Deutschland-Cup: Simpsons andere Art der Olympia-Vorbereitung
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Deutschland-CupSimpsons andere Art der Olympia-Vorbereitung

Drei Monate vor den Olympischen Spielen in Sotschi startet das Eishockey-Nationalteam ohne Karacho in die Saison. Am Deutschland-Cup wird primär getestet.

Nationalcoach Sean Simpson wählte so eine komplett andere Vorgehensweise als sein Vorgänger Ralph Krueger vor den gelungenen Kampagnen in Turin (2006) und Vancouver (2010). Derweil Krueger seine Olympia-Vorbereitung mit dem bestmöglichen Aufgebot im November begonnen hat, betreibt Simpson in Deutschland primär eine Sichtung des erweiterten Kaders. Ihm ist durchaus bewusst, dass es «sehr wenige» Akteure aus dem Aufgebot von München nach Sotschi schaffen werden - vielleicht sogar überhaupt keiner. Simpson: «Aber es gibt ja nach Olympia auch noch eine Weltmeisterschaft. Und diese WM ist für die Schweizer Nationalmannschaft genau so wichtig wie Sotschi.»

Den Weg nach Sotschi hat Simpson seinen Spielern aufgezeigt. Er traf sich im Sommer und im September mit den Olympia-Kandidaten. Der 53-jährige Kanadier machte den Silbermedaillengewinnern von Stockholm klar, dass sie zwar alle über ein gutes Blatt in der Hand verfügen, dass aber für die Olympia-Selektion auch weiterhin das Leistungsprinzip gelte. Schon jetzt steht fest, dass im Dezember für das Vierländerturnier Arosa Challenge das Silber-Team von Schweden nominiert wird (natürlich ohne die NHL-Akteure). Kurz nach dem zweiten Zusammenzug der Saison wird Simpson noch im Dezember bereits die Olympia-Mannschaft (vor-)selektionieren müssen. Anschliessend werden alle Aufgebotenen eine Videobotschaft mit den taktischen Vorgaben für die Olympischen Spiele erhalten. Denn erst am 10. Februar werden auch die aufgebotenen Akteure aus der NHL in Sotschi eintreffen; zwei Tage später beginnt mit der Partie gegen Lettland bereits das Olympia-Turnier.

Wick und Sprunger kämpfen um Olympia-Ticket

Um ihre Olympia-Chance kämpfen diese Woche primär Roman Wick und Julien Sprunger. Wick hat wegen eines gebrochenen Fusses, Sprunger wegen den Nachwirkungen einer weiteren Hirnerschütterung die letzte WM verpasst. Aussenseiterchancen für Sotschi rechnen sich ausserdem Kevin Romy, Patrik Bärtschi und Félicien Du Bois aus. Diese fünf sind neben Patrick Geering und Benny Plüss die Einzigen im Kader, die bereits an einem grossen Turnier (WM/Olympia) für die Schweiz gespielt haben und deshalb die Bezeichnung «Internationaler» verdienen. Ausserdem nominierte Simpson vier Debütanten (Lukas Meili, Anthony Huguenin, Reto Schäppi, Samuel Walser) - wobei Biels Goalie Meili erst seit zwei Monaten in der NLA spielt. 15 der 25 Aufgebotenen bestritten noch keine 20 Länderspiele. Simpson: «Aber es sind elf Spieler mit dabei, die in den letzten drei Jahren an der U20-WM für die Schweiz gespielt haben. Und im Silberteam von Stockholm figurierten neun Spieler, die über das November-Aufgebot, wenn wir jeweils das erweiterte Kader sichten, den Weg in die Nationalmannschaft gefunden haben.»

