Aktualisiert 15.03.2009 13:27

Euro-Banknoten

Sind deutsche Euros sicherer als griechische?

Alle Euro-Banknoten haben einen Ländercode. Ein deutscher Wirtschaftsprofessor behauptet nun, die Noten trügen dieses Erkennungsmerkmal für den Fall eines Auseinanderbrechens des EU-Währungssystems. Er empfiehlt deshalb, die Euros aus Griechenland, Portugal und Irland rasch weiterzureichen.

Die aktuelle Wirtschaftskrise ist der erste echte Härtetest für die junge europäische Währung. Auf Grund der stark unterschiedlichen Renditen der Staatsanleihen und der Kreditausfallprämien der Euro-Staatsschuldner ist es nicht auszuschliessen, dass einzelne Euro-Mitglieder aus der Eurozone aussteigen könnten. So sind zurzeit Staatsanleihen von Irland, Italien, Spanien, Portugal und Griechenland alles andere als attraktiv. Dagegen geniessen beispielsweise deutsche Staatsanleihen noch immer den Status eines AAA Ratings. Sind deutsche Euro-Banknoten damit sicherer und mehr Wert als andere?

Euro ist Euro

Rechtlich ist klar: Egal ob eine Euro-Banknote aus Griechenland, Frankreich oder Deutschland stammt, Euro ist Euro und muss als Zahlungsmittel angenommen werden. In Deutschland gilt die Währung seit dem 1. Januar 2002 als einziges gesetzliches Zahlungsmittel.

Misstrauen

Dem Euro trauen nicht alle. Verträge könne man kündigen und Gesetzte ändern, erklärt Max Otte, Professor für Internationale Betriebswirtschaft und Aussenwirtschaft an der Fachhochschule Worms. Die Länderkennung sei ein Zeichen, dass man das Auseinanderbrechen des europäischen Währungssystems schon vorhergesehen habe. So rät er in einem kürzlich veröffentlichten Beitrag von Banknoten mit den Kennzeichen Italiens, Irlands, Griechenlands, Spaniens, Portugals und den Niederlanden ab.

Rettungspakete drücken Euro

Das eigentliche Problem der europäischen Währung sind laut Otte die kostspieligen Rettungspakete, mit denen einzelne Mitgliedsstaaten vor einem Bankrott bewahrt werden sollen. Die Rettungspakete würden den Euro massiv schwächen und das unabhängig davon, ob das Geld auf Konten oder bar gehalten werde. Ein deutscher Vermögensverwalter hat seinen Notfallplan bereits in der Schublade: «Wenn Deutschland ankündigen sollte, die Griechen zu retten, dann bin ich komplett raus aus dem Euro», sagte er gegenüber «wiwo.de».

Buchstabe verrät Herkunft

Die Deutsche Bundebank hat für die Nummerierungen dagegen eine ganz einfache Erklärung: Anhand des Buchstabens vor der Seriennummer einer Euro-Banknote lasse sich erkennen, welche Zentralbank den Druck einer Banknote in Auftrag gegeben habe. So stehe auf Banknoten, die von der deutschen Zentralbank ausgegeben wurde ein X vor der Seriennummer – das klingt plausibel und nicht nach Geheimcode.

Laut der Deutschen Bundesbank wurden die Ländercodes eingeführt um Nummerierungen der Scheine zu vereinfachen. Jede Zentralbank in der Eurozone druckt ihre eigenen Banknoten und verwendet dafür ihren eigenen Nummernkreis. Um den Koordinationsaufwand zu verringern und Dopplungen zu vermeiden, setzt jede Zentralbank ihren entsprechenden Ländercode vor die Seriennummer. Ein ähnliches Prinzip wird auch bei Nummernschildern von Fahrzeugen verwendet.

(scc/zac)

Ländercode auf Euro-Scheinen

Deutschland (X), Finnland (L), Frankreich (U), Niederlande (P), Portugal (M), Belgien (Z), Spanien (V), Malta (F), Italien (S), Zypern (G), Slowenien (H), Slowakei (E), Österreich (N), Griechenland (Y), Irland (T).

Speziell: Luxemburg druckt in Auftrag der Länder der Eurozone. Die Noten tragen die Kennung des Auftragslandes.

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