Dogfluencer laufen Influencer den Rang ab
Dogfluencer Tika the Iggy trägt  im Fairmont Le Reine Elizabeth Hotel in Montreal ein massgeschneidertes Designer-Top.

Dogfluencer Tika the Iggy trägt im Fairmont Le Reine Elizabeth Hotel in Montreal ein massgeschneidertes Designer-Top.

Instagram @tikatheiggy
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Knuffig und niedlichSind Dogfluencer die besseren Influencer?

Petfluencer – also Haustiere, die Influencer sind – wurden während der Corona-Pandemie für Lifestyle-Brands, die so gar nichts mit Tierbedarf am Hut haben, plötzlich interessanter als menschliche Influencer.

von
Sonja Siegenthaler

Während Influencer in der Pandemie vor der Herausforderung standen, wie sie ihren Reise-, Beauty-, Food- oder Mode-Content einer Welt anpassen, die sich vor allem in den eigenen vier Wänden abspielte (wer trug da noch angesagte Kleidung, ausgefallene Beauty-Looks oder plante Reisen?), bot die Zeit der Lockdowns den perfekten Nährboden für eine neue Generation von Influencern: Petfluencer, also Haustiere, die in den sozialen Medien wie Instagram oder Tiktok berühmt wurden und für Lifestyle-Brands werben.

Süss waren sie schon immer – heute steckt viel Geld dahinter

Petfluencer an sich sind kein neues Phänomen: Seit fast einem Jahrzehnt sind sie auf den sozialen Medien anzutreffen. Du magst dich bestimmt an die schmollende Katze namens Grumpy Cat erinnern, die ab 2012 auf beinahe jeder Plattform zu sehen war. Oder Tuna, der kleine Hund mit dem Überbiss, dem heute zwei Millionen Menschen auf Instagram folgen. Diese Petfluencer wurden bekannt durch ihr aussergewöhnliches Aussehen, das ihre Besitzerinnen und Besitzer in familiärer Umgebung inszeniert veröffentlichten.

Die Anzahl solcher Accounts und deren Follower wächst rasant, besonders seit Anfang der Pandemie. Denn wenn es jemand auf Instagram, Tiktok oder Facebook schaffen sollte, in schwierigen Zeiten unbeschwerte Freude zu verbreiten, die Leute zum Lachen zu bringen und ihre Laune zu heben, dann sind das wohl die süssen, pelzigen Vierbeiner. Die Sehnsucht vieler nach einem eigenen Haustier und die allgemein erhöhte Nutzung von Social Media während der Lockdowns haben den Rest zum Boom beigetragen.

Doch inzwischen hat sich eine weitere, neue Kategorie von Petfluencern entwickelt – eine, die sehr profitabel und stark am Kommerz orientiert ist und nicht mehr nur Tierliebhaberinnen und -liebhaber ansprechen soll, sondern vor allem eine kauffreudige Masse.

Hinter den Accounts stecken oft Agenturen, welche die Accounts vertreten, ihnen helfen, an Authentizität zu gewinnen, deren Bekanntheitsgrad steigern und sie mit Marken in Verbindung zu bringen. Denn an der wachsenden Popularität der Petfluencer wollen immer mehr Labels teilhabenund zwar nicht mehr nur solche, die Tierbedarf anbieten, sondern auch Lifestyle-Labels, die eigentlich nur Produkte für uns Menschen im Sortiment führen. Beliebt dafür sind vor allem Hund, sogenannte Dogfluencer.

Ein Hund wirbt für Modelabels, Uhren und Starbucks

Wie etwa die quirlige Italian Greyhound Tika the Iggy, die seit ihren Anfangstagen auf Social Media durch The Dog Agency vertreten wird. Im Winter 2020 ging der Account mit dem «Love It, Couldn't Wear It»-Video viral. Darin führt die Hündin eine Reihe von bunten, glamourösen Hundeoutfits vor und beschwert sich im Voice-over, dass sie aufgrund der Pandemie keine ihrer «süssen» Kleider tragen konnte. Unzählige Userinnen und User fühlten sich von Tika verstanden und teilten das Video.

Das generierte nicht nur grosse Aufmerksamkeit auf allen Kanälen, sondern auch bei Lifestyle-Marken, die allmählich erkannten, dass Petfluencer ein guter Kanal zur Vermarktung ihrer Produkte sein können.

