Aktualisiert 26.03.2017 14:55

Nationaler Schnuppertag

«Sind wir Pfadis? Ja!»

Alt, aber nicht veraltet: In die über 100-jährige Pfadi zu gehen ist wieder cool. Am Samstag war nationaler Schnuppertag – auch bei der Zürcher Pfadi Manegg.

von
bec

Die Mädchen der Pfadi Manegg treffen sich um Punkt 14 Uhr an der Bushaltestelle Schlyfi. Diesmal ist auch ein neues Gesicht unter den 10- bis 14-Jährigen: Johanna. Die 13-Jährige nutzt den nationalen Pfadischnuppertag, um sich ein Bild zu machen. Über 350 Pfadigruppen in der ganzen Schweiz wollen so neue Gspändli finden.

Zur Begrüssung stellen sich die Mädchen Arm in Arm in einen Kreis. «Sind wir Pfadis?», ruft die 19-jährige Stammleiterin Selma Matter mit dem Pfadinamen Chadaina in die Runde. «Ja!», grölt die Gruppe zurück. Chadaina ist die älteste, die an diesem Nachmittag dabei ist. Dann geht es los in den Wald.

Es herrscht eine ausgelassene Stimmung. Die 12-jährige Eve alias Twist erzählt, was ihr an der Pfadi so gefällt: «Hier kann man sich austoben. In der Schule muss man immer so brav sein, aber in der Pfadi nicht.» Auch die Gruppenleiterin Matilda alias Piuma (16) mag das an der Pfadi: «Da kann man so richtig Blödsinn zusammen machen und den ganzen Stress aus der Schule und so einfach vergessen.»

Die Kinder starten dann zu einer Art Schnitzeljagd. Zuerst folgen sie einer Spur aus abgenagten Knochen. «Die sind bestimmt von meinem weggelaufenen Hasen», witzelt Luna alias Safari (12). Tatsächlich stammen sie von dem Hund Wuff, der darüber klagt, so klein zu sein, dass ihn niemand finden würde. Die Pfadis nehmen ihn gleich mit, um den Zauberer Weissbart aus der Telefonzentrale zu kontaktieren. «Solche absurden Geschichten sind in der Pfadi normal», sagt Chadaina, «Wir treffen oft auf lustige Gestalten, die unsere Hilfe brauchen.»

«Ein Ort ohne Leistungsdruck ist wichtig»

«Es ist einer der Grundsätze der Pfadi, anderen zu helfen» sagt die Pfadileiterin. Obwohl die Idee der Pfadi schon über 100 Jahre alt ist, sei das Angebot immer noch aktuell, schreibt die «Pfadi Züri», der Zürcher Kantonalverband der «Pfadibewegung Schweiz» (PBS) in einer Mitteilung zum Schnuppertag.

Auch Chadaina findet die Pfadi nicht veraltet. Auf dem Weg zum Zauberer sagt sie: «Gerade heute ist es wichtig, dass Kinder mal raus kommen und dass sie einen Ort haben, an dem sie keinem Leistungsdruck ausgesetzt sind.» Das sei in den letzten Jahren wieder zunehmend gefragt.

Das merkt auch die PBS. Die Schweizer Pfadi ist in den letzten Jahren wieder gewachsen. Laut «Pfadi Züri» ist die Mitgliederzahl der PBS in den letzten zwei Jahren von 42000 auf 45000 gestiegen. Davon sind rund 8000 Pfadis im Kanton Zürich aktiv.

Marshmallows braten überm Lagerfeuer

Nachdem die Gruppe von Pfadfinderinnen das Problem des Hundes lösen konnte, machen die Mädchen zum Abschluss ein Lagerfeuer und braten Marshmallows, Cervelats und Schlangenbrot. Sie sitzen gemütlich um das Feuer und erzählen Johanna von Sommerlagern und Pfadi-Taufen.

Chadaina findet den Anlass einen Erfolg, auch wenn sie gerne mehr Schnupperpfadis dabei gehabt hätte. «Aber man kann natürlich auch an jedem anderen Samstag vorbeischauen», sagt sie. Immerhin einer Person konnten sie die Pfadi schmackhaft machen: «Es war lustig», sagt Johanna, «Ich glaube, ich komme jetzt öfter.»

Die Schreibende Henrike Beckmann ist selber seit neun Jahren in der Pfadi aktiv. Sie ist Stufenleiterin bei der Pfadi Manegg und leitete selber jahrelang den Stamm Gaia, den sie am Samstag begleitete.

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