St. Gallen: Sind Vogelfreunde schuld an der Ratteninvasion?
Publiziert

St. GallenSind Vogelfreunde schuld an der Ratteninvasion?

In einem Park in St.Gallen tummeln sich seit einigen Wochen dutzende Ratten. Auffallend: Im Gebüsch liegen Vogelfutternetze. An derem Inhalt tun sich auch die Nager gütlich.

von
juu

Im St.Galler St.Leonhardspark haben sich Wanderratten ausgebreitet. (Video: 20M)

Das St. Leonhardspärklein nahe dem St. Galler Bahnhof ist seit einigen Wochen zu einem wahren Ratten-Hotspot geworden. Selbst tagsüber stösst man dort auf ein gutes Dutzend Nager. Die Ratteninvasion fiel auch der Stadtpolizei St. Gallen auf: «Die Ratten verbreiten sich extrem schnell, besonders jetzt, wo es wärmer wird», so Mediensprecher Dionys Widmer.

An mehreren Stellen im Park liegen bunte Netze herum. Wie die Stadtpolizei auf Anfrage bestätigt, handelt es sich dabei um Vogelfutter. «Wir können allerdings nicht zuordnen, ob die Netze dazu gedacht sind, die Vögel oder gar die Ratten zu füttern», so Widmer. Fakt sei allerdings, dass die Ratten das Futter fressen.

«Wildtiere nicht streicheln oder füttern»

«Grundsätzlich sollte man wilde Tiere nicht füttern und auch nicht anfassen oder streicheln», sagt Widmer. Dies würde nämlich die Verbreitung von Krankheiten begünstigen und die Vermehrung und Ausbreitung beschleunigen. Verbieten kann die Stadtpolizei die Fütterungen jedoch nicht: «Da kein Gesetzesentwurf vorliegt, können wir nicht einfach ein Verbot oder eine Busse ausstellen», so der Mediensprecher.

Obwohl das Füttern von Kleinvögeln und Tauben im Kanton St. Gallen nicht strafbar ist, ist dabei vor allem im öffentlichen Raum Zurückhaltung geboten: «Die Vögel, die Vogelfutter im Park fressen, sind gut an die winterlichen Verhältnisse in der Schweiz angepasst», so Livio Rey, Mediensprecher der Vogelwarte Sempach. Daher seien die Tiere, vor allem an wärmeren Tagen, nicht darauf angewiesen. Vögel, die mit dem Winter nicht zurechtkommen, seien noch im Süden.

Rey versteht, dass viele Menschen Vögel füttern möchten. «Man kann die Vögel aus der Nähe beobachten, was schöne Naturerlebnisse ermöglicht. Deshalb ist gegen ein sachgemässes und massvolles Füttern nichts einzuwenden.» Dafür sollte man auf qualitativ einwandfreies Futter achten, das möglichst der natürlichen Nahrung der Vögel entspreche: «Gewürztes, Essensreste oder Brot gehören also nicht dazu.»

Taubenfütterungsverbot in Basel

In Basel sind die Vogelfütterer in der Vergangenheit aber zu einem richtigen Problem geworden. Deshalb werden Personen, die freilebende Tauben füttern, seit dem Februar 2019 gebüsst.

Zuvor schlugen mehrere Aufklärungskampagnen fehl. Die Basler Polizei hat, wie dem Kommissionsbericht zu entnehmen ist, eine Person überwacht und festgestellt, dass diese «innert eines Jahres 16 Tonnen Taubenfutter gekauft und gesamtstädtisch verteilt hatte.»

Deine Meinung