Pedrosa-Sturz: Skandal beschert Rossi erstes Ducati-Podest

Aktualisiert

Pedrosa-SturzSkandal beschert Rossi erstes Ducati-Podest

Honda-Star Casey Stoner gewinnt den GP von Frankreich. Aber das Gesprächsthema ist der Skandal, der Valentino Rossi das erste Ducati-Podest beschert hat.

von
Klaus Zaugg
Le Mans

Zwischenfall zwischen Pedrosa und Simoncelli. (Quelle: Youtube)

Die Szene, die zu reden gibt: Der Haudegen Marco Simoncelli (Honda) überholt elf Runden vor Schluss Honda-Fahrer Dani Pedrosa auf der Aussenbahn. Der Spanier reagiert irritiert, touchiert mit seiner Maschine das Bike von Simoncelli und stürzt. Der Lapsus kann ihn den Titel kosten.

Didier de Radigues, ein ehemaliger Weltklasse-Pilot, heute der angesehenste TV-Kommentator im Zirkus und als Belgier neutral, sagt gegenüber 20 Minuten Online: «Ganz klar Pedrosas Fehler.» Er bestätigt damit den Eindruck, den selbst ein Laie beim Studium der TV-Bilder hat. Valentino Rossi hingegen, auch ein Meister der Polemik, sagt nach dem Rennen, es sei der Fehler von Simoncelli.

Doch die vierköpfige Rennjury ist anderer Meinung. Noch während des Rennens wird hinunter an die Boxen gefunkt und das Team von Simoncelli muss seinem Fahrer eine Strafdurchfahrt durch die Boxenstrasse signalisieren. Der Italiener verliert dadurch seinen dritten Platz an Superstar Valentino Rossi und kommt «nur» auf Rang 5.

Diskussionen nach fragwürdiger Bestrafung

Für Rossi – im Titelkampf auf dem dritten Zwischenrang mit 31 Punkten Rückstand auf Stoner ohne Chance – ist es nach einem siebten und zwei fünften Plätzen das erste Podest für seinen neuen Arbeitgeber Ducati.

MotoGP: Rossi kegelt Stoner raus

Die Bestrafung Simoncellis löst heftige Reaktionen aus. Die Verantwortlichen des GP-Promotors Dorna – einer spanische Firma – reklamieren nicht. Ein Spanier aus einem spanischen Team (Repsol Honda) ist von einem Italiener aus einem italienischen Team zu Fall gebracht worden. Justice is done. Die italienischen und neutralen Beobachter hingegen sprechen von einem Skandal.

MotoGP: Rossi entschuldig sich bei Stoner

Zwei Superstars = ein Problem

Der Zwischenfall ist kein Zufall. Die Stimmung in der wichtigsten Töff-Rennklasse ist aufgeheizt. Die Krise der Kategorie MotoGP ist offensichtlich: Nur noch 17 Piloten am Start und 13 im Ziel. Superstar Valentino Rossi kann nach dem Wechsel von Yamaha zu Ducati nicht mehr um den Sieg mitfahren und damit verliert er an Charisma und die MotoGP-WM an Attraktivität. Honda hat zwei Superstars, die diese WM gewinnen können: Casey Stoner (Aus) und Daniel Pedrosa (Sp).

Aber die beiden fahren ausgerechnet im gleichen, vom spanischen Erdölgiganten finanzieren Team (Repsol) und gönnen sich gegenseitig nicht einmal das Zahnweh. Stoners Nerven sind durch die teaminterne Rivalität so angespannt, dass er während des Aufwärmtrainings am Vormittag Randy De Puniet in voller Fahrt einen Faustschlag versetzte – der Franzose war vom Gas gegangen und hatte den hinter ihm fahrenden Australier irritiert.

Titelverteidiger Lorenzo bleibt Cool

Stoner wurde für den Vorfall von der Rennjury im Schnellverfahren mit 5000 Dollar gebüsst, was neutrale Beobachter ebenfalls als Skandal werten. Stoner hätte für seinen Ausraster mindestens mit einer Rückversetzung vom ersten auf den letzten Startplatz oder gar einer Disqualifikation bestraft werden können – oder müssen.

Cool ist bisher nur Titelverteidiger Jorge Lorenzo geblieben. Er ist bei Yamaha die unumstrittene Nummer eins. Die Hondas sind zwar schneller als seine Yamaha – aber dafür hat er intern Frieden und Harmonie. Er holte Platz vier und führt in der WM mit zwölf Punkten Vorsprung auf Stoner.

Dani Pedrosa hat sich bei seinem Sturz das Schlüsselbein gebrochen. Der Spanier wird am Montag operiert, will beim nächsten GP am 6. Juni in Barcelona aber schon wieder fahren.

Deine Meinung