Aktualisiert 30.04.2012 08:35

Doktor Sex

«Sind Girls, die Pornos schauen, krank?»

Thea tut etwas, was scheinbar nur Jungs tun: Sie schaut manchmal Pornos und befriedigt sich dabei selbst. Stimmt etwas nicht mit ihr?

von
bwe
Frauen, die Pornos schauen, sind manchen Geschlechtsgenossinnen suspekt. (Symbolbild: Colourbox.com)

Frauen, die Pornos schauen, sind manchen Geschlechtsgenossinnen suspekt. (Symbolbild: Colourbox.com)

Frage von Thea (14) an Doktor Sex: Ich schaue manchmal Pornos und dazu befriedige ich mich selbst. So viel ich weiss, verhalten sich eigentlich nur Jungs so. Machen das andere Mädchen in meinem Alter auch? Oder bin ich krank?

Antwort von Doktor Sex:

Liebe Thea

Mach dir keine Sorgen: Mit dir ist alles in Ordnung! Natürlich kommen auch Mädchen in Kontakt mit Pornografie, manche sogar absichtlich. Und auch wenn sie dies scheinbar weitaus weniger oft gezielt und zudem meist aus anderen Gründen tun als Buben: Es gibt neben dir auch andere Mädchen und Frauen, die Pornos zur Erregung und bei der Selbstbefriedigung verwenden. Jedoch sprechen nur wenige so offen darüber wie du.

In unserer Gesellschaft gilt das ungeschriebene Gesetz, dass eine «richtige» Frau keine Pornos schaut. Aus Solidarität mit den Darstellerinnen, von denen behauptet wird, sie würden ausgebeutet. Und weil Pornos frauenverachtend seien. Kommt eine Frau für sich zu einem anderen Schluss und spricht offen darüber, wird sie komisch angeschaut - weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Eine Umfrage der Uni Fribourg hat ergeben, dass die meisten Jugendlichen Pornografie aus Neugierde schauen. Das Hauptmotiv bei den Buben ist Spass. Mädchen geben als Hauptgrund an, wissen zu wollen, was Pornografie ist. Sie berichten - häufiger als Buben - auch von Verunsicherungen im Zusammenhang mit dem Konsum. Eine per se schädliche Wirkung von legaler Pornografie auf Jugendliche kann aber wissenschaftlich nicht belegt werden, wie eine Studie aus Deutschland zeigt.

Es ist richtig und vernünftig, Jugendliche so gut wie möglich vor dem ungewollten Kontakt mit Pornografie zu schützen. Ausgerottet werden aber kann sie nicht. Umso wichtiger ist es deshalb, dass Buben und Mädchen lernen, kompetent mit gezeigter Sexualität umzugehen und sich Unterstützung zu holen, wenn sie Dinge sehen, die sie nicht einzuordnen vermögen. Das wiederum setzt voraus, dass Lehrpersonen und Eltern aufhören damit, Jugendliche als hilflose Opfer von Pornografie zu sehen und damit beginnen, sich sachlich mit dem Thema auseinanderzusetzen, um so zu echten Gesprächspartnern zu werden.

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