Aktualisiert 11.08.2007 15:34

Sintflut: Noch viele Menschen ohne Strom

Nach den Unwettern der letzten Tage ist die Lage in einzelnen Schweizer Regionen nach wie vor angespannt.

In Laufen BL und Delsberg blieben am Samstag zahlreiche Menschen ohne Strom, ebenso entlang des Bielersees, dessen Pegel noch immer hoch stand.

Die Situation entspanne sich nur zögerlich, sagte der Nidauer Regierungsstatthalter Werner Könitzer aur Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Der Pegel sei auf sehr hohem Niveau stabil. Dies verhindere, dass die Einsatzkräfte grossräumig Pumpaktionen durchführen könnten.

Seeufer ohne Strom

Entlang des Bielersees sind nach wie vor mehrere Gemeinden ohne Strom. Es werde sicher noch einige Tage dauern, bis man wieder von einer einigermassen normalen Situation sprechen könne, sagte Könitzer. Er schätzt, dass in der Region mindestens 600 Gebäude überflutet sind; der grösste Teil davon stehe noch unter Wasser.

Auch weiter aareabwärts gingen die Aufräumarbeiten weiter. Nach dem Rückgang der Pegelstände pumpte die Feuerwehr in Aarau die letzten überschwemmten Tiefgaragen aus. Ihre Einsätze beendet haben die Feuerwehren in Döttingen AG, wo in der Nacht auf Donnerstag ein Teil eines Notdammes weggeschwemmt worden war.

Laufen im Ausnahmezustand

Laufen BL, wo die Birs über die Ufer getreten war, bot am Samstag immer noch ein Bild der Zerstörung. Die Aufräumarbeiten gingen aber vorwärts, sagte Vize-Stadtpräsidentin Lilly Kuonen Reber. Doch in den Quartieren Altstadt und Norimatt herrscht weiter Ausnahmezustand. Die Zufahrt bleibt gesperrt; nur Anwohner und Helfer haben Zutritt.

Weil das Stromnetz noch nicht repariert ist, bleibt es hier nachts dunkel. Man müsse jeden Keller auspumpen, bevor man das Stromnetz des Gebietes wieder in Betrieb nehmen könne, sagte Kuonen. Das Trinkwasser wird vorsichtshalber stärker chloriert, die Wasserversorgung ist jedoch laut Gemeinde sichergestellt.

Abwässer ungeklärt in die Birs

Auch in der Laufentaler Abwasserreinigungsanlage in Zwingen BL sind die Hochwasserschäden noch nicht behoben. Beschädigt sind laut einem Polizeisprecher die elektrischen Anlagen; die Reparatur dauert fünf bis zehn Tage. Bis dahin laufen die häuslichen Abwässer laut Krisenstab ungeklärt in die Birs.

Auch in Delsberg waren Samstag 260 Menschen weiter ohne Strom. Die Feuerwehr und die Elektrizitätsbetriebe setzten ihre Aufräumarbeiten fort.

Auf Strasse und Schiene fliesst der Verkehr seit Freitag meist wieder störungsfrei. Erneut gesperrt werden musste aber die Bahnstrecke Bern - Freiburg. Auf dem Brienzersee verkehren ab Sonntag die Kursschiffe wieder.

BAFU nimmt Kanton Bern in Schutz

Andreas Götz, Vizedirektor des Bundesamtes für Umwelt (BAFU), nahm derweil das bernische Wasserwirtschaftsamt in den Schutz. Der Aargau hatte diesem vorgeworfen, zu viel Wasser aus dem Bielersee abgelassen zu haben. Das bernische Amt habe sich auf die Prognosen des BAFU gestützt, sagte Götz am Freitag gegenüber der «Tagesschau» von Schweizer Fernsehen SF.

Er räumte ein, dass die BAFU-Prognose ungenau gewesen sei. Die Berner hätten sich deshalb nichts zuschulden kommen lassen. Beim BAFU sei man davon ausgegangen, dass die Spitze des Hochwassers später komme. Bereits am Freitag hatte das BAFU zudem gefordert, alte Dämme und Kanäle, etwa den Hagneck- oder den Linthkanal, zu sanieren.

(sda)

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