Einer JeKaMi-Auswahl («jeder kann mitmachen») entspricht die Equipe für München keineswegs. Mit Patrik Bärtschi (17 Skorerpunkte), Roman Wick (17), Benny Plüss (16), Inti Pestoni (16), Julien Sprunger (15) und Juraj Simek (14) figurieren sechs der besten Skorer im Aufgebot. Ausserdem gehören Patrick Geering ( 10 in der Plus-/Minusbilanz), Wick ( 10), Pestoni ( 9), Samuel Walser ( 7) und Patrik Bärtschi ( 7) zu den statistisch besten Akteuren in der NLA.

Simspon erwartet viel Einsatz

Mit welchen Zielen reiste das Schweizer Team am Donnerstag nach München? Simpson: «Wir wollen immer gewinnen, wie es sich für eine Nationalmannschaft gehört. Gewiss besteht die Mannschaft nur aus wenigen Routiniers. Aber ich erwarte von meinem Team viel Einsatz und viel Tempo.» Das Turnier wird Kraft kosten. Die Schweizer bestreiten die drei Partien gegen Gastgeber Deutschland (Freitagabend), die USA (Samstagabend) und die Slowakei (Sonntagmittag) innerhalb von 42 Stunden.

Von den Gegnern tritt insbesondere Deutschland ebenfalls nicht mit dem A-Team an, im Gegensatz zur Schweiz aber nicht aus freien Stücken. Der deutsche Nationalcoach Pat Cortina musste bei seinem Aufgebot wegen Verletzungen auf drei Titulare verzichten, später folgten von den Aufgebotenen gleich acht Absagen. Für Deutschland, das die Olympia-Qualifikation erstmals in der Geschichte nicht geschafft hat, ist der Höhepunkt der Nationalmannschaftssaison, die WM, noch weit weg. Die Slowaken dagegen üben in München den Konkurrenzkampf für Sotschi. Sie reisten mit einer routinierten Mannschaft an. Ein Dutzend Akteure ist 30 oder älter. Mit Spannung werden die Auftritte der USA-Auswahl erwartet. Bei ihrer letzten Teilnahme in München waren die Amerikaner vor zwei Jahren nicht über den letzten Platz hinausgekommen. Aber der Lockout in der NHL hat vor einem Jahr viele talentierte US-Boys im besten Alter nach Europa gebracht, die zum Teil geblieben sind, wie beispielsweise Tim Stapleton (einst Winnipeg), Nick Palmieri (New Jersey) oder Peter Mueller (Phoenix). Mit Mueller (Kloten) und Ryan Shannon (ZSC Lions) figurieren auch zwei Spieler aus NLA-Klubs im amerikanischen Aufgebot.

Das Schweizer Aufgebot

Tor (2): Daniel Manzato (Lugano), Lukas Meili (Biel).

Verteidigung (8): Alessandro Chiesa (Zug), Félicien Du Bois (Kloten), Patrick Geering (ZSC Lions), Samuel Guerra (Davos), Anthony Huguenin (Fribourg), Dean Kukan (Lulea/Sd), Romain Loeffel (Fribourg), Dominik Schlumpf (Lugano).

Stürmer (15): Patrik Bärtschi (ZSC Lions), Etienne Froidevaux (Lausanne), Gregory Hofmann (Davos), Michael Liniger (Kloten), Inti Pestoni (Ambri-Piotta), Benjamin Plüss (Fribourg), Kevin Romy (Genève-Servette), Reto Schäppi (ZSC Lions), Tristan Scherwey (Bern), Juraj Simek (Genève-Servette), Julien Sprunger (Fribourg), Joel Vermin (Bern), Samuel Walser (Davos), Roman Wick (ZSC Lions), Dino Wieser (Davos).

Coach: Sean Simpson.

München. Deutschland-Cup

Freitag: USA - Slowakei (16.30 Uhr), Deutschland - USA (20.00). -

Samstag: Deutschland - Slowakei (16.15 Uhr), USA - Schweiz (19.45). -

Sonntag: Slowakei - Schweiz (13.15 Uhr), Deutschland - USA (16.45). (si)

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