Luzern - Sion: Sion nach Penalty-Thriller im Cup-Final
Aktualisiert

Luzern - SionSion nach Penalty-Thriller im Cup-Final

Erst das Penaltyschiessen entschied auf der Luzerner Allmend den ersten Halbfinal nach einer erst schwachen, dann wenigstens spannenden Partie. Der FC Sion gewann die K.o.- Entscheidung vom Elfmeterpunkt mit 4:2.

Die Walliser ziehen damit zum insgesamt elften Mal in den Schweizer Cupfinal ein. Am 20. Mai treffen sie in Bern entweder auf die Young Boys oder auf Titelverteidiger Basel, die sich am Donnerstag im zweiten Halbfinal gegenüberstehen.

Nachdem die Begegnung nach 90 und 120 Minuten 1:1 gestanden hatte, schwang sich Nicolas Beney im Penaltyschiessen zum Matchwinner für die Gäste auf. Der Sion-Goalie machte in der K.o.- Entscheidung vom Elfmeterpunkt aus die Versuche von João Paiva und Janko Pacar unschädlich.

80 Minuten lang hatten die beiden Teams davor eine erschreckend schwache Leistung ohne Höhepunkte geboten, dann aber überschlugen sich die Ereignisse, wie es zu einem packenden Cupfight gehört. Olivier Monterrubio hatte Sion in der 85. Minute nach Vorarbeit seines Landsmannes Virgile Reset mit einer herrlichen Direktabnahme in Führung geschossen. Alle glaubten an die Entscheidung, die ersten Innerschweizer Zuschauer wanderten ab. Wieder schien sich Monterrubio zum Matchwinner der Sittener aufgeschwungen zu haben, nachdem er die Walliser schon im Viertelfinal in St. Gallen zum Sieg geschossen hatte.

Lustenberger mit Köpfchen

Doch die Luzerner glichen in letzter Verzweiflung noch aus: Verteidiger Claudio Lustenberger traf in der 95. Minute nach präziser Flanke von Milan Gajic mit dem Kopf ins Netz. Ausgerechnet Lustenberger, der schon am Donnerstag gegen Vaduz (3:1) für die Luzerner Entscheidung gesorgt hatte, schoss den FCL doch noch in eine nie mehr für möglich gehaltene Verlängerung. Denn die Gäste hätten zuvor alles klar machen müssen. Als die Luzerner verzweifelt alles nach vorne geworfen hatten, scheiterte erst Reset in ausgezeichneter Position alleine vor Zibung (90.) und danach rannten gleich drei Walliser nach einem krassen Fehler von Gerardo Seoane alleine auf Zibung zu. Wieder konnte der FCL-Goalie jedoch gegen Reset, der den Ball kläglich vertändelt hatte, klären (94.)

FCL braucht Druck

Der FC Luzern kann offenbar mit Druck besser umgehen als ohne. Vor dem Spiel hatten die Spieler unisono verlautbart, dass man im Cup gewinnen dürfe und nicht müsse, was eine angenehme Aufgabe sei. Auf dem Spielfeld aber war von dieser Unbeschwertheit nichts zu sehen. Die Luzerner produzierten Fehlpässe um Fehlpässe und lieferten ihr schlechtetes Heimspiel dieses Jahres ab.

Der FCL passte sich in dieser Hinsicht den Gästen an, die nie als Team auftraten, verschiedentlich zwar mit Einzelaktionen auffielen, aber mit Ausnahme von einigen Scharfschüssen durch Olivier Monterrubio kaum etwas zu bieten hatten. Sion kam erst besser auf, als die Luzerner nach dem 0:1 alles nach vorne warfen. Auch in der Verlängerung warteten sie mit schnellen Kontern und weiten Bällen auf den Lucky-punch.

Constantin der Chef an der Linie

Die Trainerfrage bei Sion war derweil gestern schneller geklärt als die Partie: Präsident Christian Constantin hatte auf der Luzerner Allmend resolut das Szepter an sich gerissen und die Mannschaft von der Seitenlinie dirigiert. Nur für kurze Phasen durfte sich auch Freddy Chassot in der Coachingzone zeigen und Anweisungen geben. Der dritte Trainer, José Sinval, sass hingegen seelenruhig auf der Bank, er hatte offenbar keine Befugnisse, aktiv einzugreifen.

Constantin hatte sein Team gegenüber dem letzten Meisterschaftsspiel gegen Zürich erstaunlicherweise kaum umgestellt, auch wenn er mit den bisherigen Trainern Umberto Barberis und Christian Zermatten offensichtlich nicht zufrieden gewesen war. Für Florian Berisha und den gesperrten Alvaro Dominguez rückten lediglich Virgile Reset und Goran Obradovic neu in die Startformation.

