Mobbing: Sind die Schüler grausamer geworden?
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MobbingSind die Schüler grausamer geworden?

Drei bis fünf Prozent der Schüler sind von Mobbing betroffen. Vor dem Schikanieren gebe es kein Entrinnen mehr, sagt eine Fachperson.

von
B. Zanni
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Beliebt ist, über Social Media Gerüchte zu verbreiten oder diffamierende Fotos zu posten.

Beliebt ist, über Social Media Gerüchte zu verbreiten oder diffamierende Fotos zu posten.

Antonioguillem
Schüler würden nicht häufiger, sondern stärker gemobbt, sagt Otto Bandli sagt, Dozent und Berater für Gewalt und Mobbing an der Pädagogischen Hochschule Zürich.

Schüler würden nicht häufiger, sondern stärker gemobbt, sagt Otto Bandli sagt, Dozent und Berater für Gewalt und Mobbing an der Pädagogischen Hochschule Zürich.

phzh.ch
Zu den Mobbingopfern zählt auch M. M.* (Name der Redaktion bekannt). Seine Schulkollegen hätten ihn nicht gemocht und ihn einfach kaputtmachen wollen, sagt der 20-Jährige. «Es gipfelte darin, dass ein paar Klassenkameraden eine Facebookgruppe gegen mich erstellten.»

Zu den Mobbingopfern zählt auch M. M.* (Name der Redaktion bekannt). Seine Schulkollegen hätten ihn nicht gemocht und ihn einfach kaputtmachen wollen, sagt der 20-Jährige. «Es gipfelte darin, dass ein paar Klassenkameraden eine Facebookgruppe gegen mich erstellten.»

Privat

Schüler gründeten eine Facebookgruppe, die sich gezielt gegen Mitschüler L. K.* richtete. In einem anderen Fall brach eine Schülerin zusammen – Jungs aus der Klasse hatten ihr per SMS geraten, sich «besser umzubringen». Das sind keine Einzelfälle. Drei bis fünf Prozent der Oberstufenschüler sind laut Studien schweizweit von Mobbing betroffen, wie Otto Bandli sagt, Dozent und Berater für Gewalt und Mobbing an der Pädagogischen Hochschule (PH) Zürich.

Wie aus der James-Studie 2018 zudem hervorgeht, wurden 23 Prozent der Jugendlichen schon online fertiggemacht. 16 Prozent der Befragten verschickten beleidigende Texte oder Bilder mit dem Handy oder dem Computer.

«Gibt vor Mobbing kein Entrinnen mehr»

Schüler würden nicht häufiger, sondern stärker gemobbt, präzisiert Bandli. «Da sich das Mobbing von der Schule ins Netz verlagert hat, gibt es davor kein Entrinnen mehr.» Durch Plattformen wie Instagram, Snapchat oder Whatsapp hätten die Opfer nach der Schule keine Rückzugsmöglichkeiten mehr.

Die Hemmschwelle, jemanden zu beleidigen, sei gesunken. «Es ist einfacher, einen bösen Kommentar abzusetzen, als jemandem direkt zu drohen oder eine Beleidigung ins Gesicht zu sagen.» Eine häufige Form des Mobbings sei, Schüler in Gruppenchats auszuschliessen. «Die Chats haben dann auch Namen wie ‹Alle ohne Laura›.»

«Angst, als Petzer dazustehen»

Beliebt ist laut Bandli auch, über Social Media Gerüchte zu verbreiten oder diffamierende Fotos zu posten. «Für die Opfer sind solche Aktionen sehr traumatisch.» Es löse Trauer, Wut und Ohnmacht aus. «Für das Selbstwertgefühl der Opfer hat Mobbing wahnsinnige Folgen.»

Mobbing geschehe meistens verdeckt, beginne harmlos und schleichend und werde oft sehr spät bemerkt, hält Bandli fest. «Viele Menschen haben Angst, als Petzer dazustehen, wenn sie den Lehrer oder den Chef informieren.» Mobbing sei auch schwer zu eliminieren, weil sich die Mitschüler als Zuschauer zur Verfügung stellten. In der Schule zum Beispiel habe man festgestellt, dass dies bei 85 Prozent der Mitschüler der Fall sei.

Tipps für Opfer

Wichtig sei, den Opfern bewusst zu machen, dass prinzipiell jede Person Opfer von Mobbing werden könne, sagt Bandli. Opfern sollten mit einem Freund, einer Lehrperson oder einer Fachperson über das Problem sprechen.

Die PH Zürich rät Opfern, Folgendes zu unternehmen:

•Sag deutlich, was du willst. Sage klar und deutlich, dass das Gegenüber sein dich verletzendes Verhalten unterlassen soll, dass es dich stört, dass du das nicht willst.

•Denk daran, dass du keine Schuld an der Situation hast.

•Mach Dinge, die dir Spass machen, obwohl dich Mobbing traurig macht.

•Suche Verbündete in deiner Klasse, in der Gruppe oder in anderen Klassen oder Gruppen.

•Suche dir Freunde, pflege deine Freundschaften.

So sollen Schüler vorgehen, wenn sie Mobbing beobachten:

•Schau nicht einfach zu, wenn du merkst, dass jemand gemobbt wird, sondern hilf dem Opfer.

•Sage klar und deutlich, dass die anderen das unerwünschte verletzende Verhalten unterlassen sollen.

•Beobachtungen solltest du unbedingt der Lehrperson erzählen, es zu sagen, ist Zivilcourage und nicht Petzen.

•Sprich auch andere Schüler auf das Problem an.

*Name der Redaktion bekannt

Suizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe

Beratung:

Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch)

Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch)

Kirchen (Seelsorge.net)

Anlaufstellen für Suizid-Betroffene:

Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils (Nebelmeer.net);

Refugium – Geführte Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene nach Suizid (Verein-refugium.ch);

Verein Regenbogen Schweiz (Verein-regenbogen.ch).

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