Sintflut: «Wir hatten einfach Pech»
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Sintflut: «Wir hatten einfach Pech»

Über der Schweiz hat es praktisch flächendeckend geregnet. Die Nachbarländer blieben weitgehend verschont. «Eine Laune der Natur», sagt Peter Wick von MeteoNews im Interview. Und wie wird der August?

Herr Wick, waren Sie überrascht von den sintflutartigen Regenfällen der letzten zwei Tage?

Peter Wick: Eigentlich nicht. Wir haben es schon drei Tage vorher gesehen und dann auch entsprechende Warnungen herausgegeben. Unüblich war allerdings das Ausmass. Es hat praktisch über der ganzen Schweiz flächendeckend geregnet.

Die Nachbarländer aber blieben verschont. Wieso?

Das war eine Laune der Natur. Die Luftmasse hat sich einfach in der Schweiz festgesetzt. Das hat in diesem Fall auch nichts mit den Alpen zu tun. Wir hatten einfach Pech.

War die «5B-Lage» schuld, wie Meterologen gestern vermeldeten?

Für mich war das keine klassische 5B-Lage. Die kommt ja vom Golf von Genua. Wir hatten aber viel hausgemachten Regen. In tiefen Lagen hatten wir kalte Luftmassen aus Nordwesten, in höherer Lage hatte es wärmere Luft aus Südosten und darüber lagerten wieder kältere Luftmassen. Diese Konstellation hat zu der enormen Regenmenge geführt. Zum Glück ist nicht mehr passiert.

Müssen wir uns vermehrt auf sintflutartige Regenfälle einstellen?

Das kann man nicht sagen, aber es passt in die Debatte um die Klimaerwärmung, wonach die extremen Wetterereignisse zunehmen. Wir hatten 1999 viel Wasser, dann 2002, damals vor allem in Deutschland, 2005 war ein Rekordjahr und jetzt 2007 wieder. Diese Häufung von starken Regenfällen passt jedenfalls zum Thema Klimaerwärmung.

Klimaforscher haben ein neues Rechenmodell entwickelt. Gemäss ihren Berechnungen drohen ab 2009 Hitzerekorde in Serie. Kommt nach der Sintflut die Dürreperiode?

Was sicher stimmt: Wir befinden uns in einer warmen Periode. Selbst der letzte Juli war trotz schlechtem Wetter von der Temperatur her fast normal. Aber mit solchen Langzeitberechnungen bin ich eher vorsichtig.

Von den Langzeitberechnungen zu den etwas kurzfristigeren. Wo bleibt der «goldene» August? Da wurde uns ja von verschiedenen Seiten einiges versprochen.

Das Wetter hat kein Gedächtnis. Deshalb sind solche Versprechen auch immer mit Vorsicht zu geniessen. Aber es wird sicher noch ein paar heisse Tage geben. Ob es gleich eine Hitzeperiode geben wird, bezweifle ich. Aber es wird noch schön, da bin ich ziemlich optimistisch.

(meg)

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