Hauttalg-Analyse: Sind PCR-Tests bald passé?
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Hauttalg-AnalyseSind PCR-Tests bald passé?

Schnell, sicher, unkompliziert: Das, so die Hoffnung, sollen in Zukunft alle Corona-Tests sein. Der Ansatz britischer Forscher soll sie bald schon erfüllen.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Der PCR-Test ist der klassischste – und bislang sicherste – Coronatest. 

Der PCR-Test ist der klassischste – und bislang sicherste – Coronatest.

Getty Images/iStockphoto
Doch er hat Konkurrenz bekommen. In Österreich und Deutschland etwa kommen mittlerweile auch Gurgeltests zum Einsatz. Des weiteren gibt es Anal- und Spucktests. 

Doch er hat Konkurrenz bekommen. In Österreich und Deutschland etwa kommen mittlerweile auch Gurgeltests zum Einsatz. Des weiteren gibt es Anal- und Spucktests.

Matthias Balk/dpa
Noch eine weitere Methode haben Forschende um Melanie Bailey (Bild) von der University of Surrey nun vorgestellt. 

Noch eine weitere Methode haben Forschende um Melanie Bailey (Bild) von der University of Surrey nun vorgestellt.

University of Surrey

Darum gehts

  • Corona-positiv Getestete weisen mit blossem Auge nicht erkennbare Hautveränderungen auf.

  • Konkret ist der Lipidspiegel bei ihnen ein anderer, wie britische Forschende herausgefunden haben.

  • Diese neue Erkenntnis, so die Hoffnung der Beteiligten, könnte helfen, ein neues Testverfahren zu entwickeln.

Mund auf, gurgeln, spucken, Popo raus – auf diese Arten lässt sich das Coronavirus derzeit nachweisen. An einer künstlichen Intelligenz, die am Husten erkennen kann, ob eine Person mit Sars-CoV-2 infiziert ist, wird ebenfalls gearbeitet.

Nun gerät eine noch praktischere Methode in Sicht. Laut Forschenden der britischen University of Surrey könnte bald ein einfacher Hautabstrich ausreichen.

Mehr als einen Tupfer braucht es nicht

Für ihre im Fachjournal «Lancet E Clinical Medicine» publizierte Studie nahm das Team um Melanie Bailey zunächst Proben von 67 Spitalpatienten, von denen zuvor 30 positiv und 37 negativ auf Covid-19 getestet worden waren. Dafür führten sie den Tupfer über die Haut an eine Stelle, an der besonders viel Talg produziert wird, wie im Gesicht, dem Rücken oder am Hals.

Anschliessend analysierten sie die Proben mithilfe der sogenannten Flüssigchromatografie und der Massenspektroskopie, zwei sehr präzisen Instrumenten. Weiter unterzogen sie die Ergebnisse einer Diskriminanzanalyse. Dabei handelt es sich um eine statistische Methode, mit der sich zwischen Infizierten und Nicht-Infizierten unterscheiden lässt.

Hoffen auf nicht-invasives Testverfahren

Das Team aus Surrey fand dann heraus, dass Infizierte niedrigere Lipidspiegel hatten als die gesunden Probanden. Die Genauigkeit der Ergebnisse liesse sich noch verbessern, wenn weitere Daten in die Auswertung einfliessen würden, zur Medikamenteneinnahme und zum allgemeinen Gesundheitszustand, teilt die Hochschule mit.

«Unsere Studie legt nahe, dass wir in Zukunft möglicherweise nicht-invasive Mittel verwenden können, um auf Krankheiten wie Covid-19 zu testen – eine Entwicklung, die alle begrüssen werden, da bin ich mir sicher», fasst Bailey die neuen Erkenntnisse zusammen. Gleichzeitig habe man zeigen können, dass auch die Haut bei Covid-19 betroffen ist, so Co-Autor Matt Spick.

Der ebenfalls an der Untersuchung beteiligte George Evett ergänzt die Vorteile, die eine Hauttalg-Analyse mit sich bringt: Es ist «eine einfache, nicht-invasive Methode, die sowohl für die Diagnostik als auch für die Überwachung der Krankheit vielversprechend ist, sowohl im medizinischen als auch im nichtmedizinischen Bereich.» Somit könne sie die gängigen PCR-Tests in Zukunft bestenfalls ersetzen, aber zumindest ergänzen.

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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