Seitdem fertigen Modelabels massgeschneiderte Versionen ihrer für Menschen angedachte Kleidung und Accessoires für Tika an, die sie ihren mittlerweile 1,6 Millionen Followern auf Tiktok und 1,1 Millionen Fans auf Instagram vorführt. Nicht selten trägt die Hündin ein Kleid, bevor es überhaupt für die breite Käuferschaft verfügbar ist. Begehrlichkeiten, die früher durch Influencer geweckt wurden, schüren nun auch die Mode-Hunde.

Die Tiere – oder eher ihre Herrchen und Frauchenwerden aber auch für Kooperationen jenseits der Mode bezahlt: So wirbt Tika ab und zu auch für Hotels, Weingüter, so gar nicht hundegeeignete Getränke von Starbucks oder Uhren der schwedischen Marke Daniel Wellington.

Wieso auch nicht für Wellness-Produkte oder Zahlungsanbieter?

Auch Boobie Billie, ein Mix aus Chihuahua und Italian Greyhound, gehört zu den bekanntesten Mode-Dogfluencern. Ihr Account wurde im Juli 2019 erstellt, der erste Outfit-Post folgte im Winter. Mittlerweile hat die Hündin mit dem goldbraunen Fell und den coolen Looks 280000 Follower auf Instagramund arbeitet zusammen mit gehypten Designerinnen wie Susan Alexandra.

Doch mit ihren süssen Selfcare-Fotos bietet auch Boobie die optimale Fläche für Werbekunden aus dem Wellness- und Beauty-Segment. Dass da Gummibärchen neben der dösenden Hündin liegen, die den Schlaf von Menschen fördern sollen, oder neben der im romantischen Rüschenhemd gekleideten Boobie eine passende Kerze von Boy Smells brennt, fällt bei der einheitlichen Ästhetik des Accounts kaum auf.

Das Konzept des Accounts von Bodhi, dem selbsternannt «best-gekleideter Hund der Welt», wurde auf das Vermarkten von Herren-Kleidung und Accessoires geradezu optimiert: Auf den Posts ist der Oberkörper des Shiba Inus zu sehen, den stylische Kleidungsstücke, Schmuck und nicht selten auch eine Sonnenbrille zieren. Die Bilder sind in den meisten Fällen mit #ad deklariert, es stecken also bezahlte Partnerschaften dahinter.

Der pelzige Social-Media-Star wird vertreten durch die Influencer-Agentur Whalar, die mit Marken wie Gucci, Dior, Mastercard, Netflix oder Spotify zusammenarbeitet. Von dem her erstaunt es nicht, dass Bodhi nebst Modemarken auch mal für den Audio-Streaming-Dienst, den schwedischen Zahlungsanbieter Klarna oder diverse Möbelunternehmen wirbt.

Tiere ziehen immer

Für Marken macht es durchaus Sinn, nicht-tierbezogene Produkte über diese Accounts zu verkaufen: Die Anzahl der Millennials und Gen Zs, die Hunde, Katzen oder andere Haustiere besitzen oder Tier-Content lieben, ist auf Social Media sehr hoch. Und Tiere erzielen schon, seit es Werbung gibt, besonders hohe Aufmerksamkeit und Sympathie bei den Konsumentinnen und Konsumenten.

Ausserdem bieten Petfluencer den Marken die Möglichkeit, nicht nur beispielsweise Mode- oder Beauty-Fans anzusprechen, sondern üben eine Anziehungskraft auf eine viel breitere Masse aus als klassische Influencer; auch auf welche, die sich sonst nicht für Lifestyle-Themen interessieren, sondern einfach Tier-Bildchen mögen. Das verspricht den Marken mehr Engagement, sprich Interaktionen wie Likes oder geteilte Beiträge und damit auch eine extrem hohe Reichweite.

Ob das auch den Tieren gefällt, ist eine andere Frage – unglücklich über die zusätzliche Aufmerksamkeit von Herrchen und Frauchen scheinen sie zumindest nicht zu sein.

Was denkst du darüber, dass nun mit Tieren für Mode-, Beauty und andere Lifestyle-Produkte in den Sozialen Medien geworben wird? Teile deine Meinung in den Kommentaren!

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