Kindersitze: «Sitzli-Zwang» führt zu Bussenwahn
Aktualisiert

Kindersitze«Sitzli-Zwang» führt zu Bussenwahn

Seit fast einem Jahr ist die umstrittene Kindersitzpflicht in Kraft. Verstösse werden rigoros gebüsst. Kritik wird laut.

von
kub
Der Kindersitz-Zwang führt zu vielen Bussen.

Der Kindersitz-Zwang führt zu vielen Bussen.

Mit dem neuen Gesetz dürfen Kinder bis zum 12 Altersjahr nur in einem speziellen Kindersitz mitfahren, zuvor waren es 7 Jahre. Verstösse gegen den verschärften «Sitzli»-Zwang, der am 1. April 2010 in Kraft trat, werden rigoros gebüsst. Das berichtet die Zeitung «Der Sonntag».

Allein im Kanton Zürich gab es seit April bis Anfang Februar «rund 500 Bussen wegen Mitführens eines nicht gesicherten Kindes», sagt Werner Schaub, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich. Das sind fast zwei Strafzettel pro Tag.

Im Kanton Basel-Stadt hat sich die Zahl der Strafzettel wegen dem neuen Kindersitz-Gesetz beinahe verdoppelt: «2010 gab es 127 Bussen, 2009 waren es 68 Bussen», sagt Martin Schütz, Sprecher der Kantonspolizei Basel-Stadt.

Kritik wird laut

Im Aargau büsste die Polizei letztes Jahr 530 Automobilisten. weil die Sprösslinge nicht vorschriftsmässig im separaten Sitz festgezurrt waren. Berner Polizisten zückten 352 mal den Bussenblock, in St. Gallen war das 195 mal der Fall.

FDP-Nationalrat Markus Hutter, Vizepräsident der Verkehrskommission, kritisiert den Bussenwahn: «Ich finde es ausserordentlich unsensibel von der Polizei, dass sie das so extensiv kontrollieren.» Man werde im Parlament Druck machen, damit das Gesetz gelockert werde. Der Sesselzwang ist für CVP-Nationalrat Gerhard Pfister, Vizepräsident der IG Freiheit, ein weiteres Beispiel. «wie die Eigenverantwortung eingeschränkt wird». Die Bussen würden zeigen, dass die Vorschrift beim Volk nicht angekommen sei.

Auch Maya Mulle, Präsidentin von Eltern und Bildung stört die Regulierungswut. Der erweiterte Kindersitz-Zwang sei realitätsfremd: «12jährige kommen in die Pubertät - sie wollen nicht unbedingt in einem Kindersitz sitzen.»

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