Neue Hinweise: Sind Infizierte symptomfrei ansteckend? Ruf nach Affenpocken-Impfung wird lauter

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Neue HinweiseSind Infizierte symptomfrei ansteckend? Ruf nach Affenpocken-Impfung wird lauter

Zürcher Ärzte finden Hinweise darauf, dass auch Infizierte ohne Symptome ansteckend sind. Deshalb fordern sie, dass die Impfung so bald wie möglich zugelassen und verteilt wird.

von
Samira Kunz
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Mediziner fordern die Zulassung und Verteilung der Impfung gegen Affenpocken, …

Mediziner fordern die Zulassung und Verteilung der Impfung gegen Affenpocken, …

AFP
… nachdem neue Erkenntnisse darauf hinweisen, dass auch Infizierte ohne Symptome ansteckend sind.

… nachdem neue Erkenntnisse darauf hinweisen, dass auch Infizierte ohne Symptome ansteckend sind.

AFP

Darum gehts

  • Es gibt Hinweise darauf, dass Affenpocken auch über Körperflüssigkeiten übertragen werden können.

  • Auch kann es sein, dass Personen vor oder nach den bemerkbaren Symptomen schon ansteckend sind.

  • Mediziner fordern deshalb, dass die Impfung zugelassen und verteilt wird, um die Infektionskette zu stoppen.

Forschende in Zürich haben Hinweise darauf gefunden, dass Affenpocken-Viren auch übertragen werden können, wenn Betroffene keine merkbaren Symptome haben, wie der Mediziner Benjamin Hampel im Gespräch mit der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ)  sagt. Er ist Infektiologe und Co-Leiter des Checkpoints Zürich, einer Praxis für Menschen mit sexuellen Krankheiten sowie LGBTQ+-Menschen. Dort seien bisher 70 Personen mit Affenpocken behandelt worden, also knapp ein Viertel aller Fälle in der Schweiz.

Obwohl Männer informiert und engagiert sind, geht Infektionskette weiter

Fast alle ihre Patienten seien Männer, die Sex mit Männern haben, und «die ganze Bandbreite, vom Sexarbeiter bis hin zum gut verdienenden Manager», abdecken, so Hampel. Auch seien sie informiert und wollen ihre Sexualpartner schützen. Trotzdem gehe die Infektionskette immer weiter, wofür es verschiedene Erklärungen geben könne.

Möglicherweise seien die Betroffenen schon vor oder nach den Symptomen ansteckend, und zwar über Blut- oder Samenflüssigkeit. Darin seien bereits Affenpockenviren festgestellt worden. Ebenfalls möglich sei, dass die Betroffenen nicht merken, dass sie infiziert sind, da die Symptome derart mild verlaufen würden.

Eine Eindämmung könne nur mit der Impfung gelingen, doch der Impfstoff ist in der Schweiz noch nicht zugelassen, so Hampel. Wohlhabende Männer aus der LGBTQ-Community würden laut Hampel zurzeit ins Ausland fahren, um sich dort impfen zu lassen. Denn obwohl viele Fälle mild verlaufen, müssen laut dem Checkpoint fünf Prozent ihrer Patienten hospitalisiert werden. Sie hätten starke Schmerzen und schlimme Narben der abgeheilten Pusteln. 

USA rufen Gesundheitsnotstand aus

Die Vereinigten Staaten haben wegen der Ausbreitung der Affenpocken den Gesundheitsnotstand ausgerufen. Mit dem Schritt vom Donnerstag (Ortszeit) soll es der Regierung in Washington ermöglicht werden, besser auf den Ausbruch zu reagieren. Bisher haben sich mehr als 6600 Amerikaner mit dem Virus infiziert.

Die Ankündigung wird Bundesmittel für die Bekämpfung des Virus freisetzen, das Fieber, Körperschmerzen, Schüttelfrost, Müdigkeit und Beulen auf der Haut verursachen kann. Zuvor war Kritik an der Regierung von Präsident Joe Biden laut geworden, weil der Impfstoff gegen Affenpocken nicht ausreichend zur Verfügung steht. Besonders Kliniken in Grossstädten wie New York und San Francisco meldeten, sie hätten nicht genügend Vakzine erhalten, um alle Impfwilligen zu versorgen.

Das Weisse Haus teilte mit, es habe mehr als 1,1 Millionen Impfdosen zur Verfügung gestellt und geholfen, 80’000 Tests pro Woche zu ermöglichen. Das Affenpockenvirus verbreitet sich durch längeren und engen Hautkontakt sowie durch gemeinsame Nutzung von Bettwäsche, Handtüchern und Kleidung. Erkrankt sind bisher vor allem Männer, die Sex mit Männern haben. Die Gesundheitsbehörden betonten jedoch, dass das Virus jeden infizieren könne. (DPA)

LGBTIQ: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

InterAction, Beratung und Information für intergeschlechtliche Menschen, Tel. 079 104 81 69

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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