iPhone 4S im Praxistest: Siri muss noch viel lernen
Aktualisiert

iPhone 4S im PraxistestSiri muss noch viel lernen

Am Freitag kommt das neue Apple-Smartphone hierzulande in die Läden: 20 Minuten Online hat das iPhone 4S bereits getestet und den digitalen Assistenten Siri mit Fragen gelöchert.

von
Daniel Schurter

Ist das iPhone 4S das beste Smartphone auf dem Markt? Wer darauf vom digitalen Assistenten Siri eine Antwort erwartet, sollte nicht auf Deutsch fragen. «Das kann ich nicht beantworten», tönt es wenig selbstbewusst aus dem Lautsprecher.

20 Minuten Online hat Siri auf Herz und Nieren geprüft. Das Fazit fällt durchzogen aus. Laut Werbeversprechen von Apple kann man sich in natürlicher Sprache mit Siri unterhalten. Dank künstlicher Intelligenz stellt die Software selbstständig Zusammenhänge her. Das funktioniert bereits gut in Siris Muttersprache, also auf US-Englisch. Doch die deutschsprachige Version der System-Software hat noch aufzuholen.

Schwere Sprache

Einzelne Sätze werden nicht richtig verstanden, was lustige Missverständnisse provoziert. Zum andern kann Siri deutlich gesprochene Aufforderungen zwar korrekt wiedergeben, versteht aber den Sinn dahinter nicht. Deutsche Sprache, schwere Sprache. Zudem scheint die Wissensdatenbank, die vom iPhone 4S übers Internet abgefragt wird, noch nicht auf Deutsch verfügbar. So bleiben viele allgemeine Fragen («Wie hoch ist das Matterhorn?») unbeantwortet. Zudem hat die Bedienung ihre Tücken: Es gilt im richtigen Moment auf Siris Antworten zu reagieren, wenn nötig den Button zu drücken und Anfragen zügig und deutlich zu äussern.

Ungeduldige können sich trösten: Siris künstliche Intelligenz ist nur der Anfang, das Gerät wird dazulernen und sich auch fortlaufend den sprachlichen Eigenheiten des Nutzers anpassen. Was es aber auf jeden Fall zu beachten gilt: Laute Hintergrundgeräusche stören die Mensch-Maschine-Kommunikation empfindlich.

Zufrieden?

Wer mit Siri in Kontakt treten will, hält den Home-Button des iPhones etwas länger gedrückt – oder führt das Gerät wie beim Telefonieren zum Ohr. Auf die Frage «Was kannst du?» liefert Siri eine Liste mit Beispiel-Aufforderungen. Höflich ist der digitale Assistent auf jeden Fall: Wer sich bedankt, erhält die Antwort, die man sich von einem ergebenen Diener wünschen kann: «Ich möchte, dass du zufrieden bist.»

Liegt es am – zugegeben - nicht lupenreinen Hochdeutsch der Testpersonen, dass Siri öfter im Dunkeln tappt? Fakt ist: Bei vielen philosophischen Fragen, etwa nach seinem Vater, aber auch bei Fangfragen («Wo kann ich einen Schatz verstecken?») versteht das Gerät nur Bahnhof. Dafür trumpft Siri im wichtigsten und ureigensten Zuständigkeitsbereich auf. Der Nutzer kann sein Smartphone mittels Sprache bedienen. So wird etwa der Wecker wunschgemäss gestellt.

Termine im Griff

Auf Befehl wird auch der Wetterbericht für den kommenden Tag geliefert – verbunden mit dem Hinweis, ob ein Regenschirm erforderlich ist. Einfache Service-Abfragen sind ebenfalls problemlos möglich, etwa nach der Uhrzeit in Timbuktu.

Das Verknüpfen verschiedener Smartphone-Funktionen beherrscht Siri mehr als zufriedenstellend. So können bequem E-Mails verfasst und Kurznachrichten verschickt werden. Und auch den Terminkalender des Nutzers hat der digitale Assistent jederzeit im Griff. Voraussetzung ist natürlich, dass alle entsprechenden Daten auf dem iPhone gespeichert sind. Das sollte dank der Synchronisation der Geräte über Apples iCloud-Server kein Problem sein. Zwischendurch zeigt Siri auch die Grenzen auf, die ihm/ihr gesetzt wurden. «Tut mir leid, ich darf keine SMS-Nachrichten löschen», heisst es dann beispielsweise.

