«Zufälle gibts»: Simulation von Affenpocken-Ausbruch aus dem Jahr 2021 sorgt für Aufregung
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«Zufälle gibts»Frühere Simulation von Affenpocken-Ausbruch sorgt für Aufregung

An der Münchner Sicherheitskonferenz 2021 wurde zu Übungszwecken eine Pandemie mit einem modifizierten Affenpockenvirus simuliert. Das sorgt nun für Verschwörungstheorien.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Nicht nur das Affenpockenvirus verbreitet sich, sondern auch Falschbehauptungen zum Thema. 

Nicht nur das Affenpockenvirus verbreitet sich, sondern auch Falschbehauptungen zum Thema. 

Screenshot Telegram
So kursierten derzeit Andeutungen, wonach der aktuelle Ausbruch kein Zufall sein könnte. An den Gerüchten ist jedoch nichts dran.

So kursierten derzeit Andeutungen, wonach der aktuelle Ausbruch kein Zufall sein könnte. An den Gerüchten ist jedoch nichts dran.

Screenshot Twitter/@Meldereiter73
Die Behauptung stützt sich auf eine Übungssimulation, die im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz im März 2021 stattfand. Organisiert wurde das Ganze von der Non-Profit-Organisation Nuclear Threat Initiative (NTI), die sich für die internationale Friedenssicherung durch die Verhinderung katastrophaler Attacken oder von Unfällen mit Massenvernichtungswaffen einsetzt – insbesondere nuklearen, biologischen und chemischen Waffen.

Die Behauptung stützt sich auf eine Übungssimulation, die im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz im März 2021 stattfand. Organisiert wurde das Ganze von der Non-Profit-Organisation Nuclear Threat Initiative (NTI), die sich für die internationale Friedenssicherung durch die Verhinderung katastrophaler Attacken oder von Unfällen mit Massenvernichtungswaffen einsetzt – insbesondere nuklearen, biologischen und chemischen Waffen.

NTI

Darum gehts

Die Covid-19-Pandemie ist noch nicht vorbei, trotzdem haben die wilden Behauptungen rund um den Ursprung und die Impfungen nachgelassen. Doch einige Social-Media-Nutzerinnen und -Nutzer sowie einschlägige Plattformen haben mit den Affenpocken-Ansteckungen, die seit Anfang Mai 2022 in Europa gemeldet werden, ein neues Thema gefunden.

Seit einigen Tagen feiern Hashtags #Plandemie und #wakeup auf Plattformen wie Twitter, Tiktok und Telegram (siehe Bildstrecke) ein Comeback und es kursieren Andeutungen, wonach der aktuelle Ausbruch kein Zufall sein könnte. An den Gerüchten ist jedoch nichts dran.

Pandemie-Simulationen sind nichts Besonderes

Die Verbreiterinnen und Verbreiter stützen ihre Behauptungen auf eine Übungssimulation, die im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz im März 2021 stattfand. Organisiert wurde das Ganze von der Non-Profit-Organisation Nuclear Threat Initiative (NTI), die sich für die internationale Friedenssicherung durch die Verhinderung katastrophaler Attacken oder von Unfällen mit Massenvernichtungswaffen einsetzt – insbesondere nuklearen, biologischen und chemischen Waffen. In der Übung spielten Fachleute ein fiktives Szenario zum Ausbruch biologisch manipulierter Affenpocken durch (siehe Box). Ausbruchszeit in der Theorie: 15. Mai 2022.

Den Anhängerinnen und Anhängern des Gerüchts reicht das als Beweis für einen Zusammenhang. Schliesslich wurde der erste Fall des aktuellen Ausbruchs am 7. Mai 2022 gemeldet. «In Kooperation mit der Münchner #Sicherheitskonferenz gab es 2021 (!) also ein Planspiel zu einem Ausbruch von #Affenpocken. Angenommenes Datum für den Ausbruch war der 15. Mai 2022 ... Zufälle gibt's», schreibt etwa Twitter-Nutzer @DrLuetke.

Darum gings in der Simulation

Doch: Solche Szenarien werden oft durchgespielt. Derzeit beispielsweise planen die G7-Staaten und die Weltgesundheits­organisation WHO, in einer Übung eine Pockenpandemie zu simulieren. Es gehe darum, «zu erfahren, ob aus Fehlern der Vergangenheit effektive Lehren gezogen wurden», sagte der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach am Donnerstag in Berlin zu Beginn der Beratungen der Gesundheitsminister der sieben führenden Industriestaaten.

«Es werde sich um eine sehr realistische Übung handeln, bei der davon ausgegangen werde, dass sich aus einem Leopardenbiss eine Pockenpandemie entwickeln könnte», zitiert Aerzteblatt.de Lauterbach. Bereits die Ankündigung wurde von einigen Menschen falsch interpretiert:

Ein weiteres Beispiel für ein solches Planspiel ist «Event 201», das im Jahr 2019 gemeinsam vom Johns Hopkins Center for Health Security, dem WEF und der Bill and Melinda Gates Foundation durchgeführt wurde. In der Übung sorgte ein Erreger, der dem Sars-Virus nachempfunden wurde, für eine Pandemie. Auch hier führten die Ähnlichkeiten zur realen Covid-19-Pandemie – und die beteiligten Organisationen – für Verschwörungstheorien.

Auch bei der aktuellen Behauptung sind einige der beteiligten Personen und Organisationen den Anhängerinnen und Anhängern des Gerüchts ein Dorn im Auge. Und wie damals ist von einem «Great Reset» die Rede. Laut dem Verschwörungsmythos plant eine globale Elite eine «neue Weltordnung», kurz NWO, und übernimmt mithilfe einer gesteuerten Pandemie die Kontrolle. Doch auch dieses Mal sind die Behauptungen haltlos.

Keine Hinweise auf Manipulation

Es gibt keine Hinweise darauf, dass das Virus, das für die derzeit aus Europa gemeldeten Affenpockenfälle verantwortlich ist, absichtlich in die Welt gesetzt wurde. Das Virus wurde im Jahr 1958 das erste Mal bei Affen in Dänemark entdeckt und beim Menschen 1970 in Afrika. Dass der Erreger Menschen befallen kann, ist also seit über 50 Jahren bekannt. In der Regel geschieht das auf dem afrikanischen Kontinent, allerdings wurde er aber auch schon vereinzelt durch Reisende exportiert, unter anderem in die USA, nach Israel und auch schon 2018, 2019 und 2021 nach Grossbritannien.

Auch auf eine Manipulation des Virus deutet derzeit nichts hin: Bei der derzeit in Europa und den USA auftretenden Variante handelt es sich um die westafrikanische, die mildere der zwei bekannten Virusvarianten, wobei noch nicht alle Proben sequenziert wurden. 

Aktive Reisetätigkeiten und zwei Festivals

Dennoch ist der aktuelle Ausbruch ungewöhnlich: Es ist das erste Mal, dass in Europa und den USA Infektionsketten von Affenpocken ohne bekannte Verbindung zu West- oder Zentralafrika beobachtet wurden. Dafür könnte es allerdings eine ganz einfache Erklärung geben, wie Esther Künzli, Stellvertretende Chefärztin vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut, im 20-Minuten-Interview sagte: «Durch unsere vernetzte Welt und aktive Reisetätigkeiten sind solche Häufungen schon möglich.»

Aktuell prüfen Fachleute, ob die Affenpockenfälle mit einem grossen Fetisch-Festival in Antwerpen und der «Maspalomas Pride» auf Gran Canaria in Verbindung stehen. Allein an letzterer hatten 80’000 Personen aus Spanien und vielen anderen Ländern teilgenommen. 

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