Joggen vor der Arbeit: Sind Frühaufsteher wirklich besser im Job?
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Joggen vor der ArbeitSind Frühaufsteher wirklich besser im Job?

Möglichst früh aufstehen und noch vor Arbeitsbeginn joggen oder meditieren: Viele Top-Manager schwören darauf. Doch macht es sie tatsächlich erfolgreicher?

von
vb
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Joggen in den frühen Morgenstunden: Für viele Managerinnen und Manager gehört das zum Morgenritual.

Joggen in den frühen Morgenstunden: Für viele Managerinnen und Manager gehört das zum Morgenritual.

Keystone/Valeriano di Domenico
Twitter-CEO Jack Dorsey steht um 5 Uhr auf, meditiert und macht sein Workout. Er sei glücklich, auf diese Art Zeit für sich selbst zu finden, sagt er.

Twitter-CEO Jack Dorsey steht um 5 Uhr auf, meditiert und macht sein Workout. Er sei glücklich, auf diese Art Zeit für sich selbst zu finden, sagt er.

AP/Jose Luis Magana
Unternehmer Richard Branson beginnt seinen Tag ebenfalls um 5 Uhr, um Sport zu machen und Zeit mit seiner Familie zu verbringen. «Das versetzt mich in eine tolle Verfassung, um die Arbeit anzugehen.»

Unternehmer Richard Branson beginnt seinen Tag ebenfalls um 5 Uhr, um Sport zu machen und Zeit mit seiner Familie zu verbringen. «Das versetzt mich in eine tolle Verfassung, um die Arbeit anzugehen.»

AP/Charles rex Arbogast

Es ist mittlerweile das Idealbild des produktiven Managers: Er steht morgens extrem früh auf, joggt eine Stunde und hat seine Mails schon abgearbeitet, bevor er überhaupt im Büro auftaucht.

Viele internationale Top-Shots schwören auf das frühe Aufstehen – etwa Twitter-CEO Jack Dorsey. Sein Tag beginnt um 5 Uhr. Er meditiert 30 Minuten, absolviert anschliessend drei Runden seines 7-Minuten-Workouts und macht sich dann denn ersten Kaffee. Die acht Kilometer zu seinem Büro läuft er zu Fuss. Er sei glücklich, auf diese Art Zeit für sich selbst zu finden, sagt Dorsey.

«Mein Wecker klingelt um 3.55 Uhr»

Für Langschläfer und Morgenmuffel mag eine solche Morgenroutine nach einem Albtraum klingen. Nicht so für den Schweizer Gian R.* Er hat einen Kaderjob in der Medienbranche – und startet noch früher in den Tag als der Twitter-CEO: «Wenn ich Frühdienst habe, klingelt mein Wecker um 3.55 Uhr.»

Als Erstes checkt R. die Nachrichten, dann gehts unter die Dusche. Während er sich seinen Morgen-Shake macht, liest er seine Mails. Manchmal liegt noch eine kurze Sporteinheit drin, bevor um 5.30 Uhr der Bus Richtung Büro fährt.

Für R. ist es der ideale Weg, um «hinaufzufahren», wie er zu 20 Minuten sagt. Er geniesst die ruhige Zeit in den frühen Stunden des Tages, bevor die Hektik beginnt: «Der Morgen ist wie ein unbeschriebenes Blatt.»

Chefs bevorzugen Frühaufsteher

Morgenmenschen haben tatsächlich Karrierevorteile. Das besagt etwa die Studie des deutschen Biologen Christoph Randler. «Was den beruflichen Erfolg anbelangt, haben Morgenmenschen die besseren Karten», sagte er zur «Harvard Business Review». Frühaufsteher seien proaktiv und hätten tendenziell bessere Schulnoten. Dadurch landeten sie an besseren Unis, was wiederum die Karrierechancen verbessere. «Abendmenschen hingegen passen nicht so gut in die betrieblichen Zeitpläne.»

Schlechte Nachrichten für Langschläfer sind auch die Erkenntnisse des amerikanischen Management-Professors Christopher M. Barnes. Gemäss seiner Untersuchung werden Mitarbeiter, die früh bei der Arbeit erscheinen, von ihren Chefs besser bewertet – auch wenn sie nicht mehr leisten als ihre Kollegen, die abends länger bleiben.

Abendmenschen sind intelligenter

Sollten sich also alle, die im Job etwas erreichen wollen, zum frühen Aufstehen zwingen? Nein, sagt Schlafforscher Christian Cajochen. Gegen seine innere Uhr zu arbeiten, könne sogar schädlich sein (siehe Interview).

Einen Trost für Abendmenschen hat Biologe Randler: «Studien belegen, dass sie intelligenter und kreativer sind als Frühaufsteher, einen besseren Sinn für Humor haben und aufgeschlossener sind.» Auch diese Eigenschaften würden einen grossen Nutzen für Firmen bringen.

*Name der Redaktion bekannt.

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Herr Cajochen*, macht frühes Aufstehen tatsächlich erfolgreicher?

Das kann man nicht so pauschal sagen. Klar ist aber: Die sogenannten Schlafmachos – also diejenigen, die mit wenig Schlaf auskommen – treibt der Erfolg im Job meistens an. Das ergibt dann das Bild des fleissigen, produktiven Mitarbeiters.

Also sollten wir alle um 4.30 Uhr den Wecker stellen, um vor dem Chef gut dazustehen?

Keinesfalls. Eigentlich sollte der Mensch gar keinen Wecker brauchen und dann aufstehen, wann er ausgeschlafen ist. Sich zu frühem Aufstehen zu zwingen kann sogar schädlich sein, weil man dann gewisse Schlafstadien wie zum Beispiel den REM-Schlaf grösstenteils verpasst.

Was sind die Folgen?

Wer gegen die eigene innere Uhr arbeitet, schafft das nur für einen gewissen Zeitraum. Wer sich dazu zwingt, früh aufzustehen, riskiert längerfristiges Unwohlsein, Schlafstörungen oder Burnout.

*Christian Cajochen ist Schlafforscher an den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel

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