Verboten, aber noch da: Sind Blumenkästen mit Asbest gefährlich?

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Verboten, aber noch daSind Blumenkästen mit Asbest gefährlich?

Seit 1989 ist Asbest in der Schweiz verboten. Doch noch immer stehen Produkte aus dem robusten Material auf vielen Balkonen.

von
Fee Riebeling
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Asbest ist krebserregend und deshalb seit 1989 in der Schweiz verboten.

Asbest ist krebserregend und deshalb seit 1989 in der Schweiz verboten.

iStock/Carterdayne
Früher aber fand er in vielen Bereichen Anwendung – im Brandschutz und in der Wärmeisolation, in Brems- und Kupplungsbelägen sowie in Dichtungen. Dies weil der Stoff so robust ist.

Früher aber fand er in vielen Bereichen Anwendung – im Brandschutz und in der Wärmeisolation, in Brems- und Kupplungsbelägen sowie in Dichtungen. Dies weil der Stoff so robust ist.

Keystone/Eddy Risch
Trotz des Verbots sind noch immer Blumenkübel aus Asbestzement im Umlauf – auf Dachterrassen genauso ...

Trotz des Verbots sind noch immer Blumenkübel aus Asbestzement im Umlauf – auf Dachterrassen genauso ...

Sebastian Magnani

Asbest war einst wegen seiner Robustheit sehr gefragt. Ausserdem war der Stoff leicht verfügbar und günstig (siehe Box). Folglich fand er in vielen Bereichen Anwendung – im Brandschutz und in der Wärmeisolation, in Brems- und Kupplungsbelägen sowie in Dichtungen.

Später zeigte sich, dass ungebundene Asbestfasern krebserregend sind. Daraufhin wurde der Stoff 1989 in der Schweiz verboten.

Blumenkisten aus Asbest

Trotzdem trifft man das Material nach wie vor noch an – und das nicht nur in alten Gebäuden. Auch in Blumenkästen und -töpfen, die von der Firma Eternit vor Anfang der 1980er-Jahre hergestellt wurden, findet sich Asbest (siehe Bildstrecke).

In Panik geraten müssen Hobbygärtner deshalb aber nicht, sagt Suva-Sprecherin Erika Rogger: «Solange Blumenkisten aus asbesthaltigem Faserzement nicht beschädigt oder gereinigt werden, geht von ihnen keine Gefährdung für Personen aus.»

Umstände machen den Unterschied

Dennoch ist Vorsicht geboten, so Rogger: «Wenn die Kisten in irgendeiner Form bearbeitet werden, können gesundheitsgefährdende Asbestfasern freigesetzt werden.» Dies allerdings nur «während des ‹mechanischen Arbeitsprozesses› selber», wie Daniel Dauwalder vom Bundesamt für Gesundheit BAG ergänzt. Das sei vor allem bei maschinellem Bearbeiten wie Bohren, Schleifen oder Sägen der Fall. «Das muss vermieden werden.» Ebenso das Reinigen mit Drahtbürsten.

Unproblematisch ist laut Dauwalder dagegen vereinzeltes Kratzen, etwa mit einer Harke. Dabei würden keine relevanten Fasermengen freigesetzt. Sind die Oberflächen dazu noch nass oder feucht, ginge die Freisetzung gegen Null.

Auch bei stark wurzelnden Pflanzen muss man sich keine Gedanken machen, so Dauwalder: Der Prozess verlaufe so langsam, dass die gefährlichen Fasern nicht entweichen können. Selbst der Verzehr von in asbesthaltigen Eternit-Töpfen wachsenden Pflanzen stelle kein Risiko dar. «Asbestfasern sind nur dann gefährlich, wenn sie eingeatmet werden und in die Lunge gelangen.»

Bauschutt oder Sondermüll?

Wer auf Nummer sicher gehen will, muss sich von den alten Schätzchen trennen. Punkto Entsorgung gibt es keine pauschale Empfehlung. Denn auch dabei kommt es auf den Zustand der Blumenkisten und -töpfe an: «Sind sie unbeschädigt, ist die Asbestfaser im Zement noch festgebunden und wird nur beim Bearbeiten freigesetzt. Daher können solche Eternit-Blumenkisten wie normaler Bauschutt behandelt werden», erklärt Leta Filli von Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ).

Suva-Sprecherin Erika Rogger rät hingegen, die Tröge auf Inertdeponien zu entsorgen: «Ihre Gemeinde oder der Kanton verfügen über Informationen darüber, wo sich in Ihrer Nähe eine solche Deponie befindet.»

Klar ist die Sache, wenn die Behältnisse angeschlagen sind, sagt Leta Filli: «Dann müssen sie in die Sonderabfall-Sammelstelle gegeben werden – und zwar doppelt in luftdichte Plastiksäcke eingeschlagen.»

Vom Wundermittel zum Killer

Asbeste sind eine Gruppe von mineralischen Fasern, die in serpentin- und hornblendehaltigem Gestein vorkommen. Chemisch gehört Asbest in die Gruppe der Silikate. Es ist hitzebeständig bis 1000 Grad Celsius, resistent gegenüber einer Reihe aggressiver Chemikalien, hat eine hohe elektrische und thermische Isolierfähigkeit, weist eine hohe Elastizität und Zugfestigkeit auf und lässt sich gut in verschiedene Bindemittel einarbeiten.

Problematisch für die Gesundheit wird es, wenn Asbest-Feinstaub durch die Atmung in die Lungenbläschen gelangt. Bereits geringe Konzentrationen in der Luft fördern das Risiko der Entstehung eines Mesothelioms (Tumor des Brust- oder Bauchfells) oder von Lungenkrebs. Vom Einatmen bis zum Ausbruch der Krankheit können 40 Jahre und mehr vergehen. (Quelle: SUVA)

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