Grösser, besser, teurer: Singles leisten sich Status-Wohnungen
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Grösser, besser, teurerSingles leisten sich Status-Wohnungen

Wer allein wohnt, zahlt tendenziell zu viel für die Miete. Viele nehmen bewusst Abstriche in anderen Bereichen in Kauf.

von
jbu
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Laut einer Comparis-Studie geben 29 Prozent mehr als einen Viertel ihres Lohns für die Wohnung aus – vor allem Singles greifen tief in die Tasche.

Laut einer Comparis-Studie geben 29 Prozent mehr als einen Viertel ihres Lohns für die Wohnung aus – vor allem Singles greifen tief in die Tasche.

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«Wohnen hat für viele Leute einen sehr hohen Stellenwert: Gerade Einzelpersonen scheinen bereit zu sein, dafür an anderen Orten Abstriche zu machen», sagt Nina Spielhofer von Comparis.

«Wohnen hat für viele Leute einen sehr hohen Stellenwert: Gerade Einzelpersonen scheinen bereit zu sein, dafür an anderen Orten Abstriche zu machen», sagt Nina Spielhofer von Comparis.

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Inzwischen ist mehr als jede dritte Wohnung in der Schweiz eine Single-Wohnung. Der alleinlebende Mann leistet sich laut Bundesstatistik im Schnitt 2,9 Zimmer, die alleinstehende Frau 3,1 Zimmer.

Inzwischen ist mehr als jede dritte Wohnung in der Schweiz eine Single-Wohnung. Der alleinlebende Mann leistet sich laut Bundesstatistik im Schnitt 2,9 Zimmer, die alleinstehende Frau 3,1 Zimmer.

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«Du bist, wie du wohnst»: Viele Schweizer scheinen sich dieses Motto zu Herzen zu nehmen – und greifen für eine repräsentable Bleibe tief in die Tasche. In einer Studie von Comparis geben 29 Prozent der Befragten an, mehr als einen Viertel ihres Einkommens für die Wohnung auszugeben. Insbesondere Personen, die in einem Einpersonenhaushalt leben, lassen dafür oft einen wesentlichen Teil ihres Lohns liegen.

Ob sie nichts Preiswerteres finden oder sich bewusst für eine grosszügige Bleibe entscheiden, lässt die Umfrage offen. Allerdings gibt die Mehrheit der Befragten an, sich im Ausgang, beim Auswärtsessen oder bei den Ferien einzuschränken, um sich die Wohnung leisten zu können.

Ansprüche steigen

«Wohnen hat für viele Leute einen sehr hohen Stellenwert: Gerade Einzelpersonen scheinen bereit zu sein, dafür an anderen Orten Abstriche zu machen», sagt Nina Spielhofer von Comparis.

Auch Stadt-Experte Thomas Kessler stellt fest: «Für viele jungen Leute steht der Wunsch nach einer attraktiven Wohnung ganz zuoberst – die Ansprüche punkto Grösse und Lage der Wohnung steigen.» Er sieht darin eine Folge des gestiegenen Wohlstands, aber auch einen Ausdruck der individualisierten Gesellschaft: «Man will die maximale Freiheit und investiert sein Geld vollständig in die eigene Lebensqualität.» Das heisst: Lieber eine teure Wohnung allein als eine günstige WG.

3,1 Zimmer für die Singlefrau

Die Folge: Inzwischen ist mehr als jede dritte Wohnung in der Schweiz eine Single-Wohnung. Der alleinlebende Mann leistet sich laut Bundesstatistik im Schnitt 2,9 Zimmer, die alleinlebende Frau 3,1 Zimmer. Zum Vergleich: Die Wohnungen von Paaren sind mit 3,5 bis 4 Zimmern nur unwesentlich grösser.

Das schlägt sich auch im Flächenverbrauch nieder: Während die Durchschnitts-Person in der Schweiz im Schnitt 45 Quadratmeter Wohnfläche beansprucht, ist eine Einpersonen-Wohnung im Schnitt 79 Quadratmeter gross. «In Wohnungen, wo früher kleine Familien gelebt haben, wohnt jetzt ein Mensch allein – auch wenn das dritte Zimmer vielleicht die meiste Zeit ungenutzt bleibt», so Kessler.

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Neben den Gesprächen übers Wetter, die Ferien oder die Kinder ist sie der Star unter den Smalltalk-Themen - die Wohnung. Neun Aussagen, die jeder Wohnungssuchende kennt ...

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«Wir haben eine Dachterrasse, die sich das ganze Haus teilt. Aber da geht eh niemand rauf, also werden wir dort den ganzen Sommer tolle Grillpartys feiern können.»

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«Bei der Besichtigung waren Hunderte von Leuten. Die sind vom dritten Stock bis auf die Strasse angestanden.»

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Wegen Preisdruck in die Agglo

Dies bleibe nicht ohne Konsequenzen: «Für die Raumplanung ist es eine grosse Herausforderung, wenn der Einzelne mehr Platz braucht.» Kessler sieht aber auch Folgen für die Gesellschaft: «Die Kehrseite der Freiheit ist die Einsamkeit.» Die Singles seien deshalb häufiger unterwegs und verursachten so etwa zusätzlichen Verkehr.

Dass sich Singles mehr Fläche wünschen, stellt auch Claudio Saputelli, Immobilienexperte bei der UBS, fest. Allerdings habe der Preisdruck auch zu einer Gegenbewegung geführt. «Die Mieten sind in den letzten Jahren viel stärker gestiegen als die Löhne.» Wenn die Schmerzgrenze erreicht sei, gebe es im wesentlichen drei Möglichkeiten: «Entweder, man zieht von der Stadt in die Agglomeration, man sucht sich eine kleinere Wohnung oder man teilt sie mit jemandem.» Letzteres dürfte in Zukunft wieder wichtiger werden – Stichwort Sharing Economy.

Darauf verweist auch Thomas Kessler. Er stellt jedoch fest: «Bisher hält sich die Nachfrage nach alternativen Wohnmodellen und sogenannten Clusterwohnungen, wo ein Teil des Wohnraums geteilt wird, in Grenzen.»

Wie wohnen Sie? Brauchen Sie ein Zimmer für einen besonderen Zweck? Schicken Sie uns ein Foto Ihrer Single-Wohnung und diskutieren Sie in den Kommentaren über die Vor- und Nachteile des Alleinlebens.

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