Cup-Halbfinal

Luzern - Sion 3:5. n.P. (0:0,1:1)

Allmend. - 12 500 Zuschauer (ausverkauft). - SR Zimmermann.

Tore: 85. Monterrubio 0:1. 95. Lustenberger 1:1.

Penaltyschiessen: Gajic 1:0. Obradovic 1:1. Paiva 1:1 (Beney hält). Fermino 1:2. Pacar 1:2 (Beney hält). Afonso 1:3. Renggli 2:3. Paito 2:4.

Luzern: Zibung; Lukmon, Seoane, Schwegler, Lustenberger; Gajic; Frimpong, Zverotic (86. Pacar), Scarione (64. Renggli), Ferreira; Tchouga (64. Paiva).

Sion: Beney; Vanczak, Sarni, Kali (75. Nwaneri), Paito; Fermino, Serey Die (94. Bühler); Reset, Obradovic, Monterrubio; Saborio (66. Afonso).

Bemerkungen: Luzern ohne Chiumiento, Lambert (beide verletzt) und Diarra (krank). Sion ohne Dominguez (gesperrt), Adhesina, Brellier (beide verletzt) und El Hadary (abwesend). Verwarnungen: 9. Fermino (Foul), 62. Gajic (Foul), 90. Schwegler (Foul), 91. Afonso (Unsportlichkeit).

LIVE-TICKER

mit Reto Fehr

- Paito hat den ersten Matchball vor sich. Der Mann aus Mosambik trifft und schiesst Sion in den Cup-Final!

- Renggli steht für Luzern bereit. Er muss treffen. Und Renggli trifft.

- Afonso läuft für Sion an - und verwandelt. Auch wenn Zibung die Ecke erahnte: 3:1 für Sion.

- Bei Luzern scheitert der junge Pacar. Starke Parade von Beney. War das die Vorentscheidung?

- Für Sion tritt Fermino an. Er verwandelt sicher: 2:1 für Sion.

- Für Luzern läuft Paiva an. Der Penalty schwach geschossen. Beney klärt mit den Füssen.

- Obradovic kommt für Sion. Er verlädt Zibung und schiebt sehr locker ein.

- Gajic ist der erste Schütze. Er verwandelt locker: 1:0 für Luzern.

- Luzern beginnt. Beney steht im Tor bereit.

- Jetzt werden die Torhüter ins Zentrum des Geschehens gerückt. Beney oder Zibung: Wer wird der Penalty-Held im Elfmeter-Drama?

121. Das Spiel ist aus. Das Elfmeterschiessen muss entscheiden.

120. Eine Minute wird nachgespielt.

119. Die Aktionen sind auf beiden Seiten nicht mehr zusammenhängend. Hier kann nur noch ein Glücksschuss helfen - oder in wenigen Augenblicken das Penaltyschiessen.

115. Noch gut fünf Minuten zu spielen. Sion in den letzten Aktionen mit mehr Durchschlagskraft. Aber volles Risiko gehen beide Teams nicht mehr.

111. Chance für Luzern. Pacar versuchts mit einer Direktabnahme aus 20 Metern - der Ball landet in den Wolken.

110. Eckball für Luzern. Jeder Fehler kann jetzt entscheidend sein. Doch Rengglis Cornerball zu schwach getreten. Sion klärt.

108. Luzerns Schwegler wirkt angeschlagen. Doch Luzern kann nicht mehr wechseln. Der Verteidiger muss durchhalten.

106. Schon gehts weiter mit den letzten 15 Minuten. Nach einer kurzen Pause hat Sion Anspiel. Gelingt einem Team nochmals ein Tor oder kommt es in wenigen Minuten zum Penalty-Thriller?

105. Die erste Halbzeit der Verlängerung ist vorbei. Weiterhin steht es 1:1.

104. Wieder ist es Lustenberger. Er dribbelt sich im Strafraum frei, verzieht dann aber seinen Abschlussversuch.

103. Chance für Luzern. Pacar setzt sich über Links durch und legt herrlich zurück auf Renggli. Doch dieser zielt aus 20 Metern weit übers Tor.

102. Noch keine Torchance konnten wir in der Verlängerung miterleben. Es droht ein Penaltyschiessen.

100. Die beiden Teams wieder in den gleichen Trott der ersten 85. Minuten verfallen. Die Devise heisst: Auf keinen Fall ein Tor kassieren.

95. Bereits sind wieder fünf Minuten gespielt. Luzern tut mehr fürs Spiel - wie schon über die gesamte Partie.

91. Die erste Halbzeit der Verlängerung läuft.

97. Verlängerung in Luzern. Mit diesem Last-Second-Tor von Lustenberger muss die Partie in die Verlängerung.

96. Mit diesem Treffer hätte wohl niemand mehr gerechnet. Und plötzlich ist das Stadion ein Tollhaus.

95. Tor für Luzern! Claudio Lustenberger sorgt mit einem Kopfball Sekunden vor Schluss für den Ausgleich.

93. Die Sion-Akteure spielen jetzt auf Zeit. Serey Die lässt sich pflegen und muss mit der Bahre vom Feld getragen werden.

