Aktualisiert 09.12.2019 11:51

WeihnachtstageSind Plastiktannen die besseren Christbäume?

Wer ökologisch feiern will, steht vor einem Dilemma: Ist ein echter Baum noch vertretbar?

von
jk
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Der Weihnachtsbaum gerät zunehmend in Kritik.

Der Weihnachtsbaum gerät zunehmend in Kritik.

Friso Gentsch
Rund 1,2 Millionen Weihnachtsbäume stehen jedes Jahr in Schweizer Stuben oder werden anderswo aufgestellt. Doch wie ökologisch sind sie eigentlich?

Rund 1,2 Millionen Weihnachtsbäume stehen jedes Jahr in Schweizer Stuben oder werden anderswo aufgestellt. Doch wie ökologisch sind sie eigentlich?

Keystone/Gaetan Bally
Auf Twitter diskutieren viele User darüber, ob sie – anstelle eines echten Weihnachtsbaumes – auf ein Modell aus Plastik zurückgreifen sollen.

Auf Twitter diskutieren viele User darüber, ob sie – anstelle eines echten Weihnachtsbaumes – auf ein Modell aus Plastik zurückgreifen sollen.

Keystone/Peter Klaunzer

Er gehört zu Weihnachten wie der Bart zum Samichlaus: der Weihnachtsbaum. Rund 1,2 Millionen Bäume stehen jedes Jahr pünktlich zum Weihnachtsfest geschmückt in Schweizer Haushalten. Nach den Festtagen werden sie entsorgt und entweder als Bioabfall verwertet oder landen auf der Kehrichtverbrennungsanlage. Doch nun ist der herkömmliche Weihnachtsbaum zunehmend in Kritik geraten. Auch auf Twitter wird darüber diskutiert, auf welche Art von Baum am besten gesetzt werden sollte:

Anders als dieser User, sprechen sich auffallend viele für Plastikbäume aus:

Alleine bei Hornbach kann man mittlerweile zwischen 36 verschiedenen künstlichen Weihnachtsbäumen auswählen. Laut der «SonntagsZeitung» ist ein Plastikbaum dann umweltfreundlicher als ein echter, wenn er – abhängig von dessen Produktionsweise – zwischen 5 bis 16 Jahre in der Folge gebraucht wird. Weitere Argumente, die für einen Plastikbaum aufgeführt werden, sind die Zeit und Kosten, die man sich sparen kann. Aber auch, dass alljährlich Transport und Entsorgung wegfallen, wird erwähnt.

Stefan Oberholzer, Präsident der IG Suisse Christbaum, hält jedoch nichts von Plastikbäumen: «Ich glaube nicht, dass sie 15 Jahre lang aufbewahrt werden können. Zudem sollte man sich der bedenklichen Inhaltsstoffe wie etwa Weichmacher bewusst sein, die sich in den Plastikmodellen befinden.» Echte Weihnachtsbäume seien vollständig verwertbar, ein Kreislauf, der sich schliesse und Co2-neutral sei. Bei Kunststoff sei dies hingegen nicht der Fall und bei der Verbrennung würden erst noch schädliche Stoffe freigesetzt.

«In der Schweiz werden Weihnachtsbäume kaum gespritzt»

Oberholzer: «Zudem bezweifle ich stark, dass die ganze Plastikherstellung, die unter anderem auch Erdöl benötigt, für die Umwelt gesünder sein kann als die Verwendung von natürlichen Weihnachtsbäumen.» Er sagt, der Nutzen von hiesigen Christbaumkulturen werde unterschätzt. Die Mischkulturen stellten für diverse Vogelarten und Kleinlebewesen eine wichtige Lebensgrundlage dar: «Dort, wo Bäume gefällt wurden, wächst Unkraut nach. Dies zieht Käfer und Insekten an, welche wiederum eine Nahrungsquelle für die Vögel sind.» Zudem binden Christbäume laut Oberholzer sehr viel Co2 und produzieren auch viel Sauerstoff.

Und wie sieht es mit Pestiziden aus, die die Umwelt belasten? In der Schweiz werde kaum Spritzmittel eingesetzt, sagt Oberholzer. Wenn ein Schädling Überhand nehme, müsse man eingreifen. «Bei einer guten Pflege der Kultur ist das nicht einmal nötig. Zudem gibt es sehr gute, biologische Mittel. Bei den Christbäumen reden wir von höchstens einer Behandlung pro Jahr.»

Spinnen in den Bäumen seien zwar lästig, so Oberholzer. Sie zeigten aber auch, dass der Baum frei von Schadstoffen sei. Sehr intensiv gepflegt würden die grossen Monokulturen etwa in Deutschland oder Dänemark. Diese seien deutlich anfälliger für Krankheiten und müssten deshalb häufiger gespritzt werden. «Billig geht immer zu Lasten der Natur». Oberholzer fügt an: «Es reden ja alle davon, man solle Bäume pflanzen, um das Klima zu schützen und zu regulieren. Das machen wir doch!»

Weihnachtsbäume im Topf

Auch Dominik Waser, Klimaaktivist und Initiant des Vereins Grassrooted, der sich gegen Foodwaste einsetzt, kritisiert die ausländischen Monokulturen. Problematisch sei, dass sie in der Regel billiger seien als die wesentlich ökologischeren Bäume aus Schweizer Mischkulturen: «Wenn jemand unbedingt einen Weihnachtsbaum möchte, dann würde ich empfehlen, auf eine sinnvolle Variante zu setzen. Hier stellt sich dieselbe Frage wie so oft: Wie viel ist einem der Umweltschutz wert? Welchen Preis ist man dafür zu zahlen bereit?»

Waser sagt, generell erachte er es als schwachsinnig, einen Baum zu fällen, nur damit dieser dann während vier Wochen in einer Stube stehen könne. Er anerkenne aber die Tradition sowie den Wunsch nach einem Weihnachtsbaum, den offensichtlich zahlreiche Menschen hegen würden. Plastikbäume sind für ihn jedoch keine Alternative: «Wenn ein Plastikbaum über viele Jahre hinweg verwendet wird, wäre es das eine. Jedoch kaufen sich die meisten wohl schnell einen neuen Baum. Zudem werden die meisten Plastikmodelle wohl in China produziert – unter schlechten Arbeitsbedingungen.»

Waser begrüsst, dass man seit einiger Zeit Weihnachtsbäume im Topf erwerben könne. «So muss niemand auf den Weihnachtsbaum verzichten, es müssen aber auch keine Bäume gefällt werden.» In der Stadt Zürich etwa gebe es die Möglichkeit, eingetopfte Bäume aus dem Bündnerland für die Festtage zu mieten.

Weihnachtsbäume in der Schweiz

Laut Zahlen der IG Suisse Christbaum aus dem Jahr 2015 werden in der Schweiz pro Jahr rund 1,2 Millionen echte Bäume verkauft. Davon würden zwischen 400'00 bis 500'00 aus Schweizer Produktion stammen, wiederum ein zwei Drittel davon würden in der Landwirtschaft hergestellt, der Rest im Wald. Wie ein Blick in die Aussenhandelsstatistik der Eidgenössischen Zollverwaltung zeigt, werden ausländische Christbäume immer unbeliebter. So

wurden im letzten Jahr gut 5500 Tonnen Weihnachtsbäume aus dem Ausland importiert, 2012 waren es noch knapp 6000 Tonnen gewesen.

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