Bussen aus Italien: Sind Maut-Rechnungen gefälscht?
Aktualisiert

Bussen aus ItalienSind Maut-Rechnungen gefälscht?

Drei Jahre nach einem Italien-Aufenthalt bekommt Raphael Nadler eine Autobahnmaut-Nachforderung. Doch einige Angaben auf der Rechnung stimmen nicht. Sind da Betrüger am Werk?

von
Tanja Bircher
Eine solche Maut-Rechnungen aus Italien haben bereits viele Leser-Reporter bekommen. Einige bezweifeln ihre Echtheit und vermuten Betrüger am Werk.

Eine solche Maut-Rechnungen aus Italien haben bereits viele Leser-Reporter bekommen. Einige bezweifeln ihre Echtheit und vermuten Betrüger am Werk.

Leser-Reporter Claudio R.* bekam vier Jahre nach seinen Italien-Ferien eine angeblich unbezahlte Maut-Rechnung in der Höhe von 1.80 Euro. Obwohl er sicher war, dass er nie eine Autobahn-Station ohne zu bezahlen passiert hatte und sich über den lächerlichen Betrag inklusive Zinsen von 6.30 Euro aufregte, überwies er das Geld. «Es war mir ein Rätsel, ich habe alle Streckengebühren in Italien bezahlt, ansonsten kann man ja gar nicht weiterfahren», sagte er am Donnerstag zu 20 Minuten.

Raphael Nadler aus Zofingen AG ist etwas Ähnliches passiert: Er war vor drei Jahren mit dem Auto eines Freundes in Italien. Ende letzten Jahres bekam er eine Rechnung für eine unbezahlte Maut. «Es waren ungefähr sechs Euro – lächerlich.» Was Nadler aber am meisten irritierte: Autonummer und Datum stimmten nicht. «Auf der Rechnung stand mein Name, meine Adresse und meine Autonummer, ich bin aber gar nicht mit diesem Auto in Italien gewesen.» Zudem sei er am angegebenen Tag an einem anderen Ort unterwegs gewesen. «Da dachte ich erstmals an Fälschung.»

«Betrüger fordern bewusst kleine Beträge»

Nadler ignorierte die Rechnung, vier Monate später folgte die erste Mahnung ohne Gebühr, letzen Juni kam dann die zweite mit Zuschlag. «Ich habe bis heute nicht bezahlt und auch nichts mehr gehört.» Gedanken zum Vorfall hat er sich allerdings viele gemacht und eine Theorie entwickelt: «Ich kann mich erinnern, dass ich mindestens einen Streckenabschnitt mit der Kreditkarte bezahlt habe.» Er glaubt nun, dass eventuell Betrüger an diese Daten und dadurch an seine Adresse gelangt sind.

«Sie schicken Rechnungen an Leute, von denen sie wissen, dass sie schon mal eine Maut-Station in Italien passiert haben, der Betrag ist so klein, dass er nicht weh tut.» Die Empfänger denken dann vielleicht, sie haben wirklich etwas vergessen zu bezahlen, schauen nicht genau auf das Datum und überweisen den Betrag, so Nadler.

Leser-Reporterin Maria, die dasselbe erlebt hat, warnt: «Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass Rechnungen mit Maut-Bussen eine Fälschung sein könnten. Ich habe eine erhalten und nach einem Telefonat nichts mehr von diesem Büro gehört.»

«Das ist eine Unverschämtheit»

Auch Claudio R. erinnert sich an eine Ungereimtheit: «Als ich das Geld überweisen wollte, entdeckte ich auf dem Schreiben einen Link.» Wenn man diesen abrufe, sei man bereits auf einer Seite eingeloggt – Passwort und Benutzername registriert – und man müsse nur noch die Kreditkartennummer angeben. «Das hat mich stutzig gemacht, ich traute dem Ganzen nicht und bezahlte schliesslich via E-Banking.»

Die Rechnungen und Schreiben werden von der Firma Nivi Credit mit Sitz in Florenz verschickt. Der Grund für die oft mehrere Jahre alten Zahlungsforderungen liegt laut einer Mitarbeiterin an der erst kürzlich erteilten Erlaubnis. «Wir haben von der Autobahngesellschaft erst letztes Jahr die Sondervollmacht bekommen, die nicht bezahlten Mauten zwischen 2009 und 2012 zu bearbeiten.» Da jedoch viele Besitzer nicht mehr ihre damalige Autonummer haben, könne es hin und wieder vorkommen, dass eine Rechnung bei der falschen Person lande.

«Aufbewahrte Belege zuschicken»

Auf dem beigelegten Formular könne man aber alle möglichen Angaben machen. Wer den Beleg der bezahlten Gebühren noch habe, könne diesen zurückschicken und die Sache sei damit erledigt. «Oder man kann uns einfach ein paar Zeilen per Mail schreiben und wir überprüfen dann sofort, was schief gelaufen ist.» Fragt sich nur, wer all seine Belege der Autobahnstationen in Italien nach vier Jahren noch in seinem Portemonnaie hat.

*Name der Redaktion bekannt

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