Aktualisiert 25.01.2018 05:52

Unter Alphatieren

Sind Bundesräte am WEF nur Mauerblümchen?

Gleich fünf Bundesräte reisen dieses Jahr nach Davos. WEF-Kenner Hans Peter Michel über Meetings, Partys und Fettnäpfchen.

von
Nikolai Thelitz
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Alt-Bundesrat Adolf Ogi traf sich am WEF 2000 mit US-Präsident Bill Clinton.

Alt-Bundesrat Adolf Ogi traf sich am WEF 2000 mit US-Präsident Bill Clinton.

Keystone/Alessandro Della Valle
Auch Alain Berset wird sich mit hochrangigen Politikern wie Indiens Premier Narendra Modi ...

Auch Alain Berset wird sich mit hochrangigen Politikern wie Indiens Premier Narendra Modi ...

AP/Peter Klaunzer
... oder US-Präsident Donald Trump treffen.

... oder US-Präsident Donald Trump treffen.

AP/Evan Vucci

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) ist dieses Jahr besonders prominent besetzt. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, US-Präsident Donald Trump, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die britische Premierministerin Theresa May statten Davos einen Besuch ab. Auch die Schweizer Landesregierung lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen: Bundespräsident Alain Berset traf bereits auf Indiens Premierminister Narendra Modi, Ende Woche steht ein Treffen mit Donald Trump an.

Ueli Maurer, Ignazio Cassis, Johann Schneider-Ammann und Doris Leuthard werden ebenfalls nach Davos reisen und sich dort mit Ministern treffen. Der ehemalige Davoser Landammann Hans Peter Michel kennt das WEF aus eigener Erfahrung bestens. Er erklärt, wie es den Bundesräten in Davos ergehen könnte.

Herr Michel, ans WEF kommen Trump, Merkel und Macron. Ist man da als Bundesrat nicht ein Mauerblümchen?

Ja, weil der Bundesrat ein Gremium von sieben Personen ist, werden die Bundesräte eher als Minister denn als Staatschefs wahrgenommen, auch der Bundespräsident. Doch Berset kommt als Gastgeber eine spezielle Rolle zu. Bei meinen Besuchen am WEF habe ich gemerkt, dass dies bei den ausländischen Staats- und Firmenchefs durchaus ein wichtiger Punkt ist. Berset wird sich nicht nur mit Trump treffen, auch die anderen Staatschefs werden sich bei ihm für die Gastfreundschaft bedanken und zumindest ein kleines informelles Schwätzchen halten.

Wie trifft man sich denn auf solch offizieller Ebene? Ist da alles von langer Hand geplant oder kann man auch mal spontan beim Apéro mit Merkel sprechen?

Die formellen Gespräche werden meist geplant, das kann in der Tat Monate vorher geschehen. Es gibt jedoch auch informelle Treffen, welche die Staatschefs wie Sie und ich vereinbaren. Wenn etwa Leuthard noch mal mit Jean-Claude Juncker über die Börsenäquivalenz reden will, dann fragt sie ihn direkt an: «Jean-Claude, hast du morgen nach dieser Diskussionsrunde eine halbe Stunde Zeit?» Wenn man einen guten Draht zueinander hat, klappt das spontan, innert weniger Stunden kann ein Treffen zustande kommen.

Neben Berset kommen vier weitere Bundesräte, sie treffen sich mit Ministern. Werden nur Nettigkeiten ausgetauscht oder eher handfeste Deals abgeschlossen?

Es geht schlussendlich um die Deals, jeder geht mit einem konkreten Ziel in diese Meetings. Es wird ja schon definiert, worüber die beiden sprechen werden, da wird jeder einen Plan haben, wie er etwa eine Zusicherung zu einem Handelsabkommen oder eine Kooperation im Technologiesektor erreichen will. Die Parteien beschliessen dann meist weitere bilaterale Treffen, um die Details zu finalisieren.

Am Abend warten die legendären WEF-Partys. Mischen sich die Bundesräte unter die Feiernden?

Eher weniger. Man hat einen langen Tag vor sich und muss fit sein für zahlreiche Meetings. An den Abendveranstaltungen fehlen die hohen Tiere darum meist. Ein weiterer Grund: Wenn man etwa bei der Burda-Party im Belvedere auftaucht, ist Google beleidigt, weil man ihre Party im Intercontinental verschmäht hat. Man läuft also Gefahr, jemanden vor den Kopf zu stossen.

Alain Berset wird sich auch mit Trump treffen. Wie soll er sich gegenüber dem mächtigen, aber umstrittenen US-Präsidenten verhalten?

Auf keinen Fall sollte er versuchen, Trump zu belehren. Im besten Fall ist er höflich und herzlich, sodass Trump das Gefühl hat, willkommen zu sein. Auch sollte sich Berset keine allzu grossen Hoffnungen machen, inhaltlich etwas erreichen zu können. Der US-Präsident gilt ja als nicht besonders guter Zuhörer. Wenn sich Trump in einem halben Jahr noch an Berset erinnert, ist das bereits ein Erfolg.

«Sehr angenehm»: Bundesrat Alain Berset traf sich zu Gesprächen mit Theresa May und Angela Merkel. Video: Tamedia/SDA

WEF-Kenner Hans Peter Michel

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