Reise-Charakter: Sind auch Sie ein Handgepäck-Rowdy?
Aktualisiert

Reise-CharakterSind auch Sie ein Handgepäck-Rowdy?

Die neuen Billigtickets der Swiss führen bei der Traditionsairline zu Gerangel an Bord und nerven die Crew. Bei Passagieren sind sechs Typen auszumachen.

von
Isabel Strassheim

An Bord kann es vor dem Abflug zu Stress kommen, weil viele Reisende nur noch mit Handgepäck unterwegs sind. Grund ist der neue Billig-Tarif der Swiss. «Je voller der Flug, desto mehr Konfliktpotenzial gibt es, weil der Stauraum fürs Handgepäck ja begrenzt ist», sagt Denny Manimanakis, Präsident der Gewerkschaft fürs Swiss-Kabinenpersonal zu 20 Minuten.

Der Gepäck-Rüpel

Er steigt meist als Letzter abgehetzt ins Flugzeug, weil er sich noch mit Spirituosen eingedeckt hat, worauf seine beiden schweren Duty Free-Säcke schliessen lassen. Hinter sich her zieht er einen Trolley, bei dem der Reissverschluss am Platzen ist. Wohin damit? Der Flieger ist fast ausgebucht und in den Handgepäckfächern gibt es kaum mehr zehn Zentimeter freien Platz. Den Overhead-Rüpel stört das keinen Deut, er wuchtet seinen prallen schwarzen Koffer hoch, schiebt ihn wie einen Bulldozer in einen Zwischenraum. Sein Motto: Das dickere Gepäckstück setzt sich durch.

Die Old-School-Reisende

Sie hat ihr Gepäck vorsorglich aufgegeben, weil sie vor dem Boarding unbeschwert noch Kaffee trinken will. Ins Flugzeug steigt sie nur noch mit einer Handtasche, die sie unter dem Sitz deponiert. Ihren Mantel jedoch legt sie sorgsam zusammen und sucht für ihn ein Plätzchen im Gepäckfach, er soll ja knitterfrei den Flug überstehen. Das tut er, bis der Gepäck-Rüpel kommt.

Der Reise-Chaot

Beim Check-in wird ihm erst klar, dass bei seinem Günstigticket die Kofferaufgabe gar nicht inklusive ist. Er erhält einen Bändel ums Gepäck für die nachträgliche Aufgabe am Extra-Schalter, reisst es aber auf dem Weg zum Boarding einfach ab. Es geht ihm nicht nur ums Geld, er will auch nach der Landung nicht unnötig am Gepäckband warten. Im Flugzeug dann aber ist der Koffer zu gross für die Gepäckklappe und wird von der Crew mit handgeschriebenem Gepäckschein in den Frachtraum der Maschine geschickt. Der Chaot weiss übrigens auch beim Rückflug nicht, ob er sein Ticket mit oder ohne Gepäckaufgabe gebucht hat.

Die Pack-Perfektionistin

Sie hat sich Wochen vor dem Abflug bei der Swiss darüber informiert, dass sie das Netzkabel fürs Handy mitnehmen darf und Cremedosen und Zahnpasta in Grössen bis zu 100 Millilitern in einem durchsichtigen Beutel. Das erlaubte Koffermass hat sie eigens mit dem Zollstock nachgemessen und ihr Gepäck mehrmals gewogen. Um das Maximum von acht Kilogramm nicht zu überschreiten, zieht sie sich am Reisetag ihre schwersten Kleider an. Auf das zweite Paar Schuhe verzichtet sie und hat sich extra mit Universal-Tretern ausgestattet. Föhn und Waschsack hat sie im Kleinformat.

Der Früheinsteiger

Sie drängelt aufgeregt beim Boarding, will unbedingt als eine der Ersten in den Flieger steigen. Denn sie weiss, dass sie zwar eine Platzreservierung hat, aber keine für ihr Handgepäck. Weil sie zerbrechliche Mitbringsel eingepackt hat, will sie ihren Koffer besonders gut versorgt wissen und auf keinen Fall in den Frachtraum hieven lassen. Das Gepäckstück ist zwar etwas schwerer als die vorgeschriebenen acht Kilo, aber die Masse stimmen.

Die Minimalistin

Wenig Gepäck bedeutet für sie Freiheit: ein T-Shirt, eine Jeans, Zahnbürste, Tablet und eine frische Unterhose: Auch für die längere Reise reicht das der Coolen. Zur Not gibt es ja schliesslich Waschsalons überall auf der Welt. Oder sie kauft sich unterwegs einen Satz neuer Kleider und verfrachtet die eingedreckten, alten in den Kehricht. Packen und Reisen sind für sie unbeschwert, sie ist grundsätzlich nur mit kleinstem Gepäck unterwegs.

Was erlaubt ist

Seit der Einführung des neuen Light-Tickets der Airline Ende Juni, bei dem die Gepäckaufgabe nicht inklusive ist, würden immer mehr Passagiere beim Bordgepäck das Maximum ausschöpfen oder gar überschreiten. Dies berichtete die «Schweiz am Sonntag» unter Verweis auf das Swiss-Mitarbeiter-Magazin «Airmail».

In der Economy-Klasse darf das Handgepäck bei der Swiss maximal acht Kilogramm wiegen. Die Masse dürfen 55 x 40 x 23 cm nicht überschreiten. Zusätzlich erlaubt ist eine Handtasche, Laptoptasche oder Schultertasche (maximal 40 x 30 x 10 cm). Auch ein Kindersitz liegt drin wie auch ein Paar Gehhilfen, Arm- oder Beinschienen, sonstige Prothesen und medizinische Geräte.

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