Wenn zwei sich streiten: Sind die USA reif für eine dritte Kandidatur?
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Wenn zwei sich streitenSind die USA reif für eine dritte Kandidatur?

Barack Obamas Umfragewerte sind im Keller, seine Gegner wenig inspirierend. Ideale Bedingungen für einen unabhängigen Kandidaten, der das Feld gehörig aufmischen könnte.

von
kri
In der Mitte zwischen Demokraten und Republikanern könnte es 2012 ausnahmesweise Platz haben. (Bild: Keystone/AP/20 Minuten Online)

In der Mitte zwischen Demokraten und Republikanern könnte es 2012 ausnahmesweise Platz haben. (Bild: Keystone/AP/20 Minuten Online)

Wie vermutet war das Umfragehoch nach der Tötung von Osama Bin Laden nicht nachhaltig. Derzeit sind gerade noch 39 Prozent der Amerikaner mit der Arbeit ihres Präsidenten zufrieden. Etwas mehr als ein Jahr vor der Wahl sind das besorgniserregende Zahlen für Barack Obama: Ein Amtsinhaber, der mit einer Zustimmung von über 50 Prozent in die Wahlen geht, gewinnt immer. Egal wer gegen ihn antritt. Liegt seine Zustimmung unter 45 Prozent, verliert er immer. Ebenfalls egal, wer gegen ihn antritt. Das zeigt die Erfahrung aus den amerikanischen Präsidentschaftswahlen der vergangenen 60 Jahre.

Trotz dieser günstigen Ausgangslage sind die Aussichten der Republikaner, das Weisse Haus zurück zu erobern, nicht besonders gut. Nominieren sie einen extremen Kandiaten wie den Texaner Rick Perry, könnten sie die Mittewähler verschrecken. Bei einem gemässigten Kandidaten wie Mitt Romney besteht hingegen die Gefahr, dass die konservative Basis am Wahltag zu Hause zu bleibt.

Wenn die US-Wirtschaft weiter schwächelt und Obamas Umfragewerte entsprechend leiden, könnten sich am 6. November 2012 im Extremfall also zwei unwählbare Kandidaten gegenüberstehen. US-Medien haben begonnen, über das Undenkbare zu spekulieren: Ein unabhängiger, parteiloser Kandidat der Mitte, der das traditionelle Zwei-Parteien-System der USA sprengt.

Drei spannende Szenarien

Das US-Magazin «The Atlantic» rechnet vor, dass ein solcher Kandidat zumindest aufgrund der Wahldemografie gute Chancen haben müsste. Die Stammwählerschaft der Republikaner (weniger Staat, tiefe Steuern, sozial-konservativ) macht rund 26 Prozent aller Wähler aus. Die Stammwählerschaft der Demokraten (mehr Staat, höhere Steuern, sozial-progressiv) 23 Prozent. Die verbleibenden 51 Prozent sind ein Mischmasch aus unabhängigen Wählern, die sich keiner der beiden Parteien zugehörig fühlen.

«The Atlantic» sieht vor diesem Hintergrund drei Möglichkeiten für den Herbst 2012. Szenario 1: Der unabhängige Kandidat gewinnt die Präsidentschaftswahl. Aufgrund des speziellen US-Wahlsystems (Wahlmänner, winner takes it all) trotz der besonderen Umstände sehr unwahrscheinlich. Szenario 2: Der unabhängige Kandidat holt genug Stimmen, um zum Spielverderber zu werden – zu Ungunsten der Republikaner. Obama könnte aufgrund seiner Umfragewerte derzeit mit rund 40 Prozent der Stimmen rechnen. Das reicht, wenn sich gegnerische Stimmen auf zwei Kandidaten verteilen. So geschehen mit Ross Perot, der 1992 George Bush Senior die Wiederwahl versaute.

Szenario 3: Der unabhängige Kandidat erhält genug Stimmen, um einige Staaten – und damit Wahlmänner – zu gewinnen. Das könnte dazu führen, dass keiner der drei Kandidaten die nötigen 270 Wahlmänner holt, um Präsident zu werden. In diesem Fall müsste das Repräsentantenhaus den Präsident wählen. Aller Voraussicht nach würde sich der republikanische Kandidat durchsetzen: Jeder Bundesstaat hat in dieser Situation laut Verfassung eine Stimme, unabhängig von seiner Grösse. Wie ein Bundesstaat abstimmt, würden seine Abgeordneten festlegen. Die meisten Bundesstaaten (33 von 50) entsenden derzeit mehr republikanische als demokratische Abgeordnete.

Noch langer Weg bis zur Wahl

Anzeichen, dass diese Gedankenspiel schon bald Realität werdenm, sind vorhanden. Der gemässigte republikanische Kandidat John Huntsman, ehemals US-Botschafter in China, ist in letzter Zeit durch Kritik an seiner eigenen Partei aufgefallen. «The Atlantic» sieht in ihm deshalb einen möglichen Sprengkandidat der Mitte. Bis im November 2012 kann und wird freilich noch viel passieren. Im härstesten Wahlkampfmarathon der Welt werden Stars geboren und begraben.

Dennoch: «Man stelle sich vor, unsere verachtete Legislative würden die Wahl entscheiden», schreibt «The Atlantic». Noch unbeliebter als alle denkbaren Kandidaten ist in den USA das Repräsentantenhaus. Dessen Zustimmung liegt momentan bei 13 Prozent und steigt selten über 30 Prozent.

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