Aktualisiert 31.01.2019 13:40

Kapverdische Inseln 2/2

Sind die Kapverden bereit für den Massentourismus?

Immer mehr Reisende entdecken die Kapverdischen Inseln für sich. Welche Herausforderungen und Chancen stellen sich für das afrikanische Land?

von
Laura Hüttenmoser, Sal
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Die Kapverden zählen im Moment zu den noch eher unbekannten Reisezielen, doch der Tourismus zieht kräftig an. Aufgrund der Nähe zu Europa, der ganzjährigen Badesaison und Vielseitigkeit der Inseln mausert sich die Destination zu einer beliebten Alternative zu den Kanaren.

Die Kapverden zählen im Moment zu den noch eher unbekannten Reisezielen, doch der Tourismus zieht kräftig an. Aufgrund der Nähe zu Europa, der ganzjährigen Badesaison und Vielseitigkeit der Inseln mausert sich die Destination zu einer beliebten Alternative zu den Kanaren.

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Der Inselstaat befindet sich vor der Westküste Afrikas im Zentralatlantik. Geografisch eindeutig Afrika zuzuordnen, ist die Kultur stark von Portugal geprägt, zu dem die Kapverden bis 1975 gehörten.

Der Inselstaat befindet sich vor der Westküste Afrikas im Zentralatlantik. Geografisch eindeutig Afrika zuzuordnen, ist die Kultur stark von Portugal geprägt, zu dem die Kapverden bis 1975 gehörten.

Wikimedia
Die neun bewohnten Inseln haben ihren eigenen Charakter, eine unterschiedliche Vegetation und sprechen damit andere Reisetypen an.

Die neun bewohnten Inseln haben ihren eigenen Charakter, eine unterschiedliche Vegetation und sprechen damit andere Reisetypen an.

Pavalena

«Wo liegen die nochmal?», «Wie ist es da so?»: Viele Menschen haben keine klare Vorstellung von der afrikanischen Inselgruppe mitten im Atlantik. Das dürfte sich in den kommenden Jahren ändern. Die Kapverden wollen sich als Winterreiseziel für Europäer etablieren, als Alternative zu den Kanaren oder Ägypten.

Kamen 2013 noch 450'000 Reisende ins Land, waren es 2017 bereits 716'000. Ganzjähriger Sonnenschein, angenehme Temperaturen, Traumstände, aber auch Wanderrouten und Ursprünglichkeit locken die Feriengäste.

Baustellen und Job-Möglichkeiten

Besonders gut ist dies auf Sal sichtbar, der touristischsten der neun bewohnten Inseln. An den Stränden entsteht ein Hotel nach dem anderen, meist All-inclusive-Resorts von bekannten Ketten. 2017 eröffnete das Hilton Hotel, das Resort für Thomas-Cook-Gäste wird zum Zeitpunkt unseres Besuchs gerade gebaut. Der Andrang bringt viele Herausforderungen für das isolierte Land, das einen Grossteil seiner Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs importieren muss, wo Wasserknappheit herrscht und es kein Recycling-System für den Abfall gibt.

Doch ist der Tourismus auch ein entscheidender Motor für das Wirtschaftswachstum. 24 Prozent des Bruttoninlandprodukts werden bereits durch ihn erwirtschaftet, für die Bevölkerung ist der Tourismus eine der wenigen möglichen Einkommensquellen. Fast 90 Prozent aller Angestellten in den grossen All-inclusive-Resorts sind Inselbewohner. Auf Kosten der Tourismuskonzerne entsteht neue Infrastruktur wie Strassen oder Schiffsverbindungen, lokale Projekte und Schulen werden unterstützt. Kurzum: Der Bevölkerung eröffnen sich Möglichkeiten, die ohne die Tourismusindustrie schwer denkbar wären.

Abfall sammeln als Strand-Spiel

Wir treffen David, Eddyr, Marcio und Ramiro. Sie bieten Touren auf der Insel Sal an und haben gerade ein Training für «verantwortungsbewusste Reiseführer» durchlaufen. «Damit nachhaltiger Tourismus möglich ist, brauchen die Leute Informationen, das ist das A und O», sagt Marcio. Auf ihren Touren sprechen sie über den respektvollen Umgang mit Umwelt und Einheimischen. «Werft keinen Abfall auf den Boden, fragt die Leute, bevor ihr sie fotografiert, gebt bettelnden Kindern kein Geld und bucht keine Tierbeobachtungstouren mit unzertifizierten Guides, die in zu grossen Gruppen unterwegs sind», erklärt Eddyr. Doch auch vielen Einheimischen fehle noch das Bewusstsein für Nachhaltigkeit, gibt David zu bedenken. Die Armut ist gross, Themen wie Abfall- oder Wasserverbrauch haben nicht oberste Priorität.

