28.08.2015 18:06

Gruss an Heidenau«Sind sie zu bunt, bist du zu braun»

In Heidenau demonstrieren sie wieder für und gegen Flüchtlinge. Der Gruss eines bekannten Pastillenherstellers an die Kleinstadt bleibt wohl ungehört.

von
gux
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«Sind sie zu bunt, bis du zu braun». Explizite Grüsse nach Heidenau & Co. des britischen Halspastillenherstellers.

«Sind sie zu bunt, bis du zu braun». Explizite Grüsse nach Heidenau & Co. des britischen Halspastillenherstellers.

Angela Merkel besuchte die Kleinstadt, nachdem dort am vergangenen Wochenende, 22. August 2015,  Krawalle ausgebrochen waren. Dort wurde die Kanzlerin ...

Angela Merkel besuchte die Kleinstadt, nachdem dort am vergangenen Wochenende, 22. August 2015, Krawalle ausgebrochen waren. Dort wurde die Kanzlerin ...

AP/Jens Meyer
... nicht besonders herzlich empfangen.

... nicht besonders herzlich empfangen.

/Sean Gallup

Demonstrationen für und gegen Flüchtlinge: Derzeit treffen Aktivisten aus Dresden und anderswo in der ostdeutschen Kleinstadt Heidenau ein, um ein Willkommensfest für Flüchtlinge zu feiern. Gleichzeitig wollen Rechte gegen die Flüchtlingsunterkunft in Heidenau protestieren. Es bleibt abzuwarten, ob es in Heidenau bis heute Nacht friedlich bleibt. Vergangenes Wochenende hatte es Ausschreitungen von Rechtsradikalen gegeben, die die dortige Unterbringung von Flüchtlingen verhindern wollen. 30 Polizisten waren verletzt worden.

Mit einem Demonstrationsverbot wollte das Landratsamt eine Wiederholung der Krawalle verhindern.Man habe nicht ausreichend Polizeikräfte zur Verfügung, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, hiess es. Die entsprechende Allgemeinverfügung sei «offensichtlich rechtswidrig», hiess es dann aber in einer am Freitag veröffentlichten Eilentscheidung des Verwaltungsgerichts Dresden. Der polizeiliche Notstand sei nicht hinreichend vorgetragen und belegt worden. Das Gericht gab mit seiner Entscheidung dem Eilantrag eines Bürgers statt, der an einer von dem Bündnis «Dresden Nazifrei» angemeldeten Kundgebung teilnehmen wollte. Gegen die Entscheidung kann jetzt Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht des Bundeslandes Sachsen erhoben werden.

Expliziter Gruss nach Heidenau

Heidenau und der Widerstand gegen Flüchtlinge bewegt die Deutschen. Viele setzen mit Hilfsaktionen ein Zeichen gegen den Fremdenhass. Auch Fisherman's Friend. Der Hersteller der scharfen Pastillen postete auf Twitter und Facebook einen Aufruf für mehr Toleranz – mit verändertem Slogan: «Sind sie zu bunt, bist du zu braun.» Dazu schreiben die Freunde des Fischers: «Hey, Heidenau, exklusiv für euch: unsere neuste Sorte. Solltet ihr auch mal probieren! #mundaufmachen»

«Wir lancierten diesen Slogan vorgestern auf unserer Facebook- und Twitter-Seite», bestätigte Michael Geiseler, Markenverantwortlicher bei Fisherman's Friend für die Schweiz, Österreich und Deutschland, gegenüber 20 Minuten. «Die Packungen in den vielen Farben sollen unsere Botschaft für mehr Toleranz transportieren, für das Bunte auf der ganzen Welt. Um politische Statements geht es uns dabei weniger. Aber es ist uns ein Anliegen, gegen Vorkommnisse, wie sie in Heideau passierten, Stellung zu beziehen.»

«Sind sie zu pride, bist du zu prüde»

Nach den bisherigen Reaktionen auf die Aktion gefragt, sagt Geiseler: «In den letzten zwei Tagen haben wir zu 99,99 Prozent positive Reaktionen erhalten. Die wenigen weniger erfreulichen

Reaktionen gingen mit ziemlich dämlichen, rassistischen Sprüchen einher – was uns bestätigte, dass wir den Nerv der Zeit getroffen haben.»

Man habe bereits am Christopher Street Day mit dem Slogan ‹Sind sie zu pride, bist du zu prüde› gezeigt, dass Fisherman's Friend als Marke für Einzigartigkeit und Authentizität steht, «für etwas, was sich nicht verbiegen muss.» Nicht nur für den Christopher Street Day, auch für die Fussball-WM liess sich der Pastillen-Hersteller etwas einfallen: Als der Uruguayer Luis Suárez an der Fussball-WM 2014 einen Gegenspieler in die Schulter biss, postete Fisherman's Friend auf Facebook und Twitter den Slogan «Lutschen, nicht beissen». Geiseler: «Die sozialen Medien geben uns diese Möglichkeit und wir nutzen dies gerne für Botschaften, die zu unserer Marke passen.»

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