Sirenenalarm im Aargau: Aare schwappt über
Aktualisiert

Sirenenalarm im Aargau: Aare schwappt über

Die sintflutartigen Regenfälle in der Nacht auf Donnerstag haben im Kanton Aargau zu einer akuten Hochwassersituation geführt. Im Raum Döttingen - Kleindöttingen - Klingnau ist um 09.50 Uhr Sirenenalarm ausgelöst worden.

Die Aare stieg über die tiefste Stelle des Damms bei Döttingen, wie Christine Stähli vom Kantonalen Führungsstab auf Anfrage sagte. Da dieser Damm nach den Niederschlägen stark aufgeweicht ist, droht er laut Stähli zu brechen. Deshalb sei ein Einkaufszentrum geschlossen worden und rund 50 Personen - Berufsleute, Anwohnerinnen und Anwohner - wurden evakuiert.

Die Kantonspolizei forderte die Bevölkerung auf, Nachbarn, insbesondere Hörbehinderte, zu benachrichtigen und Invaliden zu helfen. Fenster und Türen sollten geschlossen, Klimaanlagen abgeschaltet werden, hiess es im Aufruf, der von Schweizer Radio DRS1 ausgestrahlt wurde.

Bereits in der Nacht zum Donnerstag haben die Behörden vielerorts Hochwasseralarm ausgelöst; so im Kanton Aargau entlang der Aare, in der Stadt Bern, in der Zentralschweiz entlang der Kleinen Emme und im Kantonen St. Gallen entlang der Sitter und Thur. Im ganzen Kantonsgebiet liessen die Behörden mehrere Strassen und Brücken für jeden Verkehr sperren.

Nach wie vor kritisch präsentierte sich die Situation am frühen Donnerstagmorgen im Aaretal. Die Abflüsse im Westaargau sind laut dem Krisenstab höher als beim Hochwasser vom August 2005. Bei Murgenthal betrug die Abflussmenge in der Aare 1200 Kubikmeter pro Sekunde - das sind 350 Kubikmeter pro Sekunde mehr als der maximal zulässige Wert für dieses Flussstück.

Zürich drosselt Ausfluss

Bei Brugg stieg und steigt die Aare weiter an. Die Behörden rechnen damit, dass sie im Lauf des Tages mit gegen 1400 Kubikmetern pro Sekunde fliessen wird. Der Kanton Zürich habe sich bereit erklärt, den Ausfluss des Zürichsees um 150 Kubikmeter pro Sekunde zu drosseln. So lässt sich die Aare im Raum Stilli bis Koblenz entlasten.

Auf hohem Niveau stabilisiert hat sich die Reuss. Bei Mellingen erreichte die Abflussmenge bislang einen Spitzenwert von 630 Kubikmetern pro Sekunde. Die Dämme hielten, bilanzierte der Krisenstab, doch sei die Situation nach wie vor kritisch.

Wie in Basel-Stadt haben sich auch die Behörden in Rheinfelden auf gewaltige Wassermassen im Rhein eingestellt. Der Flusspegel steigt weiter an. Für Rheinfelden rechnen die Behörden für Donnerstag mit einer Hochwasserspitze von rund 4000 Kubikmetern pro Sekunde; am frühen Morgen floss der Rhein bereits mit 3200 Kubikmetern pro Sekunde ab.

Bei den kleineren Flüssen entwickelte sich die Lage in der Nacht unterschiedlich. Derweil sich die Wassermenge in der Wyna stabilisiert hat, steigt der Suhre-Pegel weiter an. Der Abfluss der Wygger ging von 170 auf 110 Kubikmeter pro Sekunde zurück.

Sandsack-Produktion angekurbelt

Besonders gefragt waren in der Nacht auf Donnerstag Sandsäcke. Der Krisenstab liess die beiden Sandsack-Abfüllanlagen des Kantons in Betrieb nehmen. Dank dieser Neuproduktion und der vorhandenen Reserven konnten die Bedürfnisse der Gemeinden weitgehend abgedeckt werden.

Bei den Behörden waren bis Donnerstagmorgen keine Meldungen über verunfallte oder verletzte Personen eingegangen. Über das Ausmass der Schäden in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten können sie noch keine Angaben machen. (sda)

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