Bode Miller (USA) 2,01. 16. Thomas Fanara (Fr) 2,09. 17. Ondrej Bank (Tsch) 2,36. 18. Tim Jitloff (USA) 2,59. 19. Manfred Mölgg (It) 2,68. 20. Andre Myhrer (Sd) 2,71. 21. Hermann Maier (Ö) 2,80. 22. Joel Chenal (Fr) 2,93. 23. Peter Fill (It) 3,04. 24. Jukka Rajala (Fi) 3,11. 25. Rainer Schönfelder (Ö) 3,26. 26. Bernard Vajdic (Sln) 3,48. 27. Thomas Grandi (Ka) 3,69. 28. Akira Sasaki (Jap) 3,77. 29. Gauthier de Tessières (Fr) 5,11. 30. Cristian Simari Birkner (Arg) 6,35.

75 Fahrer gestartet, 45 klassiert.

Die besten Laufzeiten

1. Lauf (Piste Olympia, 416 m HD, 50 Tore, Kurssetzer Alois Prenn/Sd): 1. Daniel Albrecht 1:09,44. 2. François Bourque (Ka) 0,07. 3. Berthod 0,10. 4. Svindal 0,23. 5. Schieppati 0,47. 6. Miller 0,48. 7. Cuche 0,54. 8. Défago 0,64. 9. Ligety 0,65. 10. Karlsen 0,75. 11. Roy 0,80. 12. Büchel 1,04. 13. Palander und Valencic 1,11. Ferner: 21. Schönfelder 1,63. 22. Maier 1,69. 23. Fill 1,74. 31. Grandi 2,61.

Ausgeschieden u.a.: Benjamin Raich (Ö), Massimiliano Blardone (It), Hannes Reichelt (Ö), Christoph Gruber (Ö), Felix Neureuther (De), Jens Byggmark (Sd), Urs Imboden (Sz/Mol), Christophe Roux (Sz/Mol), Demian Franzen (Sz/Au), Kilian Albrecht (Ö/Bul).

2. Lauf (49 Tore, Kurssetzer Mike Morin/USA): 1. Kucera 1:09,83. 2. Svindal 0,14. 3. Ligety und Palander 0,71. 5. Valencic 0,73. 6. Cuche 0,75. 7. Rainer 0,78. 8. Daniel Albrecht und Fanara 0,85. 10. Büchel 0,95. 11. Schieppati und Karlsen 0,98. 13. Roy 1,02.

Ferner: 17. Grandi 1,45. 19. Maier 1,48. 20. Défago 1,53. 22. Fill 1,67. 25. Miller 1,90. 27. Berthod 1,99. 28. Schönfelder 2,00.

Ausgeschieden u.a.: Bourque.

(fox/si) (si)

Kommentar von Ski-Experte Silvano Beltrametti

«Das ist super! Wir müssen nicht Gold nachtrauern, sondern uns über die zwei Medaillen freuen», so Beltrametti. Svindal hat den Sieg klar verdient. Da gibt es nur noch eines zum Norweger zu sagen: «Chapeau».

Den Hut ziehen kann man auch vor den Schweizern. «Albrechts Leistung ist enorm. Der Druck an einer WM auf einem jungen Fahrer, der nach dem ersten Lauf führt ist gewaltig. Das sind genau die Persönlichkeiten, die wir in der Schweiz brauchen», so Beltrametti.

«Vor allem Didier Cuche mag ich die Medaille von Herzen gönnen. Und dann ist es gleich noch in der Disziplin, wo er es selbst wohl am wenigsten erwartet hat», freut sich Beltrametti mit dem Neuenburger, welcher endlich nicht das Hundertstel-Pech hatte und sieben Hundertstel vor Ted Ligety auf das Podest kam.

«Auch Berthod zeigte keine schlechte Leistung im zweiten Lauf, aber im Kampf um die Medaillen werden kleine Fehler, wie sie Berthod in der Fahrt hatte, nicht verziehen», weiss der 27-Jährige.

Beltrametti freut sich auch schon auf den Slalom der Männer: «Man darf fast keine Prognose mehr wagen. Wenn ich mich an die Super-Kombi-Bilder vom Slalom erinnere, bin ich sehr optimistisch. Wir müssen uns nicht verstecken.»

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