Krisensichere Anlagen: Sind Diamanten das neue Gold?
Aktualisiert

Krisensichere AnlagenSind Diamanten das neue Gold?

Der Goldpreis steigt und steigt. Aus Angst vor einem Crash flüchten viele Anleger in das Edelmetall. Noch härter sind nur Diamanten – ihr Preis ist geradezu explodiert.

von
Kerstin Eiselt
Die Qualität des Diamenten ist entscheidend.

Die Qualität des Diamenten ist entscheidend.

Gold ist das Barometer der Angst. Darum steigt der Goldpreis vor allem dann, wenn es den Finanzmärkten schlecht geht. Allein in diesem Jahr kletterte der Preis für eine Unze Gold (31 Gramm) von rund 1380 auf 1680 US-Dollar (Stand 13. Oktober). Das ist eine Steigerung um gut 20 Prozent.

Doch nicht nur Gold glänzt. Geradezu explodiert ist der Preis für Diamanten im gleichen Zeitraum. Heute kosten die Edelsteine zwischen 35 und 45 Prozent mehr als Angang des Jahres. Für einen einkarätigen Diamanten in Top-Qualität blättern Käufer heute rund 11 000 Dollar hin. «Besonders deutlich ist der Preis von Diamanten mit einer Grösse von 0.5 bis 1.5 Karat (1 Karat = 0.2 Gramm) und guter Farbe gestiegen», beobachtet der Schweizer Diamantenhändler Walter Muff.

Steigende Nachfrage

Diamanten erfreuen sich weltweit immer grösserer Beliebtheit. «Die Nachfrage in Indien explodiert. Auch Südchina ist ein wichtiger Markt. Mit dem steigenden Lebensstandart wächst der Wunsch nach Luxusartikeln», so der Experte. Er ist sicher, dass sich immer mehr Menschen von den Finanzplätzen abwenden und Diamanten kaufen werden.

Das ist noch nicht alles: Diamanten sind noch seltener als Gold. Die Anzahl der Minen ist begrenzt. «Weil in den letzten Jahren keine signifikanten Funde mehr gemacht wurden, wissen wir, dass das Angebot in den nächsten zehn Jahren nicht markant steigen wird», berichtet Robert Gannicott, CEO von Harry Winston gegenüber der «Finanz und Wirtschaft». Er muss es wissen - Harry Winston ist die weltweit grösste kotierte Diamantengesellschaft.

Kaum Potenzial für Privatanleger

Wer als Anleger allerdings profitieren will, hat bei Diamanten einige Hürden zu überwinden. Der Preis eines Diamanten lässt sich nämlich nicht pauschal bestimmen. Das ist der grösste Nachteil im Vergleich zu Goldbarren: «Diamanten sind nicht genormt. Jeder Stein ist ein Unikat, der Preis variiert bereits bei kleinen Unterschieden», erklärt Muff. Aufgrund der schwierigen Wertfindung würden Diamanten auch nicht an der Börse gehandelt.

«Diamanten sind keine klassische Finanzanlage, der Markt ist nicht transparent», sagt der Diamantenexperte. Neben den genannten Problemen der Preisfindung und fehlenden Börsenkotierung stossen Privatanleger auf weitere Hindernisse: Die Investition lohnt sich erst ab höheren Summen. Zudem ist der Handel der Steine schwierig und zeitintensiv.

Ein Kauf oder Verkauf erfordert Expertise und Vertrauen zwischen den Händlern. In der Regel ist eine physische Prüfung des Steines nötig. Laien sind da schnell überfordert. «Zur Anlage von Vermögen lohnen sich erst Steine ab einem Gewicht von einem Karat, die je nach Farbe, Reinheit und Schliff ab 10 000 Franken verkauft werden», weiss Muff. Anlagefonds wiederum, die physisch mit Steinen handeln, bewegen sich eher seitwärts als nach oben und bieten somit kaum Renditechancen.

Emotionen statt Anlagen

Alternativ zum Handel mit den Steinen sind Investitionen in Aktien von Rohstoffkonzernen oder Minenbetreibern möglich. Doch seien Diamanten nicht bloss Anlageobjekte, sondern in erster Linie emotionale Gegenstände, findet Muff. «Seit ein paar Jahren ist in der Schweiz der Trend ersichtlich, Verlobungsringe mit Diamanten zu bestücken», beobachtet er.

Deine Meinung