Das «Project Biodiversity», von dem im gestrigen Bericht bereits die Rede war, ist die Partnerorganisation der TUI Care Foundation und engagiert sich an lokalen Schulen. In Workshops und bei gemeinsamen Aktivitäten werden Kinder und ihre Eltern für Umweltthemen sensibilisiert. Man behandelt zum Beispiel den Lebenszyklus der Meeresschildkröten oder macht gemeinsam einen «Beach Clean»: Allmonatlich befreien Mitarbeiter mit den Kindern einen Strand von Abfall, der aus dem Meer angeschwemmt wird. Die Menge, die dabei in kürzester Zeit zusammenkommt, ist beträchtlich und weckt den Eindruck von Sisyphusarbeit. Doch die Kinder machen sich ein Spiel daraus und sind mit Freude dabei.

Wer das Geld hat, hat die Macht

Die entscheidendste Rolle, wie sich der Tourismus auf die Umwelt und Bevölkerung der Kapverden auswirkt, kommt aber den Feriengästen selbst zu. Welche Unterkunft bucht man, welche Touren, wofür gibt man sein Geld aus? Wer möchte, dass die einheimische Bevölkerung auch profitiert, sollte die Hotelanlage auch mal verlassen und in einem lokalen Restaurant essen oder im Supermarkt einkaufen.

Wo war Laura?

Reiseredaktorin Laura zeigt Aufnahmen von ihrem letzten Trip. Erkennst du, wo sie war?

Hotelgäste können ihren Wasserverbrauch einschränken, weniger Abfall produzieren oder Wünsche beim Management anbringen. «Zum Beispiel könnten die Touristen fordern, dass gefiltertes Meerwasser bereitgestellt wird statt importiertes Wasser in Plastikflaschen», sagt Rosie von Project Biodiversity. Das sei vielen Betrieben zu teuer, «aber sobald genug Leute etwas verlangen, ist eine Veränderung möglich».

Weitere Tipps für nachhaltiges Reisen findest du hier >>

Um die Kapverden existiert die zweitgrösste Population an Meeresschildkröten weltweit. Was zu ihrem Schutz getan wird, liest du im gestrigen Bericht >>

Rundreise auf Sal

Wer mehr von der Insel als ihre weissen Sandstrände sehen möchte, ist mit der Tour «Sal Secrets 4x4» gut beraten. Dieser halbtägige Ausflug führt zu den weniger bekannten Sehenswürdigkeiten der Insel (siehe Bildstrecke). Sämtliche Einnahmen gehen an lokale Projekte, die von der TUI Care Foundation unterstützt werden.

Hinkommen

Reisende ab Zürich erreichen die Insel Sal via Lissabon mit TAP Air Portugal. Die Reisezeit (inkl. Zwischenstopp) beträgt knapp neun Stunden.

Einreise

Schweizer Staatsangehörige benötigen einen gültigen Reisepass. Die Visumspflicht ist seit dem 1.1.2019 für Aufenthalte bis zu 30 Tagen aufgehoben, jedoch müssen sich Reisende im Voraus online registrieren auf Ease.gov.cv

Diese Reise erfolgte auf Einladung der TUI Care Foundation. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, in Destinationen auf der ganzen Welt Kinder und Jugendliche zu fördern, zum Schutz natürlicher Ressourcen beizutragen und die lokale Wertschöpfung zu unterstützen. Die Redaktion von 20 Minuten ist auch bei der Berichterstattung zu Pressereisen unabhängig und bestimmt den Inhalt eigenständig. Aus Transparenzgründen weisen wir ausdrücklich darauf hin, welche Organisation die Reise ermöglichte.

Diese Reise erfolgte auf Einladung der TUI Care Foundation. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, in Destinationen auf der ganzen Welt Kinder und Jugendliche zu fördern, zum Schutz natürlicher Ressourcen beizutragen und die lokale Wertschöpfung zu unterstützen. Die Redaktion von 20 Minuten ist auch bei der Berichterstattung zu Pressereisen unabhängig und bestimmt den Inhalt eigenständig. Aus Transparenzgründen weisen wir ausdrücklich darauf hin, welche Organisation die Reise ermöglichte.

Diese Reise erfolgte auf Einladung der TUI Care Foundation. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, in Destinationen auf der ganzen Welt Kinder und Jugendliche zu fördern, zum Schutz natürlicher Ressourcen beizutragen und die lokale Wertschöpfung zu unterstützen. Die Redaktion von 20 Minuten ist auch bei der Berichterstattung zu Pressereisen unabhängig und bestimmt den Inhalt eigenständig. Aus Transparenzgründen weisen wir ausdrücklich darauf hin, welche Organisation die Reise ermöglichte.

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