Simple Rezepte gegen Jugendgewalt keine Lösung
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Simple Rezepte gegen Jugendgewalt keine Lösung

Die aktuelle Diskussion um Jugendgewalt ist aus Sicht der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) zu stark geprägt von Zahlen- und Prozentvergleichen. Die Kommission fordert einen differenzierten Umgang mit dem Thema und eine Mehrsäulen-Strategie zur Bekämpfung der Jugendgewalt.

Die EKKJ bedauert, dass in der Schweiz repräsentative Täter- und Opferstatistiken fehlen. Diese würden die Realität besser widerspiegeln als Polizeistatistiken, die nur bedingt brauchbar und vergleichbar seien, hält die Kommission in ihrer Mitteilung vom Freitag fest. Selbst das Bundesamt für Polizei weise in dieser Hinsicht auf die Mängel der jetzigen Kriminalstatistik hin. Zudem kritisiert die EKKJ, dass «unseriöse Zahlenschlachten» eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Jugendgewalt verdrängten und nicht zu Lösungen führten.

Vielmehr müsse das Thema differenziert betrachtet werden. «Vielschichtige Probleme erfordern vielschichtige Antworten», heisst es weiter. Dämonisierung oder Bagatellisierung seien keine passenden Antworten darauf. Die reine Symptombekämpfung sei kontraproduktiv; Ausschluss führe zu noch mehr Gewalt.

Die EKKJ fordert deshalb eine Mehrsäulen-Strategie mit Prävention, Beratung, strukturellen Massnahmen und Repression. Die Prävention müsse möglichst früh, also bereits im Vorschulalter, beginnen und auch bei den Eltern ansetzen. Lernschwache Schüler müssten mehr gefördert werden, die Partizipation in allen Lebensbereichen sowie die Lehrstellensituation verbessert und die Familienarmut bekämpft werden. Zudem seien rasche Sanktionen erforderlich.

Weiter gab die EKKJ zu bedenken, dass Gewalt oft aus selbst erlebter und erlittener Gewalt entstehe, und kritisierte, dass die nationale Herkunft der Täter die öffentliche Polemik dominiere, während die Tatsache, dass rund 87 Prozent der jugendlichen Gewalttäter männlich seien, kaum thematisiert werde. Zudem solle auch das Thema jener Gewalt, die Kinder und Jugendliche gegen sich selbst richteten - Selbstmord, Selbstverstümmelung oder Essstörungen - nicht ausser Acht gelassen werden. (dapd)

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