Meister der Tarnung: Silikonroboter macht auf Chamäleon

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Meister der TarnungSilikonroboter macht auf Chamäleon

Ein vierbeiniger Roboter, der sich mittels Luftströmen bewegt und seine Farbe wechseln kann, soll künftig unbemerkt Tiere beobachten. Die Vorbilder: Tintenfische und Insekten.

von
jcg

Er läuft auf vier Beinen und kann sich mittels Veränderung seiner Farbe an seine Umgebung anpassen: US-Forscher haben einen Roboter erfunden, der wie ein Tier wirkt. Bei seiner Entwicklung standen denn auch verschiedene Spezies Pate, berichtete das Team um Stephen Morin von der Harvard-Universität in Cambridge (USA) im Fachjournal «Science».

Wie ein Chamäleon kann der neuartige Roboter seine Farben wechseln, ohne aber dabei die Perfektion des Originals zu erreichen. Er braucht rund 30 Sekunden für den Farbwechsel. Doch ein Anfang ist gemacht. Als Vorbilder dienten den Forschern auch farbwechselnde Tiere wie Tintenfische oder spezielle Insekten.

Die Maschine könnte künftig zum Beispiel helfen, Tiere in freier Wildbahn unbemerkt zu beobachten. Das funtioniert natürlich auch umgekehrt: Wird statt Tarn- eine auffällige Farbe verwendet, lassen sich damit auch Geräte in einer unübersichtlichen oder schlecht beleuchteten Umgebung besser erkennen.

Kalt oder warm

Das künstliche Chamäleon ist in mehrfacher Hinsicht flexibel. Die Forscher haben den gummiartigen Roboter so beschichtet, dass er nicht nur seine Farbe ändern kann: Es lassen sich auch Muster, Beleuchtung und Temperatur der neuartigen Oberfläche variieren.

Stephen Morin erklärt die Funktionsweise seines Roboters. (YouTube/Harvard)

Weil sich bei der Erfindung ebenfalls die Oberflächentemperatur regulieren lässt, könnten die Forscher den Roboter auch im Infrarotbereich sichtbar machen oder tarnen. So könnte er den Temperatursinn von Vampir-Fledermäusen oder gewisser Schlangen austricksen. Auch wärmeempfindlichen Bewegungsmeldern könnte er so ein Schnippchen schlagen. In dieser Hinsicht ist der kleine Roboter seinen natürlichen Vorbildern voraus.

Luftströme steuern die Bewegung

Der Bewegungsapparat des Roboters besteht aus einem Netz aus kleinen Kanälen, die je nach Bewegung mit Luft befüllt werden oder leerbleiben. So wird die Maschine flexibel wie Gummi. Ein zweites Netz aus Kanälen mit einem Durchmesser von weniger als einem halben Millimeter verläuft oberflächlich und füllt sich je nach Bedarf mit Farbe sowie kalten oder warmen Flüssigkeiten.

Bevor der Roboter auf lebende Tiere losgelassen werden kann, braucht es aber noch einiges an Entwicklungsarbeit vom Team um Stephen Morin. Luft und Farbe müssen derzeit noch über lange Schläuche in die Maschine gepumpt werden. Die Farben müssen zudem vorher von Hand gemischt werden. Das Potenzial des Roboters haben die Forscher aber zweifelsohne jetzt schon aufgezeigt.

Eine frühere Version des flexiblen Roboters ohne die Fahigkeit zum Farbwechsel in Aktion. (Video: YouTube/GMWGroupHarvard) (jcg/sda)

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