Bluttat von Würenlingen: Simon B. litt an Verfolgungswahn
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Bluttat von WürenlingenSimon B. litt an Verfolgungswahn

Was hat Simon B. (36) bewegt, vier Menschen und sich selbst zu töten? Psychiater Frank Urbaniok vermutet, dass der Mann paranoid war.

von
lüs
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In einem Wohnquartier in Würenlingen kam es in der Nacht auf Sonntag, 10. Mai 2015, zu einem Tötungsdelikt.

In einem Wohnquartier in Würenlingen kam es in der Nacht auf Sonntag, 10. Mai 2015, zu einem Tötungsdelikt.

20 Minuten/ann
In diesem Haus am Langackerweg tötete Simon B. drei Personen mit mehreren Schüssen. Insgesamt starben fünf Erwachsene. Unter den Toten ist auch der Täter selbst.

In diesem Haus am Langackerweg tötete Simon B. drei Personen mit mehreren Schüssen. Insgesamt starben fünf Erwachsene. Unter den Toten ist auch der Täter selbst.

Keystone/Walter Bieri
Das Haus (rechts im Bild) gehört den Schwiegereltern des Täters.

Das Haus (rechts im Bild) gehört den Schwiegereltern des Täters.

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Der 36-jährige Simon B.* erschoss am 9. Mai in Würenlingen AG seine Schwiegereltern Karl und Elisabeth L.*, seinen Schwager Jonas L.* und Nachbar Thierry K.*, danach nahm er sich selber das Leben.

Was hat B. dazu getrieben, ein solches Blutbad anzurichten? Bekannt ist, dass der Täter an seinem Wohnort in Reichenburg SZ seine Nachbarn terrorisierte, indem er sie etwa mit einer Kamera an seiner Wohnungstür überwachte. Der forensische Psychiater und Gutachter Frank Urbaniok vermutet laut der «Schweiz am Sonntag», dass B. paranoid war. Hinweise darauf seien «die zu Hause installierten Kameras, die stationäre psychiatrische Behandlung, die Berichte der Nachbarn und die Depotmedikation».

Gefühle von Wut und Angst

Wer an einer Paranoia leide, fühle sich verfolgt, beobachtet, bedroht, bespitzelt und provoziert – ohne dass es dafür eine sachliche Grundlage gebe. Urbaniok: «Häufig sind solche Personen angespannt und reizbar. Sie neigen zu heftigen Gefühlen von Wut und Angst. Manchmal entwickeln sich so Rachefantasien.» Bei Menschen mit Verfolgungswahn besteht laut dem Psychiater ein zehn- bis zwanzigfach erhöhtes Risiko, dass sie Gewalttaten begehen.

Zur Frage, ob der Migrationshintergrund von B. – er stammt aus der Türkei und wurde 2004 in der Schweiz eingebürgert – einen Zusammenhang mit der Bluttat gehabt haben könnte, sagt Urbaniok, tatsächlich seien bestimmte Ausländer bei häuslicher Gewalt und bei Tötungsdelikten stark überrepräsentiert. Doch wenn tatsächlich eine paranoide Symptomatik im Spiel gewesen sei, wäre der konkrete Fall kein typisches Beispiel: «Diese Erkrankung kommt bei allen Nationalitäten vor.»

«Kein Anlass für Schuldzuweisungen»

Hätte sich die Tat von Simon B. verhindern lassen? Urbaniok ist der Meinung, dass es bei solchen Ereignissen fast immer Auffälligkeiten in der Vorgeschichte gebe: «Eine schwere Gewalttat ‹aus heiterem Himmel› habe ich noch nie gesehen.» Doch der Fall von Simon B. sei nicht geeignet, Schuldzuweisungen oder rasche Forderungen zu begründen. Die psychiatrische Klinik, in der B. bis wenige Tage vor der Tat behandelt wurde, sei eine erfahrene Institution, die seines Wissens eine adäquate Behandlung eingeleitet und auch eine Nachsorge organisiert habe.

*Namen der Redaktion bekannt.

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