Global Drug Survey: Sind wir zu fett, um Alkohol standzuhalten?
Aktualisiert

Global Drug SurveySind wir zu fett, um Alkohol standzuhalten?

Treffen sich ein Grieche, ein Holländer und ein Deutscher. Wer ist zuerst betrunken? Laut Statistik: der Deutsche. Erklärungsversuche aus Forschung und Verbänden.

von
Isabell Prophet
Bier muss man aushalten. Ein Bierbauch hilft dabei nicht.

Bier muss man aushalten. Ein Bierbauch hilft dabei nicht.

Wer bei feucht-fröhlichen Abenden in internationaler Gesellschaft grundsätzlich als erstes unterm Tisch liegt, der muss sich künftig keine Gedanken mehr machen: Vielleicht liegt's am Bier, vielleicht ist es auch die Vernunft, wegen der uns die Abhärtung fehlt. Oder wir sind einfach zu fett.

Jedenfalls vertragen die Deutschen weniger Alkohol als Trinker anderer Nationen. Das sagen die Forscher des Global Drug Survey nach ihrer weltweiten Studie. Deutsche Frauen liegen ganz hinten, deutsche Männer stehen nur wenig trinkfester da.

Dafür stimmen die Exporte

Vielleicht liegt's am Bier, überlegt man beim Deutschen Brauer-Bund in Berlin. «Nach Tschechien und Österreich ist Deutschland Weltspitze beim Bierkonsum», sagt Sprecher Marc-Oliver Huhnholz. Und wer mehr Bier trinkt, der trinkt vielleicht weniger Schnaps: «In Osteuropa wird dafür mehr Wodka und hartes getrunken.» Dann sind die Lebern halt nicht so hart.

«Bier ist für uns ein Genuss- und Nahrungsmittel», sagt Werner Gloßner. Er ist Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Privaten Brauereien München. Auf den Absatz schlägt die mangelnde Standhaftigkeit der Deutschen nicht: «Wir sind zufrieden mit den Exportzahlen», sagt Gloßner.

Ein bisschen liegt es auch am Fett

«Wenn Frauen die gleiche Menge Alkohol trinken, können sie durchaus stärker Auswirkungen erwarten», sagte Johannes Hebebrand von der Universität Duisburg-Essen anlässlich des Deutschen Wissenschaftsjahrs 2011. «Das liegt zum Einen an der geringeren Körpergröße». Deshalb verteile sich die Alkoholmenge auf ein kleineres Körpervolumen.

Und auch die Fettmasse mache einiges aus, erläuterte Hebebrand: «Da Fettgewebe kaum durchblutet wird, sind Muskeln und Organe, wie Hirn oder Herz, entsprechend stärker durchblutet und die Auswirkungen des Alkohols sind hier intensiver.» Das liegt daran, dass sich der Alkohol auf weniger Bereiche im Körper verteilt. Das ist auch empirisch belegt: Frauen erreichen bei gleichen Trinkmengen und gleichem Gewicht deutlich höhere Blutalkoholspiegel.

Wer weniger aushält ist stärker gefährdet

Männer bauen den Alkohol laut Hebebrand in der Regel auch besser ab, weil sie mehr Enzyme im Körper haben. Gleichzeitig sei die Gefahr von Organschäden durch Alkohol größer bei Menschen, die weniger vertragen.

Dann sind die Deutschen also ein wenig besser dran, wenn sie nicht die ganz harten Sachen trinken. Am Ende macht es aber, wie immer, die Masse.

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