Privilegien für Geimpfte: Sind Strandferien nur noch mit Corona-Impfung möglich?
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Privilegien für GeimpfteSind Strandferien nur noch mit Corona-Impfung möglich?

Der deutsche Reiseanbieter Alltours will ab November in seinen Hotels nur noch Gäste mit Impfung zulassen. 20 Minuten hat nachgefragt, ob auch Schweizer Reiseanbieter diese Regel planen und ob dies rechtlich überhaupt möglich ist.

von
Janine Gloor
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Ab November 2021 will der deutsche Reiseveranstalter Alltours in den eigenen Hotels nur noch Gäste aufnehmen, die geimpft sind.

Ab November 2021 will der deutsche Reiseveranstalter Alltours in den eigenen Hotels nur noch Gäste aufnehmen, die geimpft sind.

Urs Jaudas
Alltours führt unter dem Namen Allsun 35 Hotels auf Mallorca, den Kanaren und in Griechenland.

Alltours führt unter dem Namen Allsun 35 Hotels auf Mallorca, den Kanaren und in Griechenland.

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Könnten auch Schweizer Reiseanbieter mit einer Impf-Pflicht den Sonnenhungrigen die Ferien verderben?

Könnten auch Schweizer Reiseanbieter mit einer Impf-Pflicht den Sonnenhungrigen die Ferien verderben?

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Darum gehts

  • Ab November dürfen nur noch Geimpfte in den Hotels vom deutschen Anbieter Alltours Ferien machen.

  • Das Internet reagiert mit einem Shitstorm.

  • Unter gewissen Bedingungen können sich auch Schweizer Anbieter Privilegien für Geimpfte vorstellen.

  • Impfungen werden eine Schlüsselrolle spielen, sagt der Experte.

Diese Meldung des deutschen Reiseveranstalters Alltours hat für grosse Entrüstung gesorgt. Ab November 2021 will Alltours in den eigenen Hotels nur noch Gäste aufnehmen, die gegen Corona geimpft sind. Alltours führt unter dem Namen Allsun 35 Hotels auf Mallorca, den Kanaren und in Griechenland.

Auf Twitter erntet Alltours einen Shitstorm, die User äussern ihren Frust über die neue Regel mit dem Hashtag #boykottalltours. «Die sehen keinen Cent von mir», schreibt einer. «Das ist obszön und diskriminierend», wettert ein anderer.

Nach einem Jahr, in dem viele auf Ferien im Ausland verzichten mussten, ist die Hoffnung auf den Strandurlaub 2021 wieder gestiegen. Könnte eine Impfpflicht auch Schweizer Reisenden die Hoffnung auf Ferien verderben?

Impfungen werden in Zukunft besonders bei grenzüberschreitenden Reisen eine Schlüsselrolle spielen, glaubt Jürg Stettler, Leiter des Instituts für Tourismus und Mobilität an der Hochschule Luzern. «Doch in welcher Form und mit welcher Verbindlichkeit, ist noch unklar.»

Zu viele Fragen seien derzeit noch offen. «Es überrascht mich, dass Alltours bereits jetzt eine Ansage für den November 2021 macht», sagt Stettler. Doch es könne gut sein, dass Airlines auch eine Impf-Regel einführen werden.

Ein weiterer Faktor sei die Verfügbarkeit des Impfstoffes. «Im Moment geht man in der Branche davon aus, dass Erleichterungen mit einem Impfnachweis erst dann überhaupt eine Option sind, wenn alle, die sich impfen wollen, das auch tun können.» Gemäss dem BAG soll dies im Sommer der Fall sein.

Selektive Öffnung für Geimpfte möglich

Bei Ferien im Ausland gelten neben den Bestimmungen des Ziellands und der Anbieter. Hotelplan beispielsweise hat keine eigenen Hotels oder Flugzeuge. «Wir vertreiben Produkte von diversen Leistungsträgern wie zum Beispiel Airlines und Hotels und müssen uns an deren Regeln halten», sagt eine Sprecherin von Hotelplan zu 20 Minuten.

Zur Zeit wisse sie von keinem weiteren Anbieter, der eine Impf-Regel eingeführt hat oder plant. «Aus unserer Sicht macht ein internationaler Impfpass erst Sinn, wenn genügend Impfstoff vorhanden ist, dass sich alle impfen können, die das wollen.»

Der Branchenverband der Hotels in der Schweiz sieht ebenfalls keine Impfpflicht vor, könnte sich aber Erleichterungen für Personen mit Impfung vorstellen: «Einer selektiven Öffnung von Angeboten für Personen mit Negativtests oder geimpfte Personen stehen wir offen gegenüber, wenn alle Impfwilligen die Möglichkeit zur Impfung erhalten und der Bund kostenlose Schnelltests für alle zugänglich macht», sagt ein Sprecher von Hotelleriesuisse.

Kreuzfahrten finden ohne zusätzliche Impfpflicht statt

Auch Kuoni und Tui Schweiz verhängen über ihre Kundinnen und Kunden keine zusätzliche Impfpflicht und geben auf Anfrage von 20 Minuten an, sich an die Einreisebestimmungen der Destinationen zu halten. Das gelte auch für Kreuzfahrten mit Landgängen, die zurzeit durchgeführt werden, sagt eine Tui-Sprecherin.

Zypern will nicht auf EU-Impfpass warten

Die Sommersaison beginnt in wenigen Monaten, und der zyprische Hotelverband hat keine Geduld, um auf den offiziellen Impfpass der EU zu warten. Er fordert Staaten dazu auf, die Gültigkeit von Corona-Impfpässen bilateral abzumachen und nicht auf die EU zu warten. Zwischen Israel und Zypern besteht bereits ein Abkommen, geimpfte Personen aus Israel sollen ab dem 1. April ohne Einschränkungen nach Zypern reisen können. Das Gleiche soll auch für Reisende aus Zypern nach Israel gelten. Ähnliche Abkommen mit Grossbritannien und Russland sollen folgen. (AFP)

Private Anbieter dürfen Impfnachweis fordern

Rechtlich gesehen könnten die Reiseanbietern von ihren Kundinnen und Kunden einen Impfnachweis verlangen. «Reiseanbieter sind private Akteure», sagt Lorenz Langer, Assistenzprofessor für öffentliches Recht an der Uni Zürich. «Es wäre für sie grundsätzlich möglich, nicht geimpfte Personen von ihren Angeboten auszuschliessen.»

Für die Covid-Impfung gibt es momentan in der Schweiz keine Gesetzesbestimmung, die eine Diskriminierung verhindern würde. Anders bei der Covid-App des BAG: «Gemäss dem Epidemiegesetz ist es Privaten, zum Beispiel Wirten, untersagt, Gäste anders zu behandeln, wenn sie die App nicht installiert haben», sagt Langer.

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