Öko-Mobilität: Sind Gasautos wirklich sauberer als Benziner?
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Öko-MobilitätSind Gasautos wirklich sauberer als Benziner?

Getränkehersteller Coca-Cola setzt in der Schweiz ab sofort auf Autos mit Gasbetrieb. Greenpeace hat daran keine Freude.

von
Dominic Benz
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Coca-Cola Schweiz gibt sich grün.

Coca-Cola Schweiz gibt sich grün.

Keystone/Steffen Schmidt
Bis zum November will der Getränkehersteller seinen Mitarbeitern eine Flotte von insgesamt 180 Personenwagen mit Gasmotor zur Verfügung stellen.

Bis zum November will der Getränkehersteller seinen Mitarbeitern eine Flotte von insgesamt 180 Personenwagen mit Gasmotor zur Verfügung stellen.

Alessandro Della Bella
«Wir haben uns bewusst für diesen Umstieg auf Erdgas- und Biogasantrieb entschieden, um unseren CO2-Fussabdruck weiter zu senken», teilt eine Sprecherin 20 Minuten mit.

«Wir haben uns bewusst für diesen Umstieg auf Erdgas- und Biogasantrieb entschieden, um unseren CO2-Fussabdruck weiter zu senken», teilt eine Sprecherin 20 Minuten mit.

Keystone/Martin Ruetschi

Obwohl Elektroautos boomen, setzen einige Schweizer Firmen auf Fahrzeuge mit Erdgas- und Biogasantrieb. So etwa Coca-Cola Schweiz. Bis zum November will der Getränkehersteller seinen Mitarbeitern eine Flotte von insgesamt 180 Personenwagen mit Gasmotor zur Verfügung stellen. Das schreibt der Konzern in einer Mitteilung.

Mit dem Wechsel gibt sich Coca-Cola umweltbewusst. «Wir haben uns bewusst für diesen Umstieg auf Erdgas- und Biogasantrieb entschieden, um unseren CO2-Fussabdruck weiter zu senken», teilt eine Sprecherin 20 Minuten mit. Neben Coca-Cola hat auch Telecomanbieter Salt die Hälfte seiner Dieselfahrzeuge durch Gasautos ersetzt. Entsprechende Autos hat auch die Kantonspolizei Zürich im Einsatz.

Etwa gleich sauber wie ein Elektroauto

Christian Bach begrüsst den Einsatz von Gasautos, die mit CNG (Compressed Natural Gas) getankt werden: «Bereits ein nur mit Erdgas betriebenes Auto ist um rund ein Fünftel sauberer als ein Benzinauto», sagt der Abteilungsleiter Fahrzeugantriebssysteme bei der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) zu 20 Minuten.

Die Ökobilanz verbessert sich, wenn Biogas beigemischt wird. In der Schweiz hat sich die Gasbranche dazu verpflichtet, dass der Gas-Treibstoff an den bisher rund 140 Gastankstellen einen Biogas-Anteil von 10 Prozent haben muss. Tatsächlich ist dieser noch höher und liegt derzeit bei rund einem Fünftel. «Damit hat ein Gasauto im Schnitt etwa die gleiche Ökobilanz wie ein Elektroauto, das mit europäischem Strom betrieben wird», sagt Bach. Er plädiert dafür, dass der Anteil weiter steigt.

Tiefere Kosten

Laut Bach eignen sich Gasautos aus ökologischer Sicht insbesondere für Autobahnfahrten. «Bei grossen Distanzen belastet ein nur mit Biogas betriebenes Auto die Umwelt um bis zur Hälfte weniger als ein Elektroauto mit grossen Batterien, das mit schweizerischem Strom betrieben wird», so der Experte. Bei Kurzstrecken etwa in der Stadt verhalte es sich aber genau umgekehrt. «Für Firmen wie Coca-Cola macht es daher Sinn, weite Distanzen mit Gasautos zu fahren», so Bach.

Letztlich ist ein Gasauto günstiger. Gemäss der Nationalen Koordinationsstelle für die CNG-Mobilität in Bern sind die Treibstoffkosten für ein Gasauto im Schweizer Schnitt rund ein Viertel Prozent tiefer als für ein vergleichbares Benzin- oder Dieselfahrzeug. Je nach Auto lassen sich so auf einer Strecke von 100 Kilometern einige Franken einsparen. Ist Coca-Cola nur wegen der günstigeren Kosten auf Gas umgestiegen? Der Konzern winkt ab. «Die gesamten Betriebskosten der Flotte bleiben in etwa gleich», so die Sprecherin.

Erdgas aus Russland

An einigen Schweizer Tankstellen können die Autos auch mit 100 Prozent Biogas getankt werden. Dann wird es allerdings etwas teurer. «100 Prozent Biogas kostet umgerechnet auf einen Liter Benzin 1.90 bis 2 Franken», sagt Bach. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Benzinpreis in diesem Jahr liegt laut Shell bei rund 1.63 Franken, Diesel kostet im Schnitt 1.77 Franken.

Das Erdgas an Schweizer Zapfsäulen stammt laut Bach vorwiegend aus Russland und Europa. Hingegen wird das Biogas ausschliesslich hierzulande aus Bio-Abfällen und Gülle hergestellt.

Keine Lösung für Greenpeace

Wenig Freude an Gasautos hat Greenpeace. Zwar seien solche Fahrzeuge eine etwas klimafreundlichere Alternative zu Benzin- oder Dieselmotoren. «Um aber unsere Klimakrise abzuwenden, müssen wir vollständig auf fossile Brennstoffe wie etwa Erdgas verzichten», sagt Greenpeace-Sprecherin Yvonne Anliker zu 20 Minuten.

Beim Treibstoff voll auf Biogas zu setzen, sei ebenfalls keine Option. Um den steigenden Bedarf an Biogas zu decken, müssten Energiepflanzen im grossen Stil angebaut werden, so Anliker. «Das wäre kaum mit einer ökologischen Landwirtschaft zu vereinen und würde die Lebensmittelproduktion konkurrenzieren.»

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