Blutige Tradition: Sissacher schlachten an Metzgete öffentlich Säue
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Blutige TraditionSissacher schlachten an Metzgete öffentlich Säue

In der Baselbieter Gemeinde Sissach werden an der Metzgete Ende Oktober zwei Säue mitten im Dorf geschlachtet. Nun regt sich Kritik.

von
lha
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Diese beiden Mastschweine des Bio-Hofguts Ebenrain werden am 28. Oktober in Sissach vor Publikum geschlachtet.

Diese beiden Mastschweine des Bio-Hofguts Ebenrain werden am 28. Oktober in Sissach vor Publikum geschlachtet.

20 Minuten/daf
Die Organisatoren wollen mit dem öffentlichen Schlachten «die alte Tradition der Hausmetzgete wieder in Erinnerung rufen», wie es auf einem Flyer heisst.

Die Organisatoren wollen mit dem öffentlichen Schlachten «die alte Tradition der Hausmetzgete wieder in Erinnerung rufen», wie es auf einem Flyer heisst.

Die Metzgete hat in Sissach Tradition, wie historische Fotos aus der Sammlung von Fritz Hodel zeigen. Der Sissacher Fotograf hat eine Hausmetzgete auf undatierten Aufnahmen festgehalten.

Die Metzgete hat in Sissach Tradition, wie historische Fotos aus der Sammlung von Fritz Hodel zeigen. Der Sissacher Fotograf hat eine Hausmetzgete auf undatierten Aufnahmen festgehalten.

AGNHS/Sammlung Fritz Hodel

«Hautnah miterleben, wie zwei Schweine geschlachtet und verarbeitet werden» kann man an der Sissacher Metzgete, die am 28. Oktober stattfindet. Mit der öffentlichen Schlachtung «soll die Hausmetzgete, wie sie früher Tradition war, wieder in Erinnerung gerufen werden». So wird der Event vom Dorfmetzger auf einem Flyer beworben. Vom Bolzenschuss bis zur fertigen Wurst können Schaulustige dem blutigen Spektakel beiwohnen.

Daran finden nicht alle Gefallen. Der ehemalige Pfarrer von Rothenfluh Lukas Baumann kritisierte die Veranstaltung in einem Leserbrief der Sissacher Volksstimme als «entwürdigende Veranstaltung». Das öffentliche Töten von Tieren zur Belustigung des Volkes sei grausam und gehöre ins letzte Jahrhundert. Er forderte die Organisatoren gar auf, die Veranstaltung abzusagen.

«Das hat nichts mit Realität des Schlachtens zu tun»

Mit dieser Haltung steht Baumann, der als «Chüngelipfarrer» in der Regionalpresse zu Prominenz gelangte, nicht allein da. Beim Schweizer Tierschutz ist man fassungslos. «Für mich klingt das Ganze nach einem Gag, der nichts mit der Realität des Schlachtens zu tun hat», sagt der Geschäftsführer Hansueli Huber gegenüber der «Basler Zeitung». Es sei ja zu begrüssen, wenn sich die Leute mit den Hintergründen der Fleischproduktion auseinandersetzten, aber eine solche Show-Metzgete trage kaum zur Aufklärungsarbeit bei.

«Alternativen zur Fliessband-Schlachtung aufzeigen»

Die Organisatoren wehren sich gegen diese Vorwürfe. «Wir wollen die Leute nicht belustigen, sondern aufzeigen, dass es zum Schlachten am Fliessband humanere Alternativen gibt und ein Schwein nicht nur aus Filets und Schinken besteht», erklärt Mitorganisator Heiner Oberer in der BaZ. Er betont zudem, dass alle Anforderungen des Tierschutzes erfüllt seien, ein Tierarzt vor Ort sei und der Anlass von den kantonalen Behörden abgesegnet wurde.

Pfarrer Baumann überlegt sich derweil, die Metzgete mit einer Protestaktion zu begleiten.

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