Simbabwe: Droht ein Putsch?
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Simbabwe: Droht ein Putsch?

Nach den Richtungswahlen im Süden Afrikas wartet die Welt gespannt auf die Ergebnisse. Die Opposition sieht sich bereits als Wahlsiegerin. Präsident Mugabe warnt diese vor voreiligen Schlüssen. Diese könnten als Putschversuch gedeutet werden. Und was ein solcher Versuch bedeute, könne man sich ja denken.

In Simbabwe nehmen wegen der schleppenden Stimmenauszählung nach der Präsidentenwahl die Sorgen vor einem Wahlbetrug zu. Amtsinhaber Robert Mugabe habe die Wahl verloren, deshalb müssten die Behörden das Ergebnis nun zu seinen Gunsten fälschen, erklärte der Generalsekretär der oppositionellen Bewegung für einen Demokratischen Wandel (MDC), Tendai Biti.

Sieger der Präsidentenwahl sei ganz eindeutig MDC-Führer Morgan Tsvangirai. Bedenken äusserten auch einzelne Mitglieder einer regionalen Wahlbeobachter-Gruppe. Dagegen bezeichneten Wahlbeobachter der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft SADC die Wahlen als «friedlich und glaubwürdig».

Die Wahlkommission kündigte inzwischen an, offizielle Zahlen nicht vor heute Morgen früh zu veröffentlichen - 35 Stunden nach Schliessung der Wahllokale. Sie begründete die Verzögerungen mit der Komplexität des Urnenganges. Am Wochenende fanden neben der Präsidentenwahl auch die Wahlen für das Parlament und die regionalen Vertretungen statt.

Die Regierung des seit 1980 amtierenden autokratischen Staatschefs Mugabe warnte bereits vor voreiligen Siegeserklärungen der Opposition. Sie könnten als Putschversuch gedeutet werden, hiess es in staatlichen Medien.

Die Lage in dem südafrikanischen Land war in der Nacht auf heute angespannt: Augenzeugen zufolge patrouillierten Polizisten auf den Strassen der Hauptstadt Harare, die als Hochburg der Mugabe-Gegner gilt. In den Armenvierteln der Randbezirke wurde Anwohnern nach eigenen Angaben untersagt, ihre Wohnungen zu verlassen. Die Sicherheitskräfte hatten sich vor der Präsidentenwahl offen hinter Mugabe gestellt und erklärt, einen Sieg der Opposition nicht zu akzeptieren.

Vorwurf der Wahlfälschung

Angesichts der schleppenden Stimmenauszählung hatte die Opposition Präsident Mugabe Wahlmanipulation vorgeworfen. MDC-Generalsekretär Tendai Biti beklagte am Sonntagabend, die Regierung verzögere die Auszählung absichtlich, um das Ergebnis zugunsten von Mugabe zu verfälschen.

Eine Gruppe afrikanischer Wahlbeobachter hatte sich zuvor «äusserst besorgt» über den Ablauf des Urnengangs geäussert, nachdem auf Wahllisten tausende Phantomwähler aufgetaucht waren. Wahlbeobachter aus den Vereinigten Staaten und aus Europa hatten nicht in das afrikanische Land reisen dürfen.

Amtsinhaber Mugabe herrscht seit 1980 in Simbabwe und trat bei der Wahl am Samstag für eine sechste Amtszeit an.

(sda)

Verkündung der Wahlergebnisse in Simbabwe begonnen

Zwei Tage nach der Präsidenten- und Parlamentswahl in Simbabwe hat die Wahlkommission am Montag mit der Bekanntgabe der Ergebnisse begonnen. Der stellvertretende Wahlleiter Utoile Silaigwana verkündete zunächst die Verteilung von sechs Parlamentssitzen. Drei gingen an die Regierungspartei ZANU-PF von Staatschef Robert Mugabe, drei an die Opposition. In früheren Wahlen wurden bereits in den ersten Stunden nach Schliessung der Wahllokale Teilergebnisse veröffentlicht.

Internationale Wahlbeobachter hatten sich besorgt über die langsame Stimmenauszählung gezeigt. Wie aus der ZANU-PF verlautete, traf sich Mugabe am späten Sonntagabend mit seinen Sicherheitsexperten. Anhänger Mugabes aus dem Regierungsapparat warnten den Oppositionskandidaten Morgan Tsvangirai unterdessen davor, sich zum Wahlsieger zu erklären. «So etwas nennt man Putsch, und wir alle wissen, wie man damit umgeht», wurde Mugabes Sprecher George Charamba von der staatlich kontrollierten Zeitung «Sunday Mail» zitiert.

Westliche Diplomaten berichten derweil, dass viele junge Militäroffiziere sich offen dem Befehl widersetzt hätten, für Mugabe zu stimmen.

Quelle: AP

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