Kaiseraugst AG: «Skandal, das war an der Eingangstür!»
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Kaiseraugst AG«Skandal, das war an der Eingangstür!»

Am Eingang und im Lift eines Wohnblocks in Kaiseraugst tauchten rassistische Aushänge auf. Eine Bewohnerin machte sie auf Facebook publik.

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kom
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Dieser Zettel hing an der Eingangstür des Wohnblocks.

Dieser Zettel hing an der Eingangstür des Wohnblocks.

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Im Lift wurde diese Botschaft hinterlassen.

Im Lift wurde diese Botschaft hinterlassen.

Facebook.
Der Vorfall ereignete sich in einem dieser Wohnblöcke.

Der Vorfall ereignete sich in einem dieser Wohnblöcke.

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Vor rund einer Woche fand Maria Bartok* im Eingangsbereich ihres Wohnblocks am Weidenweg in Kaiseraugst AG handgeschriebene Zettel mit rassistischen Botschaften. Der eine Zettel hing bei der Eingangstür, der andere im Lift. «Ich bin schockiert. Ich selbst stamme aus Ungarn und meine Familie musste im Zweiten Weltkrieg einiges durchmachen», erzählt die Frau, die die Botschaften in den sozialen Medien öffentlich machte. «Skandal! Das haben wir an Eingangstür und im Lift gefunden. Es ist echt traurig», schrieb sie dazu.

Dass so etwas ausgerechnet in ihrer Siedlung passiere, überrasche sie: «Die Siedlung ist sehr multikulturell. Bisher war es friedlich und es gab auch immer wieder gemeinsame Anlässe und Aktivitäten.»

20 Minuten legte der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) Fotos des Aushangs vor. GfbV-Abteilungsleiterin Angela Mattli sagt dazu: «Jenische, Sinti und Roma die Menschlichkeit abzusprechen und mit Schweinen zu vergleichen, ist absolut inakzeptabel und ein klarer Verstoss gegen die Rassismus-Strafnorm. Hier gibt es nichts zu diskutieren.»

«Diese Vorstellung beunruhigt mich»

Das NGO treffe Abklärungen und überlege sich, eine entsprechende Anzeige zu erstatten. Der Verstoss gegen die Rassismus-Strafnorm ist ein Offizialdelikt und die Staatsanwaltschaft muss in solchen Fällen ermitteln. Die Medienstellen der Aargauer Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft wollten sich auf Anfrage nicht zur strafrechtlichen Relevanz der Affichen äussern.

Bei Bartok hat die rassistische Aktion Spuren hinterlassen: «Jetzt fühle ich mich in meinem eigenen Zuhause unwohl und bin traurig. Schlussendlich betreffen uns die Zettel alle, auch wenn sie nicht explizit an uns gerichtet sind.» Und sie sagt: «Die Vorstellung, dass es unter uns jemanden gibt, der so eine extreme Wut in sich hat, beunruhigt mich.»

Auch Mattli findet den Vorfall bemerkenswert: «In dieser Deutlichkeit wird Rassismus selten geäussert, aber es kommt immer wieder vor. Stereotypen und Rassismus gegen Fahrende ist aber ein strukturelles Problem und in der Schweiz leider tief verankert.»

*Name geändert

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