BAG nimmt Stellung: Studie aus China bestätigte BAG-Koch
Aktualisiert

BAG nimmt StellungStudie aus China bestätigte BAG-Koch

Deutsche Forscher haben dem BAG widersprochen: Kinder könnten das Virus genauso übertragen wie Erwachsene. Eine Studie aus China bestätigt jedoch die Aussagen von Daniel Koch.

von
Joel Probst
Daniel Koch ist der Corona-Experte beim Bund.

Daniel Koch ist der Corona-Experte beim Bund.

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Darum geht es

  • Welche Virusgefahr geht von Kindern aus? Darüber streiten sich die Experten.
  • Deutsche Forscher widersprachen der Meinung des BAG.
  • Laut BAG können Grosseltern die Kinder gefahrlos umarmen.
  • Eine Studie aus China bestätigt nun die Aussagen des BAG.

«Von Kindern geht keine Gefahr aus» und Grosseltern könnten gefahrlos ihre Enkel umarmen. Es war eine überraschende Kehrtwende, die der BAG-Experte Daniel Koch diese Woche hinlegte. Denn zuvor wies Koch stets dazu an, keinen Kontakt zwischen Grosseltern und Enkeln zuzulassen.

Der Experte begründete die Neubeurteilung damit, dass besonders Kinder unter zehn Jahren praktisch nicht infiziert und das Virus nur selten weiterübertragen würden. «Kleine Kinder sind nicht infektiös, weil sie die Rezeptoren gar nicht haben, um infiziert zu werden», sagte Koch vor den Medien.

Studie: Social Distancing reicht

Eine deutsche Studie drohte dem Plan von Daniel Koch, die Schulen am 11. Mai wieder zu öffnen, eine Strich durch die Rechnung zu machen. Denn die Ergebnisse der Untersuchung des deutschen Virologen Christian Drosten zeigen laut der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» «keinen signifikanten Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen».

Doch nur einen Tag später veröffentlichte Drosten die Ergebnisse einer «hervorragenden» Studie aus China. Darin heisst es: Wir stellen fest, dass Kinder von 0 bis 14 Jahren weniger anfällig für SARS-CoV-2-Infektionen sind als Erwachsene im Alter von 15 bis 64 Jahren.» Weiter kommen die Forscher der Studie zum Schluss, dass Social Distancing ausreiche, um das Coronavirus zu kontrollieren.


Der Mediziner Adriano Aguzzi rät Grosseltern hingegen: «Umarmen Sie Ihre Enkel nicht!» Noch sei völlig unklar, inwiefern Kinder als Vektoren, sprich als Überträger der Krankheit, fungieren.

BAG: Risiko steigt ab 10. Altersjahr

Das BAG hält an seiner Umarm-Erlaubnis fest. Sprecherin Katrin Holenstein sagte am Donnerstag zu 20 Minuten: «Wir haben seitens BAG schon festgehalten, dass ein Kind mit Symptomen auch übertragen kann.» Trotzdem seien Kinder seltener infiziert und hätten wesentlich weniger Symptome (husten, niesen, laufende Nase), «so dass sie auch viel weniger übertragen».

Dabei seien Kinder umso weniger betroffen, je jünger sie seien. «Studien zeigen, dass das Risiko, sich zu infizieren, um das 10. Altersjahr zu steigen beginnt», so die BAG-Sprecherin. Und selbst zwischen 10 und 18 Jahren bewege sich das Infektionsrisiko «auf einem niedrigen Niveau». Das BAG stützt dies auch auf die Erkenntnisse der Schweizer Pädiater.

Das BAG hält dabei an seiner Einschätzung fest. Auch vom Umarmen der Grosseltern wird nicht abgeraten: «Zentral ist, wie bei anderen Krankheiten auch: Kinder, die Symptome zeigen, sollen nicht zur Schule, sondern zuhause bleiben – wie Erwachsene auch. Damit wird das Risiko einer Übertragung reduziert.»

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