Aktualisiert 05.06.2019 07:41

ShoppingSind Läden ohne Personal unsere Zukunft?

Nun tüftelt auch Migros mit Migrolino an Shops ohne Personal. Kaufen wir im Laden bald wie online ein?

von
Isabel Strassheim

Einkaufstest in der Avec Box: Der allererste kassenlose Laden der Schweiz wurde im April am Zürcher Hauptbahnhof vorgestellt.

Die neuen Migrolino-Minishops können Kunden nachts nur per App öffnen. Und auch das Einkaufen funktioniert mit dem Handy: Die Waren werden so am Regal eingescannt. Nach der Avec Box von Valora will nun auch die Migros-Tochter Läden ohne Kasse und Personal testen. Vorbild ist das Konzept von Amazon Go.

Was ist der Vorteil der neuen Läden?

Das Einkaufen wird auf die Nacht ausgedehnt und der Ladenumsatz steigt. «Wenn sie bislang nachts etwas brauchten, hatten sie oft bestenfalls einen Selecta-Automaten», sagt Nordal Cavadini vom Beratungsunternehmen Oliver Wyman zu 20 Minuten. Durch die kassenlosen Läden werden nun längere Öffnungszeiten für die Geschäfte praktikabel, sofern die an besonderen Lagen wie Bahnhöfen erlaubt sind. «Denn einen Laden mit Personal in der Nacht zu führen, lohnt sich wegen der niedrigeren Umsätze und der Nachtzuschläge meistens nicht», so Cavadini.

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Angestellte braucht es nur noch tagsüber: Migrolino plant kassenlose Shops für die Nacht.

Angestellte braucht es nur noch tagsüber: Migrolino plant kassenlose Shops für die Nacht.

Keystone/Christian Beutler
Die Angestellten an der Kasse werden dann gespart. Die Läden können so günstig auch länger offen halten.

Die Angestellten an der Kasse werden dann gespart. Die Läden können so günstig auch länger offen halten.

Keystone/Christian Beutler
Das kassenlose Konzept soll in Städten und in Migrolino-Shops an Shell-Tankstellen eingeführt werden.

Das kassenlose Konzept soll in Städten und in Migrolino-Shops an Shell-Tankstellen eingeführt werden.

Keystone/Christian Beutler

Wie wichtig ist der 24-Stunden-Betrieb?

«Convenience-Shops leben vom bequemen Einkauf», betont Detailhandelsexperte Cavadini. Die Läden sollen nicht nur am Weg liegen, sondern auch so lange wie möglich offen haben. Deshalb bieten sich die Shops an, um mit ihnen das Konzept der kassenlosen Läden zu testen.

Wie lange hat die Avec Box von Valora geöffnet?

Von Montag bis Donnerstag ist sie 20 Stunden lang offen: von 4.30 Uhr bis 00.30 Uhr. Übers Wochenende ist sie dann nonstop geöffnet: Ab Freitag 4.30 Uhr kann dort durchgehend bis Montag 00.30 Uhr eingekauft werden.

Planen auch andere Läden umzurüsten?

In der Schweiz sind die Läden ohne Personal noch brandneu, Valora und Migrolino sind bislang die ersten, die sie testen wollen. In den USA ist Amazon mit Amazon Go schon 2016 gestartet und ist damit offenbar so erfolgreich, dass sie das Konzept nun ausweiten wollen. «Der Handel wird immer mehr in diese Richtung gehen», sagt Mirjam Hauser, Konsumforscherin bei GIM Suisse. Auch grosse Supermärkte und andere Geschäfte im Non-Foodbereich dürften folgen. Der Self-Checkout könnte durch Apps ersetzt werden.

Welche Risiken bergen die neuen Läden ohne Personal?

Alle Daten zum persönlichen Einkauf werden aufgezeichnet. «Die Daten werden zwar gesammelt, vielleicht ist das im Convenience-Bereich aber weniger schlimm, als wenn sämtliche Einkäufe überwacht werden», so Hauser von der GIM Suisse.

Wie geht es im Detailhandel weiter?

Die Angebote werden sich weiter ausdehnen – nicht nur durch längere Öffnungszeiten und mehr Technologie. Sondern auch durch neue Angebote. Elektronikgeschäfte und Baumärkte könnten zum Beispiel Mietmodelle für die Nutzung von teuren Geräten bieten, heisst es in der neu erschienen Studie «Zukunft von Retail» des Unternehmensberaters Oliver Wyman. Oder Kosmetikgeschäfte könnten durch Haut- oder Haaranalysen individuell gemischte Pflegeprodukte anbieten.

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