Im Beta-Stadium

Noch befindet sich die Technologie im Beta-Stadium. Sprich: Apple wird die künstliche Intelligenz auf dem iPhone weiterentwickeln und durch neue Features ergänzen. In naher Zukunft sollte Siri auch E-Mails vorlesen können – auf Deutsch werden bislang nur SMS-Nachrichten in gesprochene Sprache umgewandelt. Ob Siri dereinst auch Schweizerdeutsch verstehen wird, ist offen. Eine Antwort auf die entsprechende Frage verweigert der digitale Assistent.

Was man als Nutzer zudem beachten muss: Siri erfordert zwingend eine Internetverbindung, sonst funktionieren weder Spracherkennung noch Sprachbefehle. Die Verbindung kann über WLAN oder das Mobilfunknetz (3G) erfolgen – hingegen verweigert Siri im Flug-Modus den Dienst.

Ob der mehr oder weniger verständnisvolle Assistent als Killer-Feature funktioniert, wird sich zeigen. Ein amerikanischer Journalist brachte es auf den Punkt: «Ich würde nicht sagen, dass ich nicht ohne Siri leben kann. Aber ich kann sagen, dass ich nicht ohne leben will.»

Schneller Prozessor

Äusserlich ist bei der neuen iPhone-Version bekanntlich alles beim Alten geblieben, inklusive vergleichsweise kleinem 3,5-Zoll-Bildschirm, der dafür gut in jede Hosentasche passt. Unter der Haube hat Apple dafür gewaltig aufgerüstet, was das Handling des iPhone 4S zum reinen Vergnügen macht.

Angetrieben wird das iPhone 4S vom Doppelkern-Prozessor A5. Der von Apple entwickelte Chip wurde schon im iPad 2 verbaut. In der Praxis macht sich die Leistungssteigerung schon beim Einschalten des Geräts bemerkbar. Nach gut 20 Sekunden taucht der Homescreen auf. Die Apps starten blitzschnell und sind flüssig zu bedienen.

Auch bezüglich Grafikleistung spielt das neue iPhone in einer anderen Liga. Davon profitieren insbesondere die Game-Liebhaber, wie Apple anlässlich der Weltpremiere demonstrierte. Noch gibt es im App-Store nicht viele fürs 4S «optimierte» Spiele, um die Kollegen zu beeindrucken. Das dürfte sich bald ändern.

Bessere Bilder, schärfere Videos

Das iPhone 4S eignet sich ausserdem gut für Schnappschüsse. Wenn das Gerät im Standby-Modus ist, genügt ein Doppelklick auf den Home-Button. Ein Klick auf das Kamera-Symbol und man kann loslegen. Die geschossenen Bilder können sich sehen lassen. Die eingebaute Kamera profitiert vom schnelleren Prozessor und dem aufgebohrten Grafikchip. Sie verfügt über eine fünfte Linse und hat einen lichtempfindlicheren Sensor.

Beim Filmen kommt der eingebaute Beschleunigungssensor zum Tragen. Das 4S filmt in hochauflösenden 1080p, das heisst in Full-HD. Die Resultate halten den Vergleich mit teureren Profikameras stand, wie «Cult of Mac» kürzlich berichtete.

Tadelloser Empfang?

In Deutschland ist das iPhone 4S seit vergangenem Freitag erhältlich. Laut Medienberichten ist der Empfang deutlich besser als beim Vorgängermodell iPhone 4. Ob sich das neue iPhone auch in den Mobilfunknetzen der Schweizer Provider bewährt, wird sich schon bald zeigen. Natürlich hängt die Qualität der Verbindung auch von äusseren Einflüssen wie dem Antennenstandort ab.

Ob das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, ist Ansichtssache. Für das Gros der iPhone-4-Besitzer drängt sich kein Wechsel auf. Skeptikern bleibt die Option, auf das iPhone 5 zu warten. Gerüchten zufolge könnte die nächste iPhone-Generation im Sommer 2012 auf den Markt kommen. Als Alternative winkt auch noch Android. Erst kürzlich haben Google und Samsung das Galaxy Nexus (mit 4,65-Zoll-Bildschirm) vorgestellt.

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