Hitzfelds Sperre: «Sitzen Sie in Griechenland auf der Tribüne?»
Aktualisiert

Hitzfelds Sperre«Sitzen Sie in Griechenland auf der Tribüne?»

Für Nati-Coach Ottmar Hitzfeld sind die Bayern schon Meister und die Fifa-Sperren weiterhin ein Ärgernis. Dies trübt die Vorbereitung auf das WM-Qualispiel gegen Zypern aber nicht.

von
Andy Huber

Ottmar Hitzfeld, am Freitag startet die Bundesliga in die Rückrunde. Wie beurteilen Sie die Ausgangslage?

Ottmar Hitzfeld: Sehr eindeutig: Der FC Bayern München hat mächtig vorgelegt, die Konkurrenz um zwölf und mehr Punkte distanziert.

Also dürfen sich die Münchner, die erstmals ungeschlagen die Rückrunde überstehen wollen, schon jetzt einen Platz für die Meisterschüssel an der Säbener Strasse reservieren?

Sie hatten einen phänomenalen Herbst. Nicht nur die Erfolge an sich, sondern auch die Art und Weise, wie sie erspielt wurden, lassen bei mir keine Zweifel zu, dass sie Meister werden. Selbst wenn Dortmund alle Spiele gewinnt: Die Bayern werden nicht zwölf Punkte abgeben.

Auch Timm Klose zeigte mit Nürnberg eine starke Hinrunde. Hat er eine Chance, bei Ihnen Stammspieler zu werden?

Die Startelf der Schweizer Nati ist immer offen für Spieler, die besondere Leistungen zeigen. Klose hat mir imponiert, wie er sich im Testspiel vom November in Tunesien eingesetzt hat, obwohl er drei Tage später mit Nürnberg gegen die Bayern antreten musste. Ich hätte keine Probleme, ihn aufzustellen. Aber ich vergesse auch nicht, dass Johan Djourou und Steve von Bergen bisher eine sehr gute WM-Qualifikation gespielt haben.

Und wie sieht es bei Tranquillo Barnetta aus?

Auch Barnetta war ein Leistungsträger des Schweizer Teams in der WM-Qualifikation. Natürlich verfolge ich die Entwicklung im Klubteam. Wenn er bei Schalke weiterhin nicht regelmässig oder nur zu kurzen Einsätzen kommt, kann es sein, dass wir in den Vorbereitungen zu unseren Spielen entscheiden müssen, ob und mit welchen Aufgaben er bei uns zum Einsatz kommt. Das kann dann auch von seiner aktuellen Form abhängen. Aber ich zweifle keine Sekunde an Barnettas Qualitäten. Er ist ein Führungsspieler in unserem Team.

Erfreut haben dürfte Sie, dass Djourou Ihren Rat befolgt hat und von Arsenal zu Hannover gewechselt ist. Hatten Sie vor dem Transfer Kontakt mit Trainer Mirko Slomka?

Nein, nicht direkt mit dem Trainer. Aber in Hannover konnte man aus vielen Kommentaren von meiner Seite den Schluss ziehen, dass ich sehr viel von Djourou halte ... (schmunzelt)

Das tun Sie wohl auch von Xherdan Shaqiri, der sich in München zum Publikumsliebling gemausert hat und regelmässig zum Einsatz kommt. Wie sehen Sie seine Rolle, seine Entwicklung in diesem Jahr?

Shaqiri hat den Sprung in die Bundesliga geschafft. Er ist mit seiner Rolle gut zurechtgekommen. Beim FC Basel war er zuletzt Stammspieler gewesen – ein absoluter Leistungsträger. Im letzten halben Jahr musste er lernen, oft von der Bank ins Spiel zu kommen. Das schaffte er sehr gut. Er ist ein belebendes Element. Nicht nur für die Nati, sondern auch für die Bayern.

Bereits in drei Wochen sehen Sie Ihre Schützlinge beim Test gegen Griechenland wieder. Man darf annehmen, dass Sie Ihr Team für die Hauptprobe vor den beiden WM-Qualifikationsspielen gegen Zypern schon im Kopf haben?

Natürlich habe ich das Kader, den Stamm des Teams im Kopf. Die Nomination der Spieler für das Länderspiel vom 6. Februar ist allerdings keine einfache - weil noch nicht in allen Ländern gespielt wird, in denen unsere Akteure unter Vertrag sind. In der Schweiz beginnt die Rückrunde gar erst am Wochenende nach unserer Partie in Griechenland. (Überlegt) Grosse Veränderungen zeichnen sich nach heutigem Gesichtspunkt nicht ab. Aber nochmals: Die Türe zum Nationalteam ist immer offen.

Für die beiden Partien gegen Zypern Ende März und Anfang Juni sind Sie wegen der «Mittelfinger-Affäre» von der Fifa gesperrt worden und müssen auf die Tribüne. Ärgern Sie sich immer noch über das Urteil?

Ja. Das Urteil ist sehr hart, das Strafmass hat mich überrascht. Aber diese Diskussion ist müssig. Jetzt gilt es, die Konsequenzen zu tragen.

Welche Auswirkungen wird Ihre Verbannung am Spieltag auf die Mannschaft haben – haben Sie sich schon mit Ihrem Assistenten Michel Pont abgesprochen?

Ich bin natürlich im ständigen Dialog mit Michel Pont. Wie immer, wenn es darum geht, die Vorbereitung auf ein Spiel und mögliche taktische Marschrouten abzusprechen.

Werden Sie bereits gegen die Griechen den «Ernstfall» proben und auf der Tribüne Platz nehmen?

Nein, ich werde wie bisher immer auf der Bank sein.

Wie stellen Sie sich darauf ein, dass das Medieninteresse an Ihrer Person gegen die Zyprioten aufgrund der besonderen Konstellation noch grösser sein wird als sonst schon?

Das gehört halt zum Job. Es gibt jedoch sehr viel Wichtigeres – vor allem dass die Vorbereitung in der Woche vor dem Spiel möglichst problemlos verläuft.

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