93. Sion kann wieder kontern. Serey Dies Flanke findet aber nicht den Kopf von Obradovic, sondern die Fäuste von Zibung.

91. Zibung verhindert das 2:0 mi tseiner Parade gegen Resets Schuss. Dieser war allerdings nicht allzu platziert.

90. Fünf Minuten werden nachgespielt.

89. Luzern wirft alles nach vorne. Doch Torgefahr bleibt keine auszumachen.

87. Fringer reagiert und bringt Pacar als Offensivkraft.

86. Tor für Sion! Olivier Monterrubio bringt Sion in Führung. Der Captain schliesst einen herrlichen Konter über Fermino und Reset mit einer Direktabnahme am zweiten Pfosten ab. Keine Chance für Zibung. Das war wohl die Entscheidung.

83. Chance für Luzern. Gajic' Flankenball klärt Torhüter Beney im Fünfmeterraum. Dabei trifft er den Luzerner Lukmon unglücklich. Beide werden gepflegt.

81. Wer jetzt noch ein Tor schiesst, gewinnt wohl auch die Partie. Doch so wie das Spiel bisher verlief droht hier eine Verlängerung.

77. Eckball für Luzern. Doch Sion kann die Gefahr bannen. Trotzdem: Die Innerschweizer wollen jetzt die Entscheidung in der regulären Spielzeit.

75. Der Wechsel wird vollzogen. Nwaneri ersetzt Kali in der Sittener Verteidigung.

74. Sions Kali muss ausgewechselt werden. Der Angolaner hat sich bei einem Zweikampf verletzt. Wen bringt Constantin jetzt aufs Feld? Es sieht nach Nwaneri aus.

73. Monterrubio prüft Zibung. Dieser kann den Schuss nur nach vorne abprallen lassen. Doch Afonso ballert das Leder aus elf Metern über das Gehäuse. Das war immerhin die beste Offensivaktion in dieser zweiten Halbzeit.

71. Freistoss für Sion. Serey Die wird von Lukmon an der Seitenlinie gelegt. Doch Obradovic' Ball wird zum Corner geklärt.

69. Das Spiel nähert sich bereits der Schlussphase. Noch sind auch die Einwechslungen kein Gewinn für die Partie.

65. Auch Sions Constantin wechselt. Er bringt Afonso für den unauffälligen Saborio.

63. Doppelwechsel bei Luzern: Paiva und Renggli sollen dem Spiel Schwung verleiehen. Sie ersetzen Tchouga und Scarione.

59. Um ein Haar wäre Torgefahr aufgekommen. Nach einem weiten Pass auf Ferreira kann dieser aufs Tor stürmen. Doch dann flankt er ins Niemandsland. Weiterhin 0:0.

57. Das Niveau der Partie wirklich schwach. Beide Mannschaften kommen kaum in Strafraumnähe. Helfen kann da nur eines: Ein Treffer. Hoffen wir, dass dieser bald fällt.

53. Inzwischen hüllen Rauchwolken von Petarden das Spielfeld ein. Nach einem kurzen Unterbruch wird das Spiel aber fortgesetzt.

52. Jetzt auch Luzern mit der ersten Aktion im gegnerischen Strafraum. Ferreiras Kopfball nach einem Corner geht aber über das Gehäuse.

50. Sion wird aktiver. Die Walliser wagen sich jetzt vermehrt in die Offensive. Torgefahr ist aber immer noch ein Fremdwort in dieser Partie.

47. Sion mit der ersten Offensivaktion der zweiten Halbzeit. Monterrubio flankt zur Mitte, doch Saborio kommt nicht an den Ball.

46. Weiter gehts mit der zweiten Halbzeit. Beide Teams müssen sich enorm steigern.

45+1. Die erste Halbzeit ist vorbei. Die Fans in Luzern sahen bisher eine magere Fussballkost. Luzern wohl besser, aber die beste Chance vergab Virgile Reset für Sion.

45. Eine Minute wird nachgespielt.

44. Reset mit der besten Torchance der Partie. Bei einem Konter kann der Franzose alleine auf Luzern-Hüter Zibung losstürmen. Doch er legt sich den Ball zu weit vor und so kann Zibung in letzter Sekunde klären. Das war knapp.

40. Luzern rennt sich immer wieder schon weit vor dem Strafraum der Sittener fest. Doch auch die Walliser wissen mit dem Ball jeweils nicht viel anzufangen. Grundsätzlich versuchen sie ihr Heil mit weiten Bällen in die Spitze - welche praktisch nie ankommen.

