Grosse Trockenheit: Sind unsere dürren Rasen jetzt tot?
Aktualisiert

Grosse TrockenheitSind unsere dürren Rasen jetzt tot?

Wegen des fehlenden Niederschlags sind viele Rasen in der Schweiz gelb statt grün. Fachpersonen erklären, was aus der Misere im Garten wird.

von
bz/pam
1 / 34
Bilder von staubtrockenen Rasen erreichten die Redaktion von 20 Minuten im Minutentakt.

Bilder von staubtrockenen Rasen erreichten die Redaktion von 20 Minuten im Minutentakt.

Leser-Reporter
Der fehlende Regen hat auf den Wiesen Spuren hinterlassen (Triengen LU).

Der fehlende Regen hat auf den Wiesen Spuren hinterlassen (Triengen LU).

Leser-Reporter
«Wird ein Rasen lange nicht bewässert, sterben gewisse Gräser ab», sagt Anton Sonderegger, Präsident der Regionalsektion Solothurn von Jardin Suisse (Garten in Fischbach-Göslikon AG).

«Wird ein Rasen lange nicht bewässert, sterben gewisse Gräser ab», sagt Anton Sonderegger, Präsident der Regionalsektion Solothurn von Jardin Suisse (Garten in Fischbach-Göslikon AG).

Leser-Reporter

Die Hitzewelle setzt der Natur arg zu. Viele einst saftig grüne Rasen haben sich in gelbbräunliche Dürrefelder verwandelt. Bauern bringen den Ernst der Lage auf den Punkt. Andreas Aebi, Landwirt und SVP-Nationalrat, spricht im Tages-Anzeiger von einem schlimmen Sommer für die Bauern. «Ich musste mein ganzes Leben noch nie Gras bewässern, jetzt muss ich es», klagt er.

Auch ausserhalb von Bauernhöfen hat der fehlende Regen auf den Wiesen Spuren hinterlassen. Bilder von staubtrockenen Rasen erreichten die Redaktion von 20 Minuten im Minutentakt (siehe Bildstrecke).

«Gewisse Gräser sterben ab»

Laut Anton Sonderegger, Präsident der Regionalsektion Solothurn von Jardin Suisse, besteht ein Rasen aus einer Mischung von verschiedenen Gräsern. «Wird ein Rasen lange nicht bewässert, sterben gewisse Gräser ab.» Wässere man einen ausgetrockneten Rasen, erhole sich dieser teilweise, sagt Sonderegger. «Wenn man einen schönen Rasen will, kommt man aber um eine Teil- oder Totalsanierung nicht herum.» Besonders Rasen mit einer dünnen Humusschicht würden in Mitleidenschaft gezogen.

Laut Sonderegger macht nicht nur der ausbleibende Niederschlag viele Rasen kaputt. «Fehlt Wasser, können Unkräuter den Rasen viel einfacher überwuchern.» Um einen Rasen zu sanieren, müsse nachgesät, gedüngt und vertikutiert werden. Auch komme ein Topdressing zum Einsatz.

Kein Wasser für öffentliche Rasenflächen

Trotz Hitzeperiode müssen Wiesen in Gemeinden ohne Bewässerung auskommen. Laut Roger Kurmann, Leiter der Abteilung Tiefbau / Werke der Gemeinde Rüschlikon, werden öffentliche Rasenflächen mit Ausnahme von Sportplätzen in der Regel nicht bewässert. «Das Wasser benötigen wir für Bäume, Rabatten und Sträucher, die von der Trockenheit stärker betroffen sind.» Denn Rasen verfärbe sich zwar aufgrund des Wassermangels gelb und sehe optisch nicht mehr ansprechend aus, problematisch sei dies aber nicht, sagt Kurmann: «Auch wenn es mehrere Wochen trocken bleibt, spriesst er beim nächsten Regen wieder, da die Wurzeln intakt sind.»

In Rüschlikon wird wie in den meisten Gemeinden mit Trinkwasser bewässert. Wie hoch die zusätzlichen Bewässerungskosten in diesem Hitzesommer liegen, kann die Gemeinde noch nicht beziffern. Trete in den nächsten Jahren vermehrt solche Trockenheit auf, brauche es ein Umdenken, sagt Kurmann. Wie diese Wassersparmassnahmen umgesetzt werden sollen, liege bei den Gemeinden. «Das kann von Autowaschverboten oder einer Einschränkung der Gartenbewässerung bis hin zur Sensibilisierung im Alltag gehen.»

Pflanzen entwickelten Schutzmechanismen

Ähnlich handelt die Stadt Zürich. «Unsere Massnahmen dienen dazu, mit unseren Kapazitäten die grössten Schäden abwenden zu können und gleichzeitig sparsam mit dem Wasser umzugehen», sagt Marc Werlen, Leiter Kommunikation. Stark gewässert würden junge Bäume und frisch sanierte Anlagen, Sportrasen und Grabbepflanzungen. Die weitere Bewässerung erfoltge individuell nach Grünflächenbezirk.

Laut Werlen entwickeln Pflanzen aber auch Schutzmechanismen, um Trockenheit überstehen zu können. «Darum kann sich der Rasen bei späteren Regenfällen allenfalls auch dieses Jahr noch erholen. Das werden wir aber erst im Herbst sehen.»Es sei möglich, dass es in Zukunft Samenmischungen für Grassorten gebe, die die Hitze besser vertragen.

Schöne Wiesen trotz Trockenheit

Einige Leser können sich aber auch über saftig grüne Rasen freuen. «Ich habe meine Wiese immer erst dann gemäht, wenn sich Regen ankündigte», verrät Sascha Ruchti aus Wahlendorf BE. Die Wiesen bei Trockenheit zu mähen, sei Gift für das Gras. «Ist der Rasen kurz, sind die Wurzeln im Untergrund den Sonnenstrahlen direkt ausgesetzt und alles vertrocknet», so der IT-Supporter und Sohn eines Hauswarts.

Und Andi Lehmanns Rezept lautet: «Jeden Morgen und Abend kräftig spritzen.» Damit die Wiese nicht verbrenne, solle man dies vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang tun.

Deine Meinung