35. Das Spiel nähert sich ohne Höhepunkte dem Halbzeitpfiff. Vor allem Sion zeigt sich weiterhin äusserst zurückhaltend.

27. Wieder ist es Gajic, der für Druck sorgt. Der linke Aussenverteidiger sieht seinen Schuss aber abgelenkt in den Armen von Beney landen.

22. Es bleibt dabei: Luzern bemüht, Sion defensiv. Die Innerschweizer machen deutlich mehr fürs Spiel und hätten die Führung mittlerweile verdient.

19. Chance für Luzern. Gajic fasst sich aus 25 Metern ein Herz, aber Beney kann abwehren. Den Abpraller schiesst Tchouga knapp am Pfosten vobei. Das hätte die Führung sein können.

15. Scariones Flankenball auf Ferreira. Aber dieser bringt den Ball nicht mehr Richtung Tor. Weiterhin 0:0.

11. Das Spiel noch ohne packende Szenen. Aber es sind ganz klar die Luzerner, welche mehr für die Partie machen.

8. Erster Eckball der Partie für Luzern. Doch dieser bringt nichts ein.

5. Freistoss für Luzern aus 30 Metern. Tchouga wurde da von Sarni gelegt.

2. Obradovic muss nach einem unglücklichen Zusammenprall mit Luzerns Torhüter Zibung gepflegt werden.

1. Los gehts! Sion hat Anspiel.

- Die beiden Mannschaften kommen auf das Feld. Die Allmend an diesem Ostermontag gut gefüllt.

- Sion ist noch ohne neuen Trainer. Die Aufstellung hat Christian Constantion selbst gemacht.

- In Kürze geht es los auf der Luzerner Allmend. Wer wird der erste Cup-Finalist?

Vor dem Spiel

Im Cup-Halbfinal spielen Luzern und Sion um den Bonus einer ansonsten völlig missratenen Saison. Eines der beiden Teams wird heute Abend als erster Cupfinalist feststehen.

Die Innerschweizer sind im Championat an letzter Stelle klassiert, der «FC Constantin» ist nur unwesentlich besser platziert und beurlaubte drei Tage vor dem Anpfiff das Trainer-Duo.

Christian Constantin überraschte seine Coaches nicht mit süsser Schokolade, sondern mit einer bitteren Mitteilung: Umberto Barberis und Christian Zermatten wurde die Leitung der Equipe per sofort entzogen. Der unberechenbare Präsident vertraut dem erst Ende Dezember eingesetzten Duo nicht mehr weiter.

Mit einem erzitterten 3:1 gegen Vaduz verschaffte sich der FCL vor dem Highlight des Frühlings etwas Luft. Die Lage hat sich zumindest für ein paar Tage beruhigt. Und für einmal stehen positive Gedanken im Vordergrund: Erstmals nach Monaten der Tristesse haben die Luzerner wieder etwas zu gewinnen.

Belohnung statt Belastung

Coach Rolf Fringer sprach deshalb auch davon, «dass wir dürfen und nicht müssen». Für ihn ist die Möglichkeit, zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren in den Final vorstossen zu können, keine Belastung, sondern eine Belohnung. Erinnerungen an den letzten Cupsieg vor 17 Jahren will er nicht aufkommen lassen; damals verabschiedete sich der FCL mit der Trophäe in die Zweitklassigkeit.

Sittens Geschichte ist eng mit dem Cup verknüpft. Zehnmal gewann der Klub den begehrten Pokal. In den Neunzigerjahren prägte Sion den K.o.-Wettbewerb. Zwischen 1995 und 1997 führte kein Weg am Klub aus dem Wallis vorbei. Einmal im Jahr stattete der urchige Kanton der «Üsser-Schwiiz» damals einen Besuch ab. Zehntausende von Anhängern bevölkerten das Final-Stadion.

Cup-Halbfinal 20.15 Uhr

Luzern - Sion

Bemerkungen: Abwesende: Lambert, Kukeli (beide verletzt); Dominguez (gesperrt), Adeshina (verletzt). - Fraglich: Wiss, Veskovac (beide rekonvaleszent); El Hadary (weilt aus familiären Gründen in Ägypten).

2. Halbfinal am Donnerstag zwischen den Young Boys und Basel.

(fox/si)

Der Weg in den Final.

1. Runde: Etoile Carouge (1.) - Sion 0:5.

2. Runde: Le Mont (1.) - Sion 2:5.

Achtelfinal: Malley (1.) - Sion 0:1.

Viertelfinal: St. Gallen (ChL) - Sion 1:2.

Halbfinal: Luzern - Sion 1:1 n.V. Sion 4:2-Sieger im Penaltyschiessen.

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